Die Formel 1-Saison 2025 ist zu Ende und wir ziehen Bilanz: Welcher Rookie hat das Jahr mit einem erstklassigen Zeugnis abgeschlossen, wer muss über den Winter zum Nachsitzen. Und was hält F1-Experte Christian Danner von dem, was Gabriel Bortoleto, Kimi Antonelli, Isack Hadjar, Oliver Bearman und Liam Lawson 2025 gezeigt haben? Und warum bildet Franco Colapinto für ihn eine Ausnahme? Wir verraten es.

Gabriel Bortoleto: Nur im Qualifying auf Hülkenberg-Niveau

Gabriel BortoletoNico Hülkenberg
WM-PlatzierungP19P11
Punkte1951
Qualifying-Duell 12 (52,2 %) 11 (47,8 %)
Ø Note MSM-Ranking3,24 (P15)2,74 (P8)

Gabriel Bortoleto darf auf eine Sache besonders stolz sein: Er hat seinen erfahrenen Teamkollegen Nico Hülkenberg auf einer schnellen Runde mit 12:11 knapp geschlagen. Über das Jahr hinweg konnte der Sauber-Rookie einige Höhepunkte setzen, beispielsweise beim Großen Preis von Ungarn. Allerdings erlaubte er sich auch den einen oder anderen Patzer, beispielsweise in Saudi-Arabien und bei den beiden USA-Rennen. Das zeigt sich nicht nur in der Punktedifferenz zum Teamkollegen, sondern auch im MSM-Ranking: Mit einem Notendurchschnitt von 3,24 belegt Bortoleto Platz 15.

Christian Danner spricht Klartext zu Bortoleto:
"Auch wenn er in Brasilien und Las Vegas gecrasht ist, ist Bortoleto für mich trotzdem der beste Rookie 2025. Einerseits, weil er sich zum Schluss wieder gefangen hat, und andererseits, weil er von allen Rookies die geringste Erfahrung hatte. Er war der am wenigsten auf die Formel 1 vorbereitete Rookie.

Oliver Bearman lässt Esteban Ocon hinter sich

Gabriel BortoletoEsteban Ocon
WM-PlatzierungP13P15
WM-Punkte4138
Qualifying-Duell 14 (58,3 %) 10 (41,7 %)
Ø Note MSM-Ranking2,92 (P11)3,18 (P14)

"Geht es noch tiefer?", fragte sich Haas-Teamchef Ayao Komatsu angesichts solcher Fehler wie im Silverstone-Training, als Oliver Bearman bei roter Flagge in der Boxeneinfahrt crashte. Die Pace stimmte beim Rookie von Anfang an, was auch der interne Qualifying-Vergleich mit Esteban Ocon zeigt. Mit 14:10 stellte Bearman seinen erfahreneren Teamkollegen in den Schatten. Doch in der ersten Saisonhälfte konnte er seine Pace nicht in Ergebnisse umwandeln. Ab dem Singapur GP lief es deutlich besser. Fünf Mal in Folge holte Bearman Punkte im Haas, der Höhepunkt war ein vierter Platz in Mexiko. Mit einem Notendurchschnitt von 2,29 belegt er Platz 11.

Christian Danner spricht Klartext zu Bearman:
"Mir hat Bearman über die Saison hinweg wahnsinnig gut gefallen, auch wenn er ein paar Mal gecrasht ist. Aber er war auch sauschnell."

Kimi Antonelli: Super-Rookie kommt an Russell nicht heran

Kimi AntonelliGeorge Russell
WM-PlatzierungP7P4
WM-Punkte150319
Qualifying-Duell 3 (12,5 %) 21 (87,5 %)
Ø Note MSM-Ranking3,10 (P13)2,14 (P2)

Mit dem Ruf des Wunderkinds kam Kimi Antonelli in die Formel 1. Obwohl er in Miami mit der Sprint-Pole recht früh in der Saison ein Ausrufezeichen setzen konnte, verlief seine Debütsaison durchwachsen. Zum einen lag das an der von Mercedes eingeführten Hinterradaufhängung, die Antonellis aggressiven Fahrstil überhaupt nicht entgegenkam und sein Vertrauen ins Auto und in sich schmälerte. Zum anderen leistete er sich unnötige Fehler wie in Österreich als er Verstappen abschoss oder in Monza als er seinen W16 im Kiesbett versenkte. Erst gegen Saisonende konnte Kimi Antonelli mit starken Ergebnissen überzeugen, was seinen MSM-Notendurchschnitt auf 3,10 verbesserte.

