Oscar Piastri hatte im Qualifying der Formel 1 in Las Vegas wieder kein glückliches Händchen. Der WM-Anwärter war im Regen gut unterwegs und machte bis hin zum Q3 alles, was nötig war. Die entscheidende Attacke wurde für ihn jedoch zu einem enttäuschenden Rohrkrepierer. Im finalen Run ruinierte eine gelbe Flagge wegen Charles Leclerc alle Chancen auf eine bessere Startposition. Zu allem Überfluss knallte es dann auch noch um ein Haar mit Isack Hadjar. Das Ergebnis des ganzen Chaos war ein enttäuschender fünfter Platz.

"Wenn ich da versucht hätte, weiter zu pushen, wäre das Risiko einer Strafe für mich ziemlich groß gewesen", erklärt Piastri, weshalb er seinen letzten Versuch im Q3 lieber abbrach, anstatt mit einem Verzweiflungsakt größeren Ärger zu riskieren. McLaren hatte bei der Schlussphase im Qualifying das perfekte Timing. Teamkollege Lando Norris und er gingen vor Ablauf der Zeit als letzte Fahrer über die Linie, um bei optimalen Streckenbedingungen den letzten Versuch zu starten.

Eine durch Charles Leclerc Verbremser in Kurve 12 ausgelöste gelbe Flagge brachte ihn dann um alle Chancen. "Ich sah Gelb und es ist eine blinde Kurve. Ich weiß nicht, ob dort ein Auto steht oder ich plötzlich ausweichen muss. Die natürliche Reaktion ist dann, zu verlangsamen", so der 24-Jährige, dem die Situation bei den schwierigen Bedingungen auf dem Stadtkurs einfach zu kritisch war.

Nur leicht vom Gas zu gehen und die Rundenzeit und damit eine mögliche Verbesserung zu erzwingen, schien ihm zu gewagt. "Es ist schon mit sehr viel Risiko verbunden, wenn du das System hier ausreizen willst, indem du gerade so genug Zeit aufgibst", sagt er. "Du musst es schon wirklich drauf ankommen lassen, wenn du dich da noch verbessern willst, besonders bei diesen Bedingungen."

Oscar Piastris letzte Qualifying-Runde zum Scheitern verurteilt

Im direkten Vergleich mit Norris war er auf dieser letzten Qualifying-Runde ohnehin im Hintertreffen. Schon im ersten Sektor verlor er eine halbe Sekunde auf den WM-Rivalen. "Was die Ausführung anging, liefen schon von Beginn der Runde an einige Sachen nicht gut. Ich musste mit ein paar Dingen herumfummeln und das lief nicht so, wie ich mir das gedacht hatte", so der neunmalige Grand-Prix-Sieger.

Mit 30,830 Sekunden war er in Sektor 1 dafür nahezu Zeitgleich mit den Sektorzeiten von Max Verstappen und Carlos Sainz, die letztendlich auf den Startplätzen zwei und drei landeten. "Oscars letzte Runde hätte ihn auf die ganz vorderen Positionen bringen können. Ich denke, P3 war möglich", ist McLaren-Teamchef Andrea Stella überzeugt. Für Piastri ist klar, dass es so oder so wieder einmal nicht gereicht hat: "Ich weiß nicht, wie viel Zeit da letztendlich noch zu holen war. Es waren noch drei, vier Kurven. Das ist schwer zu sagen, aber was ich sagen kann, ist ,dass mehr drin war und wir es nicht genutzt haben."

Isack Hadjar motzt über gehorsamen Oscar Piastri

Die entscheidende Szene wurde für Piastri dann allerdings noch dramatischer, als Isack Hadjar ihm fast ins Heck knallte. Der Racing-Bulls-Rookie wurde vom verlangsamenden Australier überrascht und drängelte sich nach einem knappen Ausweichmanöver innen vorbei. "Piastri hat viel zu stark verlangsamt! Das gibt's nicht!", funkte der Franzose aufgebracht. "Der Typ hat uns die Session versaut!"

Die Rennleitung untersuchte die Szene hinterher und kam zu dem Ergebnis, dass bei keinem der Fahrer ein Fehlverhalten vorlag. Für Piastri war es letztendlich nur eine Randnotiz: "Ich sah ihn kommen, als ich wegen Gelb verlangsamte. Es war nur kurz gelb, vielleicht war es für ihn schon aufgehoben. Ich sah, dass er fast mein Heck erwischte... [] Aber für mich war das eher von sekundärer Natur, nachdem ich schon die Runde abbrechen musste."

Von Startplatz fünf bleibt ihm für das Rennen letztendlich nur auf etwas mehr Glück in der Stadt der Spieler zu hoffen. "Das hier ist immer noch Las Vegas. Es kann viel passieren, wir haben hier in den vergangenen Jahren ziemlich unterhaltsame Rennen gesehen, mit viel Action. Hoffentlich kann ich diesmal auf der richtigen Seite der Action sein", so Piastri.