Nach seinen starken Ergebnissen in Mexiko und São Paulo soll Oliver Bearman bereits bei Ferrari auf der Liste als möglicher Hamilton-Nachfolger stehen. Ganz oben auf der Liste steht jedoch der Haas-Pilot und Ferrari-Schützling mit neun Strafpunkten in der Formel 1-Sündenkartei. Das bedeutet, dass er bis zum 23. Mai 2026 höllisch aufpassen muss. Denn erst dann verfallen die Strafpunkte. Sollte er sich zwischenzeitlich etwas zuschulden kommen lassen und sein Punktekonto auf zwölf Punkte anwachsen, muss er einen Grand Prix lang zuschauen.

Komatsu: Pace ist da, die Konstanz fehlt

Eine Situation, die Haas-Teamchef Ayao Komatsu durchaus beunruhigt. Zwar bescheinigt er Bearman Speed, aber in seinen Augen schoss der Rookie dieses Jahr schon zu oft den Bock ab. "Sorry, aber unter roter Flagge zu überholen, ist einfach unterste Schublade. Bei Rot in der Boxengasse abzufliegen, ist genauso unterste Schublade. Geht's überhaupt noch tiefer? Er hat die Pace – das steht außer Frage. Aber um dieses Potenzial zu nutzen, muss man im Qualifying und im Rennen konstant abliefern", stellte Komatsu klar.

    Übersicht Strafpunkte: Oliver Bearman
  • 2 wegen Überholens unter roter Flagge in Monaco
  • 4 wegen Vergehens unter roter Flagge in England
  • 2 wegen Kollision mit Sainz in Italien
  • 1 wegen Kollision mit Lawson in Brasilien

Die komplette Übersicht aller Strafen, Strafpunkte, Verwarnungen gibt es hier:

Gerade im eng umkämpften Mittelfeld können Fehler den entscheidenden Unterschied ausmachen. Als positives Beispiel nennt Komatsu den Mexiko-Grand-Prix. Bearman, der von Startplatz acht ins Rennen ging, war auf dem besten Weg zu einer faustdicken Sensation in Form von Platz drei und somit dem ersten Haas-Podium der Geschichte. "In Mexiko hat man gesehen, wie wichtig es ist, vorne zu stehen. Jeder war dort mit dem Kühlen von Reifen und Bremsen beschäftigt. Oli hatte die meiste Zeit freie Fahrt. Im Vergleich dazu: Max [Verstappen]. Okay, er war auf Medium unterwegs und wir auf Soft, aber er ist trotz des schnelleren Autos hinter uns geblieben", so Komatsu.

In den letzten vier Rennen sammelte Bearman 24 Punkte, Foto: Haas
In den letzten vier Rennen sammelte Bearman 24 Punkte, Foto: Haas

Erst ein zweiter Boxenstopp warf Bearman hinter Verstappen auf Platz vier zurück. "Alles hängt zusammen: Im Qualifying muss man an der richtigen Stelle stehen, um im Rennen freie Fahrt zu haben. Wenn man sich aber in FP1, FP2, FP3 oder im Qualifying Fehler leistet, dann war‘s das", stellte der Haas-Teamchef klar. Entsprechend sei der Fahrer gefordert, sich schnell an wechselhaften Bedingungen anzupassen und sich nicht, wie zum Beispiel in Baku, vom Wind verwehen zu lassen. "Dieser erste Run in Q2", erinnert sich Komatsu ungern an das zweite Qualifying-Segment als Bearman ausgangs Kurve 2 in die TecPro knallte. Damit war er ein weiteres Opfer des starken Windes.

Fahrer & Team bewegen sich in die richtige Richtung

"Ja, da war eine Rückenwind-Böe, die deutlich stärker war als in der Runde zuvor. Aber der Fahrer weiß seit dem FP3, dass es böig ist und dass der Wind in der nächsten Runde doppelt so stark sein kann. Es ist ein schmaler Grat zwischen Risiko und Vorsicht, den man finden muss und oftmals findet sich Oli auf der falschen Seite wieder", so Komatsu. Nichtsdestotrotz sieht er den 20-Jährigen auf dem richtigen Weg. "Das hat man in Singapur gesehen. Das war ein Wochenende, das er richtig zusammenbekommen hat. Das Gute an ihm ist, dass er sehr offen für Feedback ist. Er setzt es um und versucht wirklich, sich zu verbessern. Ich sage es nochmal: Wir wissen, wie schnell er ist. Es geht nur darum, ein Wochenende sauber aufzubauen." Zuletzt gelang ihm das in Brasilien.

Die zuletzt starken Ergebnisse von Bearman halfen Haas dabei, weiterhin eine Chance auf Platz sechs in der Konstrukteurswertung zu haben. Aktuell liegt das Team zwölf Punkte hinter den Racing Bulls auf Rang neun. "Es spielt keine Rolle, ob P6 oder P9. Zwölf Punkte Rückstand sind nichts – nur ein Rennen, und alles kann anders aussehen", erklärte Komatsu. Von einem Momentum auf Seiten des Teams will er nicht sprechen. "Die einen nennen es Momentum, ich nenne es Selbstvertrauen. Alle im Team sind positiv gestimmt und haben durch ihre Leistungen Selbstvertrauen gewonnen. Daraus darf sich aber keinesfalls Arroganz oder Selbstgefälligkeit entwickeln", so Komatsu.