Es ist wieder passiert. Die Formel 1 muss in Las Vegas 2025 erneut wegen eines beschädigten Gullideckels ein Training abbrechen. Glücklicherweise artet es im 2. Training diesmal nicht so aus wie beim Debüt der Strecke vor zwei Jahren. Dennoch ist es das zweite Mal in drei Rennen, dass beim selbst vermarkteten Prestige-Projekt der Formel 1 in Las Vegas etwas schiefgeht.

2025 und 2023 haben allerdings nichts miteinander zu tun. 2023 waren es streng genommen auch keine Gullideckel gewesen. Damals ging es um Abdeckungen von Versorgungsleitungen unter dem berühmten "Strip", der von der Formel 1 ebenfalls befahren wird. Er war damals vor dem Rennen neu asphaltiert worden. Nicht einmal 10 Minuten nach Beginn von FP1 hatte sich dann eine der betonierten Fassungen gelöst und die Autos von Esteban Ocon (damals Alpine) und Carlos Sainz (damals Ferrari) schwer beschädigt.

2023 artete zu einem handfesten Skandal aus, weil das 1. Training dann komplett abgesagt werden musste, um alle anderen Fassungen zu überprüfen. Erst um 02:30 Uhr Ortszeit konnte man dann FP2 austragen. Davor wurden wegen Arbeitszeit-Beschränkungen des Sicherheitspersonals auch noch die letzten ausharrenden Fans von den Tribünen verwiesen. Obendrauf erzwang der Unfall bei Sainz das Einbauen eines neuen Motorenteils, wodurch der das Limit überschritt und unschuldig noch eine Startplatz-Strafe erhielt.

FIA-Rennleitung geht bei losem Las-Vegas-Gulli 2025 kein Risiko

Womöglich ist aber auch die Sainz-Erfahrung mitsamt der heftigen folgenden Ferrari-Kritik der Grund dafür, warum man 2025 umso vorsichtiger vorging. 2023 war die Stelle erst nur mit gelben Flaggen bedacht worden, ehe Sainz den Deckel voll mitnahm. 2025 hingegen wurde bei der ersten Meldung von Streckenposten über einen womöglich losen Gullideckel in Kurve 17 sofort abgebrochen und mit der Inspektion begangen, als man die Berichte nicht sofort durch Überwachungskameras verifizieren konnte.

Diesmal geht es auch wirklich um einen Gulli, nämlich direkt außen am Eingang des schnellen Linksknicks von Kurve 17, gegenüber der Boxeneinfahrt. Ein denkbar unglücklicher Ort für die Formel 1. Er liegt genau auf der Rennlinie. Die Autos überfahren ihn mit knapp 320 km/h, oft fast perfekt mittig, und üben dabei natürlich extrem hohe Belastungen aus.

Dass die von Formel-1-Autos ausgehenden aerodynamischen Kräfte Fassungen von Gullis lockern können, ist allgemein bekannt. Stadtkurse fixieren üblicherweise Gullis für Rennen zusätzlich. Wie sich der Las-Vegas-Gulli trotzdem lösen konnte, wird noch überprüft.

Allzu locker schien er auch nicht gewesen zu sein. Mitglieder der FIA-Rennleitung hatten bei der ersten roten Flagge die Stelle inspiziert und sie schließlich für sicher befunden. Beim Neustart nach 16 Minuten Pause blieben sie nun aber gemeinsam mit den Streckenposten vor Ort - und sahen bei den ersten Autos sofort selbst, wie sich der Deckel erneut bewegte. Das resultierte dann gut drei Minuten vor Schluss im endgültigen Abbruch.

Offizielle überprüfen Gullis am Freitag bei der Formel 1 in Las Vegas
Die Stelle des sich lösenden Gullideckels in Las Vegas, Foto: IMAGO / Imagn Images

Restliches Formel-1-Wochenende in Las Vegas nicht gefährdet?

Anders als 2023 dürfte es sich also wirklich nur um einen isolierten Zwischenfall gehandelt haben. Das 30 Minuten nach Ende von FP2 stattfindende Qualifying der F1 Academy ging schon wieder planmäßig über die Bühne.

Dennoch ist die Angelegenheit für die Formel 1 unangenehm. Denn Las Vegas ist das einzige Rennen im Kalender, welches die Serien-Eigentümer von Liberty Media auch selbst organisieren und vermarkten. Zwei Zwischenfälle in drei Jahren hinterlassen da einen mäßigen Eindruck von einem Rennen, an dessen Ausrichtung es besonders im ersten Jahr sowieso schon teils harte Kritik gab.

Las Vegas ist aber auch nicht die einzige Rennstrecke, auf der es schon Gulli-Zwischenfälle gab. Auch Baku, Malaysia oder Shanghai erlebten schon Ähnliches: