Nach dem Großen Preis von Las Vegas muss sich die Formel-1-Rennleitung wieder einmal kritische Fragen gefallen lassen. Denn schon auf der zweiten Runde ereignete sich eine Situation, die im Rennbetrieb eigentlich nichts verloren hätte. Als das Feld an Fahrern über die Start-Ziel-Gerade heranfuhr, rannten noch Marshals durch die Auslaufzone von Kurve 1, vollkommen ungeschützt gegenüber den Fahrzeugen.
In diesem Abschnitt wurden zwar doppelte gelbe Flaggen geschwenkt, allerdings gab es kein virtuelles oder reales Safety Car - eigentlich gängige Praxis in vergleichbaren Fällen. Die Gefahr liegt auf der Hand, dass auch bei Doppel-Gelb durchaus ein Auto in die Auslaufzone geraten könnte. Der ehemalige Formel-1-Rennleiter Niels Wittich kritisierte die Handhabung der Situation auf Sky Sports Deutschland scharf: "Sowas darf nicht passieren. Das ist eine Situation, die absolut inakzeptabel ist."
Niels Wittich ist sicher: Da reicht Doppel-Gelb nicht
Die Streckenposten waren zuvor mit Besen ausgerüstet ausgerückt, um Kurve 1 von Trümmern zu befreien, nachdem es mehrere Kollisionen beim Start gegeben hatte. Prinzipiell eine standardmäßige Lösung, da nach dem Start der Großteil einer Runde zwischen dem Letzten und dem Rennführenden liegt. Also in vielen Fällen genügend Zeit, um einzelne Trümmerteile zu bergen.
Doch in Las Vegas schien das etwas zu lange in Anspruch genommen zu haben. Wittich bemängelte, dass die Rennleitung dann reagieren hätte müssen: "Wenn es so lange dauert, dass die Autos quasi schon wieder aus der Führungsrunde zurückkommen, dann reicht auch eine doppelt gelbe Flagge nicht mehr. Das ist einfach falsch."
Erinnerungen an Mexiko: Zweiter Marshal-Schreckmoment in einem Jahr
Erst recht ärgert Wittich, dass es nicht das erste Mal in der jüngeren Vergangenheit ist, dass sich eine ähnliche Situation ereignet, bei der Marshals ungeschützt in die Nähe von Autos im Rennbetrieb kommen. Beim Großen Preis von Mexiko im Oktober hatten zwei Streckenposten den Kurs wenige Meter vor dem heranfahrenden Auto von Liam Lawson gequert.
"Ich kann es nicht verstehen, dass das das zweite Mal in diesem Jahr passiert ist. Es ist die einfachste Sache auf so etwas zu reagieren, selbst wenn man sehen würde, dass irgendwas verzögert ist, oder dass eine Situation eine andere Situation notwendig macht. Ein Full-Course-Yellow ist innerhalb von einer Sekunde aktiviert", sagte der Ex-Rennleiter.
Im Falle des Mexiko-GPs wurde eine Fehlkommunikation zwischen der Rennleitung und dem entsprechenden Marshal Point als Ursache ausgemacht. Nach einem Stopp von Lawson hatte die Rennleitung keine Freigabe für den Einsatz der Marshals erteilt, die dann aber trotzdem die Strecke betreten hatten.
Wie es zu der Situation in Las Vegas kam, wurde noch nicht kommuniziert. Wittich mahnte, dass man auch bei einem derartigen vermeintlich kleineren Gefahrenpotenzial keine Abstriche in puncto Sicherheit machen solle. "Es ist ja das ganze Grid vorbeigekommen. Aber da muss nur irgendwas passieren. Ein Unfall oder ein Bremsversagen. Ich möchte mir nicht ausmalen, was da passieren kann."
Wittich war von 2022 (damals noch abwechselnd mit Eduardo Freitas) bis November 2024 Renndirektor in der Formel 1, ehe er ohne Angabe von Gründen entlassen wurde. Sein Nachfolger ist Rui Marques, der auch in Las Vegas das Amt als Renndirektor bekleidete.
Nicht nur die Rennleitung wurde beim letzten USA-Rennen der Formel-1-Saison gefordert, sondern auch die Stewards. Ihr weitreichendstes Urteil bestand in der Disqualifikation der beiden WM-Führenden.



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