Der Große Preis von Las Vegas 2025 wird Alex Albon noch länger in Erinnerung bleiben. Das Formel-1-Rennen in der Entertainment-Metropole war eines der kurioseren seiner bis dato 128 GP-Starts. Denn der Funkverkehr zwischen ihm und der Williams-Garage war kaputt. Keine Seite konnte die andere hören. Albon war im Grand Prix komplett auf sich allein gestellt.

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Schon vor dem Start gab es bei Williams Probleme mit dem Funk. Carlos Sainz fuhr während der Sichtungsrunden einmal durch die Boxengasse, um seinem Team mit Handzeichen zu signalisieren, dass er sie nicht hört. Sein Problem wurde gelöst. Doch bei Albon fielen die Radiochecks seines Renningenieurs James Urwin auf taube Ohren. "Auch nach mehreren Versuchen konnten wir es nicht reparieren. Es war nicht nur das Radio-System, sondern viel komplexer. So etwas habe ich in meiner langjährigen F1-Laufbahn noch nicht erlebt. Wir konnten nicht mit ihm kommunizieren", erklärte Teamchef James Vowles.

"Es war sehr friedlich", sagte Albon, der sich am Vortag nach seinem Qualifying-Crash über das übermäßige Gerede seines Renningenieurs beschwerte. Als er sich allerdings im Startgetümmel den Frontflügel beschädigte, hätte er sich einen funktionierenden Funk gewünscht. "Ich wusste nicht wirklich, ob ich Schäden am Frontflügel hatte, weil mir niemand sagen konnte, was abging. Ich wusste, dass ich ein Auto getroffen hatte, aber ich wusste nicht, in welchem Ausmaß. In diesem Zustand herumzufahren, war etwas fragwürdig", meinte der Williams-Pilot.

Nach Hamilton-Vorfall: Albon fragt mit Handzeichen nach Flügel-Wechsel

Um wenigstens die wichtigsten Informationen zu übermitteln, griff Williams auf die Old-School-Technik des Boxenbretts zurück. Ein Teammitglied musste jede Anweisung für Albon auf die Strecke halten, während der die Start-Ziel-Gerade passierte. Aber die Kommunikation war einseitig.

Als Albon in Runde 14 zum Reifenwechsel kam, wusste keiner, dass er auch einen neuen Frontflügel brauchte. Den hatte er sich bei einem aggressiven Überholmanöver gegen Lewis Hamilton endgültig beschädigt. Der Rekordweltmeister hatte sich in Kurve zwölf verbremst, Albon saugte sich auf dem langen Las Vegas Boulevard an ihn heran und scherte spät aus. Dabei traf er den Ferrari am Heck. Während des Boxenstopps deutete er mehrmals auf die Nase seines FW47 und gab den Mechanikern einen Daumen nach oben. Die Crew verstand seine wilde Gestik. Albon holte sich das Ersatzteil eine Runde später ab.

Für den Vorfall mit Hamilton bekam der Williams-Pilot eine Fünf-Sekunden-Strafe von den Stewards. Das überraschte ihn: "Ich gebe zu, es war eine kleine Fehleinschätzung, aber eben gering. Er hat keinen Schaden davongetragen. Ich verstehe nicht, warum die Strafe so hart war." Hamilton sagte hingegen, dass die Kollision ihn Pace und Balance gekostet hat.

Las Vegas GP 2025: Albon gab trotz guter Pace auf

Albons Pace war danach gut, zwischenzeitlich war er der schnellste Fahrer im Feld. Doch mit der Strafe, einem zusätzlichen Boxenstopp und ohne Funk war das Rennen für den Thailänder gelaufen. "Wir haben um P18 gekämpft. Es hatte keinen Sinn, einfach weiterzufahren. Ich wollte niemandem im Weg stehen, wenn ich überrundet werde", erklärte Albon, der das Rennen in Runde 37 aufgab. Davor kam er noch einmal an die Box, um die Strafe abzusitzen.

"Wir haben uns entschieden, aufzugeben, um ein Sicherheitsrisiko zu vermeiden. Wir haben nur noch zwei Rennwochenenden und ein kleines Sicherheitspolster in der Konstrukteurs-WM. Darauf wollen wir aufbauen", so Teamchef Vowles. "Es ist frustrierend, aber wir machen weiter", seufzte Albon, der in den letzten drei Rennen punktelos blieb. Das, was er sich nach seinem wilden Ritt in Las Vegas am meisten wünscht, ist ein sauberes Wochenende.

"Immer passiert etwas, warum wir nicht vorne dabei sind. Auch ich mache Fehler, der Qualifying-Crash geht auf meine Kappe. Aber dann sind da Dinge, wie das mit dem Radio, wo du dir nur denkst: 'Oh, Gott!'", lamentierte Albon. Bei 'wir' verwendete er wohl lediglich das majestätische Wir, von dem die F1-Fahrer gerne Gebrauch machen. Denn sein Teamkollege Carlos Sainz räumte in Las Vegas mit einem fünften Patz richtig ab.