Nach Rang neun in der Konstrukteurswertung im Vorjahr legte Williams einen beachtlichen Einstand in die Saison 2025 hin. Vom Hinterbänklerteam zur Mittelfeld-Größe: In den ersten Saisonrennen zeigte das britische Traditionsteam als erster Verfolger hinter den Top-Teams McLaren, Ferrari, Mercedes und Red Bull auf. Seit Imola befindet sich Williams allerdings in einer besorgniserregenden Abwärtsspirale.

In den letzten fünf Rennen holten Alexander Albon und Carlos Sainz zusammen nur acht WM-Punkte. Damit hat Williams die schlechteste Punkteausbeute im Feld seit dem Monaco-GP. Zum Vergleich: Sauber, der inzwischen Sechstplatzierte in der Konstrukteurswertung, sammelte in den zurückliegenden fünf Rennen 27 Zähler mehr als Williams. Nur dank des starken Saisonstarts ist das Team von James Vowles mit 59 Punkten weiterhin Fünfter.

Williams-Ausfälle mit historischem Ausmaß

Williams-Pilot Alexander Albon
Insbesondere Alex Albon haben die Ausfälle zuletzt hart getroffen, Foto: IMAGO / PsnewZ

Ein wesentlicher Grund für den Performance-Abfall in der jüngeren Vergangenheit waren Rennausfälle. Zusammengerechnet bestritten Albon und Sainz seit dem Spanien-GP insgesamt acht Einsätze für Williams und hatten dabei vier Ausfälle zu verzeichnen. Alex Albon fiel gleich dreimal in Folge aus: In Barcelona kämpfte er mit Kupplungsproblemen, die ihm am Start vier Positionen kosteten. "Das brachte uns in Kurve eins in eine Ziehharmonika von Autos, die sich gegenseitig auswichen“, erklärte der Thai-Brite die erste Kollision. Zudem geriet er später mit Liam Lawson aneinander, weshalb er das Rennen vorzeitig beenden musste.

In Kanada gab es ein Kühlungsproblem an der Power Unit seines FW47, in Österreich traten ähnliche Symptome auf. "Die Probleme bei Alex traten so unmittelbar und schnell auf, dass sie schwierig zu reproduzieren sind", erklärte Teamchef James Vowles gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Auch beim Williams von Sainz sollen diese Schwierigkeiten aufgekommen sein, allerdings in kleinerem Ausmaß. Zusätzlich kämpfte Sainz in Spielberg mit gravierenden Bremsproblemen, die ihn nach der Formationsrunde zum Aufgeben zwangen.

Probleme mit weichen Formel-1-Reifen - Carlos Sainz ist ratlos

Williams-Pilot Carlos Sainz
Carlos Sainz kann sich den Performance-Abfall bisher nicht erklären, Foto: IMAGO / NurPhoto

Neben den technischen Ausfällen kämpft Williams mit der Performance des FW47, insbesondere im Qualifying. In den vergangenen fünf Qualifyings war nur Albon jeweils als Zehnter zweimal in den Top-10. Sainz gelang der Q3-Einzug gar nicht mehr. Zum Vergleich: In Imola qualifizierten sich beide auf den Plätzen sechs und sieben.

"Ich weiß nicht, was passiert ist, was sich am Auto geändert hat. Aber im Qualifying funktioniert irgendetwas mit den weichen Reifen nicht", rätselte Carlos Sainz beim Österreich-GP über die Entwicklungen. Dasselbe Bild zeichnete sich eine Woche später in Silverstone ab: Sainz verpasste als Elfter den Einzug ins Q3, Albon kam nicht über P14 hinaus.

Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt sind auch die Strecken, die zuletzt auf dem Programm standen. Fast schon traditionell schwächelt die britische Mannschaft auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya. Es wäre ein Einfaches zu sagen, dass dem FW47 und seinen Vorgängern schnelle Kurvenpassagen nicht entgegenkommen. Das scheint jedoch nicht zu stimmen. In Silverstone war Williams schließlich im Mittelfeld dabei.

Führte das Frontflügel-Reglement zum Williams-Absturz?

Technik-Details: Williams
Das verschärfte Frontflügel-Reglement scheint sich in der Williams-Performance bemerkbar zu machen, Foto: Motorsport-Magazin.com

Während der Saison verschärfte die FIA die Messtoleranzen bei Biegsamkeits-Tests der Frontflügel. Die Formel-1-Teams gaben sich nicht die Blöße zuzugeben, durch die Regeländerung beeinträchtigt zu werden. Allerdings brachen danach bei Williams die Ergebnisse ein. Mit Updates hielt sich das Team aus Grove bisher zurück.

Die Updates könnten eine Erklärung sein: Vielleicht ist Williams an sich gar nicht schlechter geworden, sondern die Konkurrenz im Mittelfeld besser. Sauber legte inklusive des ersten Podestplatzes für Nico Hülkenberg eine Aufholjagd von P10 auf P6 der Konstrukteurswertung in nur vier Rennen hin. Aston Martin verstärkte sich mit neuen Teilen in den letzten Rennen und auch Alpine setzte mit der Silverstone-Performance von Pierre Gasly ein Ausrufezeichen. Bei Williams ist erst für den Belgien- oder Ungarn-GP ein größeres Update geplant.

Die Antwort auf den Leistungseinbruch von Williams dürfte demnach eine Kombination aus technischen Ausfällen, einer schlechten Qualifying-Performance sowie dem gesteigerten Konkurrenzkampf im Mittelfeld der Königsklasse sein.

Nicht nur bei Williams läuft es derzeit nicht rund. Red Bull Racing hat Teamchef Christian Horner nach 20 Jahren entlassen. Nun ist auch der vierfache Weltmeister Sebastian Vettel als Nachfolger im Gespräch. Ist Vettel als Teamchef geeignet? Wir haben diskutiert:

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