Mit dem Großbritannien Grand Prix endete eine dunkle Phase für die deutschen Formel-1-Fans: Nico Hülkenberg feierte sein erstes Karriere-Podium und verbesserte sich dank der 15 WM-Punkte auf den neunten Platz in der Fahrerwertung. Ein Novum im laufenden Jahrzehnt: Denn seit Sebastian Vettel die Formel-1-Saison 2019 auf dem fünften Platz beendete, schaffte es kein Deutscher mehr unter die Top 10 in der Fahrer-Weltmeisterschaft. Obwohl Deutschland einige der bekanntesten Größen der Formel 1 hervorgebracht hat, ist es nicht die erste rot-schwarz-goldene Flaute in der Königsklasse des Motorsports. Motorsport-Magazin.com hat sich die deutschen Durststrecken der F1-Geschichte angesehen.
1950 - 1961: Aller Anfang ist schwer
Die erste Flaute erlebte Deutschland direkt zu Beginn der F1-Geschichte. 1950 war Paul Pietsch der erste und damals einzige deutsche Pilot in der Formel 1. Er bestritt zwischen 1950 und 1952 drei Rennen, konnte sich aber nie für die WM-Wertung qualifizieren. Erst 1954 schafften es Karl Kling und Hans Herrmann unter die Top-10. Sie platzierten sich mit Mercedes auf Platz sieben (Herrmann) und Platz fünf (Kling).

Danach ging es direkt wieder bergab für Formel-1-Deutschland. Kling schrammte 1955 mit einem elften Platz in der Gesamtwertung an den Top-10 vorbei, Herrmann schaffte es nicht über P22 hinaus. 1957 stieg Wolfgang Graf Berghe von Trips mit Ferrari in die Königsklasse ein, brauchte aber vier Saisons, um sich unter den besten Zehn zu platzieren.
Nennenswerte deutsche Formel-1-Ereignisse von 1950 bis 1961
- 1950 - erster deutscher Formel-1-Fahrer: Paul Pietsch
- 1952 - erster Deutscher in WM-Wertung: Fritz Riess (P33) und Toni Ulmen (P38)
- 1953 - erster Deutscher mit Punkteergebnis: Hermann Lang (P5 bei Schweiz GP)
- 1954 - erste deutsche Podiumsplatzierung: Karl Kling (P2 bei Frankreich GP)
- 1954 - erster Deutscher unter Top-10: Karl Kling (P5) und Hans Herrmann (P7)
- 1961 - erster deutscher Formel-1-Sieger: Wolfgang Graf Berghe von Trips (Niederlande GP)
- 1961 - erster deutscher Vizeweltmeister: Wolfgang Graf Berghe von Trips

1962 - 1977: 14 Jahre nichts und dann kam Jochen Mass
Nachdem die 1960er-Jahre für Deutschland gut anfingen - Graf Berghe von Trips wurde 1961 Vizeweltmeister - folgte die nächste Formel-1-Durststrecke. Der beste deutsche Fahrer, der in den nächsten acht Jahren in die WM-Wertung aufgenommen wurde, war Gerhard Mitter. In seiner ersten Formel-1-Saison 1963 wurde er in einem Porsche 718 Dreizehnter.
Rolf Stommelen war einer von nur vier Deutschen, die in den 1970er-Jahren in der WM klassifiziert wurden. Sein bestes Saisonergebnis fuhr Stommelen 1970 als Rookie ein. Er platzierte sich nur knapp außerhalb der Top-10 auf dem elften Platz. Jochen Mass bescherte Deutschland 1975 den ersten Formel-1-Erfolg in vierzehn Jahren. Zwischen 1975 und 1977 war er unter den besten zehn Fahrern und beendete damit die vierzehnjährige Formel-1-Durststrecke für Deutschland.
Nennenswerte deutsche Formel-1-Ereignisse von 1962 bis 1977
- 1970 - bestes deutsches Formel-1-Ergebnis seit 1961: Rolf Stommelen (P11)
- 1975 - erste Top-10-Platzierung eines Deutschen seit 1961: Jochen Mass (P8)
- 1977 - bestes deutsches Formel-1-Ergebnis des Jahrzehnts: Jochen Mass (P6)

1978 - 1991: Dunkles Zeitalter der deutschen Formel 1
Nachdem Mass 1978 McLaren verließ, konnte er nicht mehr an seine Erfolge anschließen. Auch Hans-Joachim Stuck, der seit 1974 in der Königsklasse fuhr, schaffte es bis zu seinem Karriereende 1979 nie unter die Top-10.
Die 1980er-Jahre waren für Deutschland keine erfolgreiche F1-Zeit. Manfred Winkelhock und der heutige F1-Experte und RTL-Kommentator Christian Danner vertraten die Bundesrepublik in der Königsklasse, hatten aber beide mit schlechten und unzuverlässigen Autos zu kämpfen.


