Carlos Sainz ist es schon wieder gelungen. Beim nassen Formel-1-Qualifying in Las Vegas wiederholte er das Wunder von Baku und sicherte sich den dritten Startplatz für das Rennen am Sonntag. In seinen Händen performte der Williams-Bolide hervorragend. Doch Sainz ist allein an der Spitze, sein Teamkollege Alex Albon muss von weit hinten zuschauen. Er zerstörte jede Hoffnung für ein Top-10-Ergebnis mit einem frühen Einschlag in die Wand.
"Es ist auf viele Weisen frustrierend", ärgerte sich Albon. Wie schon in Aserbaidschan und Mexiko konnte er das vielversprechende Potenzial seines FW47 nicht nutzen und blieb im Q1 hängen, während sein Teamkollege ganz vorn mitmischte. Dabei löste Albons Qualifying-Performance vor dem Unfall Hoffnung aus. Seine Rundenzeiten waren auf Augenhöhe mit Sainz, obwohl er immer wieder auf andere Fahrer auflief.
Bei seinem finalen Versuch fuhr er den schnellsten ersten Sektor des Felds. "Ich hatte vorher immer Verkehr, deshalb war ich gar nicht im Rhythmus. Das war meine einzige saubere Runde, ich musste alles geben", erklärte der Williams-Pilot. Doch dann kam der Fehler: Kurz vor dem Ende der Runde rutschte er am Ausgang von Kurve 16 auf einer weißen Straßenmarkierung aus und schlug mit dem Vorderreifen in die Mauer ein. Dabei brachen die Radaufhängung und sein Frontflügel. Albon schaffte es noch aus eigener Kraft zurück an die Box, doch seine davor aufgestellte Zeit reichte nicht für einen Q2-Einzug. Er startet den Großen Preis von Las Vegas abgeschlagen vom 16. Platz.
Carlos Sainz zeigt Williams-Pace: Runde war pole-würdig!
Während sein Teamkollege seine Wunden leckte, brillierte Carlos Sainz unter den Flutlichter von Las Vegas. Er bestätigte die hohen Erwartungen an Williams, immer wieder führte er die Zeitenliste an. Mit seinem letzten Run in Q3 war der erste Startplatz zum Greifen nahe. "Es war eine sehr gute Runde, pole-würdig. Als ich meine Runde beendet hatte, stand mein Name ganz oben. Und dann habe ich gemerkt, dass ich als Erster über die Ziellinie gefahren bin und das Ergebnis nicht lange halten würde", witzelte Sainz. Wenig später wurde er von seinen ehemaligen Teamkollegen Lando Norris und Max Verstappen auf den dritten Platz geschoben.
Die nassen Bedingungen im Qualifying waren für einen Großteil des Felds eine besondere Herausforderung. Doch Sainz ist davon überzeugt, dass er nur wegen dem Regen so weit vorne steht: "Das [P3, Anm. d. Red.] wäre im Trockenen nicht möglich gewesen, da hätten wir um P6 bis P8 gekämpft, nicht mehr. Das Wetter hat es uns erlaubt, zu glänzen. Dadurch konnten wir unsere wahre Pace zeigen." Besonders in Verbindung mit den Regenreifen sei der FW47 zum Leben erwacht. "Ich wünschte, es wäre richtig nass geblieben, da hatte ich das beste Gefühl und meiste Vertrauen", so Sainz.
Für den morgigen Grand Prix ist jedoch kein Regen vorhergesagt, der Las Vegas Strip Circuit soll trocken bleiben. Das bereitet dem Williams-Piloten Sorgen: "Im Nassen waren wir richtig schnell. Ich glaube nicht, dass wir die Position im Trockenen halten können." Das Gleiche sagte er auch in Baku, woraufhin er das erste Williams-Podium seit 2014 holte. Diesmal sei die Situation allerdings eine andere. "Damals sind Mercedes und der zweite McLaren viel weiter hinten gestartet. Außerdem kann man hier leicht überholen. Ich werde mich also breit machen und pushen, um die Position zu halten", meinte Sainz, der 2024 in Las Vegas auf dem Podium stand.
Stewards-Ermittlung nach Las-Vegas-Qualifying gegen Sainz
Sainz konnte sein starkes Qualifying-Ergebnis aber nicht feiern, denn er musste sich im Anschluss bei den Stewards melden. Die Rennkommissare ermittelten gegen ihn, weil er nach einem Ausrutscher im Q1 angeblich auf eine unsichere Art und Weise auf die Strecke zurückkam. Als er im Notausgang von Kurve fünf umdrehte und wieder weiterfuhr, kam gerade Lance Stroll auf einer schnellen Runde angefahren.
"Ich wusste, dass ich eine gelbe Flagge ausgelöst hatte. Deshalb wollte ich schnell wieder auf die Strecke kommen, um die Gelbphase zu beenden und nicht zu viele Fahrer aufzuhalten. Ich habe versucht, so sicher wie möglich zurückzukommen", erklärte Sainz seine Sicht. Es wurde eng zwischen den beiden, vor allem als Stroll auf dem nassen Asphalt fast die Kontrolle über seinen Aston Martin verlor.
Lance Stroll sah sich wie Sainz auch auf der Pole Position - doch eine Fehlentscheidung machte dem einen Strich durch die Rechnung. Alle Details gibt es hier:
Berührung gab es keine, Strafe auch nicht. "Der Teamrepräsentant von Auto 18 [Stroll] sagte, dass die Rückkehr von Auto 55 [Sainz] seinen Fahrer nicht behinderte und dass sein Fahrer das Manöver nicht für unsicher empfand. Aus diesem Grund und wegen der schlechten Sicht sowie der Präsenz der gelben Flaggen haben wir beschlossen, keine weiteren Untersuchungen zu unternehmen", heißt es im offiziellen FIA-Dokument.
Carlos Sainz erlebt mit Williams einen Höhenflug – sein Ferrari-Nachfolger Lewis Hamilton steckt dafür in der Krise. Beim Las-Vegas-Qualifying wurde der Rekord-Weltmeister Letzter! Woran Hamilton scheiterte, erfahrt ihr hier:



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