Christian Danner spricht Klartext zu Antonelli:
"Mir hat Antonelli nicht immer gefallen. Da war schon auch noch viel Luft nach oben. In Einzelfällen hat es dann auf einmal funktioniert. Da lief alles rund und seine Performance war gut. Das heißt, das Potenzial ist da. Wir werden sehen, inwieweit er sich da weiterentwickeln kann."

Isack Hadjar: Unaufhaltsam auf dem Weg ins Red-Bull-Cockpit

Isack HadjarLiam Lawson
WM-PlatzierungP12P14
WM-Punkte5138
Qualifying-Duell 18 (75 %) 6 (25 %)
Ø Note MSM-Ranking2,63 (P7) 3,50 (P17)

Der Saisonstart verlief für Isack Hadjar alles andere als erhofft. Als er seinen Wagen in der Einführungsrunde zum Australien GP verlor, musste er über sich auch noch Häme wegen seiner Emotionen gefallen lassen. Je länger die Saison lief, desto mehr überzeugte Hadjar, weshalb er am Ende der Saison auch mit einem Cockpit bei Red Bull Racing belohnt wurde. Besonders auf einer schnellen Runde hatte Teamkollege Liam Lawson keine Chance. Neben seiner Pace konnte er vor allem mit seiner Konstanz im Qualifying überzeugen. In 24 Qualifyings schied er nur zweimal in Q1 aus, entsprechend gut – mit einem Notendurschnitt von 2,63 – schließt Hadjar die Saison ab.

Christian Danner spricht Klartext zu Hadjar:
"Hadjar war eine riesige Überraschung. Gemeinsam mit Bortoleto ist er für mich der beste Rookie. Allerdings ist er dank Red Bull ganz anders hineingewachsen. Da waren viele Tests, Simulatorarbeit usw. dabei. Entsprechend hatte er mehr Rückenwind, aber wie er es umgesetzt hat, war großartig."

Liam Lawson ließ sich von der Degradierung nach nur zwei Rennen für Red Bull Racing nicht unterkriegen und lieferte das eine oder andere starke Wochenende ab wie in Österreich und Aserbaidschan. Auch in Monaco, Ungarn, Brasilien und Austin konnte Lawson überzeugen. Trotzdem schnitt er im direkten Vergleich mit Isack Hadjar schlechter ab – im Qualifying, im Endklassement und bei MSM. Sein Notendurschnitt lag bei 3,5.

Christian Danner spricht Klartext zu Lawson:
Für mich ist Lawson eigentlich kein Rookie. Er hat sich auf jeden Fall bei Racing Bulls rehabilitiert, auch wenn er dieses Jahr als einziger Fahrer eine Strafe wegen 'erratic driving' bekommen hat. Das heißt, der fuhr solch einen Scheiß zusammen, dass man einschreiten musste. Ich kann mich nicht erinnern, dass in den letzten Jahren überhaupt ein Fahrer deswegen eine Strafe bekommen hat. Das sollte er abstellen, dann tut er sich in der Zukunft ein bisschen leichter.

Franco Colapinto: Chancenlos gegen Gasly & Rest des Feldes

Franco ColapintoPierre Gasly
WM-PlatzierungP20P18
WM-Punkte022
Qualifying-Duell 5 (27,8 %) 13 (72,2 %)
Ø Note MSM-Ranking3,97 (P20) 3,09 (P12)

Der späte Saisoneinstieg sowie ein schwieriger und nicht konkurrenzfähiger Alpine machten es Franco Colapinto nicht leicht. Entsprechend milde fällt auch das Urteil von Christian Danner aus: "Es ist ein bisschen unfair ihn zu bewerten. Er war am Anfang wirklich nicht besonders, aber über die Saison hinweg hat er aufgeholt. Nur weiß ich aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, wenn man in einem Auto sitzt, das überhaupt nichts hergibt. Da kannst du dir den Hintern abfahren und keiner merkt es. Daher würde ich sagen, den Colapinto lassen wir aus der Wertung, weil er einfach so ein schlechtes Auto hatte."

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