Die beste Platzierung fuhr Stefan Bellof ein. 1984 hätte der Tyrrell-Fahrer den 14. Platz belegt, doch das Team wurde disqualifiziert. Im Jahr darauf fuhr er zweimal in die Punkte, verunglückte aber gegen Ende der Saison und erreichte post mortem den 16. Platz.
Nennenswerte deutsche Formel-1-Ereignisse von 1978 bis 1991
- 1985 - bestes deutsches Formel-1-Ergebnis des Jahrzehnts: Stefan Bellof (P16)
- 1991 - bestes deutsches Formel-1-Ergebnis seit 1977: Michael Schumacher (P14)
1992 - 2019: Die goldenen F1-Jahre für Deutschland
1991 tauchte Michael Schumacher in der Formel 1 auf und entfachte eine Motorsport-Begeisterung in Deutschland. Von 1992 bis 2006 war Schumacher immer unter den Top-10, sieben Mal davon gewann er die Weltmeisterschaft. 1997 wurde er von der WM disqualifiziert, dafür repräsentierte Heinz-Harald Frentzen die Bundesrepublik und wurde Vizeweltmeister.

Nach Schumachers erstem Rückzug aus der Königsklasse stand bereits die nächste Generation des deutschen Motorsports in den Startlöchern. Zwischen 2009 und 2018 stammte entweder der Weltmeister oder der Vizeweltmeister aus Deutschland. Sebastian Vettel war viermal siegreich, Nico Rosberg ging nach einem WM-Titel in die Motorsport-Rente. Mit zwölf Weltmeistern ist Deutschland die zweiterfolgreichste Formel-1-Nation, dazu kommen noch acht Konstrukteurstitel für Mercedes.
Nennenswerte deutsche Formel-1-Ereignisse von 1992 bis 2019
- 1994 - erster deutscher Formel-1-Weltmeister: Michael Schumacher
- 2003 - Michael Schumacher wird Formel-1-Fahrer mit meisten WM-Titeln
- 2010 - Sebastian Vettel wird zweiter deutscher Formel-1-Weltmeister
- 2016 - Nico Rosberg wird dritter deutscher Formel-1-Weltmeister

2020 - 2025: Hülkenberg erlöst Formel-1-Deutschland
Nach dem Hoch der 2010er-Jahre startete das neue Jahrzehnt enttäuschend für die deutsche Formel-1-Welt. Sebastian Vettel fuhr 2019 noch auf den fünften Platz, im Jahr darauf stürzte seine Performance in den Keller und er beendete die Saison auf Platz 13. Mit Aston Martin konnte der damals einzige Deutsche im Kader nicht in die Top-10 vordringen und beendete 2022 seine Karriere.
Ein Jahr später kam Nico Hülkenberg nach einer Pause zurück in die Königsklasse. In seiner Comeback-Saison platzierte er sich auf P16, 2024 verbesserte er sich auf P11. Nach seinem Podium in Silverstone ist er zur Saisonhälfte 2025 mit 37 WM-Punkten auf dem neunten Platz und bringt Deutschland damit zurück unter die Besten.
Ob sich die deutschen Formel-1-Fans endlich wieder über einen der ihren in den Top-10 freuen können, wird sich erst zu Saisonende im Dezember zeigen. Jedoch ist der Aufwärtstrend bei Nico Hülkenberg spürbar, in den letzten vier Rennen fuhr er immer in die Punkteplatzierungen.
Alle deutschen Formel-1-Fahrer in den Top-10 seit 1950
| Name | Jahre in Top-10 | beste WM-Platzierung |
|---|---|---|
| Karl Kling | 1954 | 5 |
| Hans Herrmann | 1954 | 7 |
| Wolfgang Graf Berghe von Trips | 1960 - 1961 | 2 |
| Jochen Mass | 1975 - 1977 | 6 |
| Michael Schumacher | 1992 - 2006, 2010 - 2011 | 1 |
| Heinz-Harald Frentzen | 1995, 1997 - 2000 | 2 |
| Ralf Schumacher | 1998 - 2007 | 4 |
| Nick Heidfeld | 2001 - 2002, 2006 - 2008 | 5 |
| Nico Rosberg | 2007, 2009 - 2016 | 1 |
| Timo Glock | 2008 - 2009 | 10 |
| Sebastian Vettel | 2008 - 2019 | 1 |
| Adrian Sutil | 2011 | 9 |
| Nico Hülkenberg | 2013 - 2018, 2025* | 7 |
Christian Danner hat den Formel-1-Helm abgelegt und teilt seine Expertise heute mit RTL und Motorsport-Magazin.com. Wie er das Podium seines Landsmannes bewertet hat, erfahrt ihr im Video!



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