Licht und Schatten bei Williams nach dem Formel-1-Qualifying in Mexiko-Stadt: Während Carlos Sainz über seine "beste Q3-Runde des Jahres" spricht, betitelte Teamkollege Alex Albon die Zeitenjagd auf dem Autódromo Hermanos Rodríguez als "eines der schmerzhafteren Qualifyings". Albon blieb zum dritten Mal in Folge im Q1 hängen, Sainz feierte seinen siebten Q3-Auftritt des Jahres.

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Von der Strafversetzung um fünf Startplätze für das Rennen lässt sich Sainz die Freude über den siebten Platz im Qualifying nicht verderben: "Darüber will ich jetzt nicht nachdenken. Wenn ich am Sonntag aufwache und mich erinnere, dass ich eigentlich von P12 aus starte, werde ich frustriert sein. Aber jetzt bin ich stolz auf meine Leistung und nehme das Positive mit." Er fühle sich immer besser im Williams-Boliden und wisse nach 19 Rennwochenenden genau, wie er mit dem Setup und den Reifen umgehen müsse, um eine solide Performance abzuliefern.

Dass Sainz seine finale Runde im Qualifying als die beste seines Jahres bezeichnet, überrascht aber doch. Schließlich schrammte er in Baku an der Pole Position vorbei. Warum ist ein achter Platz besser? "Es war die sauberste Runde, keine Fehler. Ich wusste genau, wie ich meine Tools nutzen konnte, wie ich fahren sollte, welche Linie die beste war. Ich habe alles zusammenbekommen, bin über die Ziellinie gefahren und wusste, dass das ein gute Runde war. Ich hatte starke Qualifyings in diesem Jahr, aber nicht so wie jetzt", erklärte der Mexiko-Sieger von 2024.

Noch höher hinaus? Carlos Sainz will Reifensätze sparen

Seine Zeit im Qualifying war nur zwei Zehntelsekunden entfernt von seiner letztjährigen Pole-Zeit. "Das zeigt, wie viel Fortschritt das Team gemacht hat, wie viel Fortschritt ich gemacht habe", lobte Sainz Williams und sich selbst. Nur eine Sache bereut der Spanier: Um ins Q3 zu kommen, sparte das Team keinen extra Soft-Reifen auf.

So hatte Sainz nur einen frischen Satz, um sich gegen die anderen neun Fahrer zu beweisen, die teils zwei Reifensätze hatten. "Das hat mich limitiert, sonst hätte ich womöglich noch mit einem Mercedes um Positionen gekämpft. Vielleicht sollten wir in Zukunft mutig sein und einen Reifensatz fürs Q3 aufsparen. Das könnte uns ein oder zwei Positionen verschaffen", appellierte Sainz an sein Team.

Dieser Plan wird wohl nur auf einer Seite der Williams-Garage diskutiert. Denn Alex Albon hat es seit dem Belgien Grand Prix nicht mehr in die letzte Qualifying-Runde geschafft. In Mexiko fuhr er bereits das ganze Wochenende dem Feld und seinem Teamkollegen hinterher, nur im ersten Freien Training schaffte er es über P16 hinaus. Im Qualifying reichte es nur für den 17. Platz. "Ich habe mich im Auto nie wohlgefühlt. Ich weiß aber nicht, wieso. Es war eine komische Session", lamentierte Albon.

Alex Albon ratlos: Muss dauernd aufholen

Nach seinem dritten Q1-Aus in Folge ist er frustriert. Vor allem, weil er sich nicht erklären kann, warum er so strauchelt und wo die Pace verloren ging. "Es fühlt sich an, als würde ich immer aufholen müssen. Mir fehlen das Gefühl und das Vertrauen. Ich bin mit dem Auto an einen schwierigen Punkt gekommen und muss da wieder herausfinden", klagte Albon, der mit 73 WM-Punkten 2025 seine beste Williams-Saison fährt.

Schon in den Trainings hatte Albon immer wieder Probleme mit seinen Bremsen, die auf dem teils ultraschnellen Autódromo essenziell sind. Im FP3 verbremste er sich unzählige Male. Doch das will Albon nicht als Ausrede für seine Leistung gelten lassen: "Selbst mit Bremsproblemen sollte ich es ins Q2 schaffen", geht der Thai-Brite gnadenlos mit sich ins Gericht. Sainz hatte im FP3 mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, nach ein paar Änderungen am Auto habe sich das aber gelöst.

Bei Albon kam im dritten Training ein Power-Unit-Problem auf, das bis zum Qualifying behoben wurde. "Wir müssen das ganze Wochenende neue Feuer löschen", verzweifelte Albon. Im Qualifying konnte er dann die Reifen nicht ins richtige Arbeitsfenster bringen und schlitterte mit fehlendem Grip von Kurve eins bis Kurve sechzehn über das Autódromo. Die abfallende Streckentemperatur erschwerte die Reifenvorbereitung.

Sainz erlebte im Q1 das Gleiche, wusste sich aber zu helfen. Das Aufwärmen der Reifen war in der Mitte der Saison sein größtes Hindernis bei Williams. "Der ganze Schmerz, den ich mit den Reifen durchgemacht habe, hilft mir jetzt. Ich habe meine Lektionen gelernt und kann sie jetzt anwenden", meinte Sainz.

Für das Rennen muss er sich an die Limitationen des Autos anpassen, denn der FW47 tendiert zum Überhitzen. Durch den geringen Luftwiderstand auf über 2.200 Metern Seehöhe verschlimmert sich dieses Problem. "Wenn der Motor oder die Bremsen zu heiß werden, dann lasse ich mich etwas zurückfallen und versuche, das Rennen zu beenden. Ich werde trotzdem pushen, um zurück in die Top-8 zu kommen", setzte sich Sainz zum Ziel. Für Albon sind die Punkte auf dem eher überholfeindlichen Autódromo wohl außer Reichweite.