Alpines Experimentierfreudigkeit, was den zweiten Formel-1-Fahrer angeht, scheint langsam am Ende angelangt zu sein. Zur Saisonhalbzeit ist die französische Mannschaft immer noch ein 1-Mann-Team. Sechs Rennen lang durfte Jack Doohan das zweite Cockpit neben Pierre Gasly übernehmen, sechs weitere Rennen lang Franco Colapinto. Das Resultat: Keiner der beiden Rookies hat es in der Ergebnisliste überhaupt einmal in die Nähe der Punkte geschafft.
Als Letzter der Konstrukteurs-WM rumort es bei der (Noch)-Renault-Werksmannschaft, bei der im Moment alles möglich zu sein scheint. Ein Ende der kurzen und erfolglosen Ära Flavio Briatore scheint nicht ausgeschlossen zu sein, genauso wie (einmal wieder) ein Verkauf des Formel-1-Teams. Befeuert durch den Abschied von Enstone-Freund Luca de Meo als Renault-Boss. Doch der Großteil der Gerüchte rankt sich mal wieder um die Fahrer-Situation.
Franco Colapinto vs. Jack Doohan: Wer war der bessere Alpine-Fahrer?
So wackelt nach nur sechs Grand-Prix-Teilnahmen das Cockpit von Colapinto gehörig. Valtteri Bottas soll gute Karten haben, für den Argentinier zu übernehmen. Es wäre eine Ironie der Geschichte, wenn Colapinto nun 2025 nach genausovielen Rennen wie sein Vorgänger Doohan das Handtuch nehmen muss. Ziehen wir deshalb pünktlich zur Saisonhalbzeit einmal Bilanz: Doohan oder Colapinto? Wer war denn bisher stärker im Alpine?
Colapinto vs. Doohan: Wer war im Qualifying schneller?
Zunächst einmal die Frage aller Fragen im Motorsport: Wer war denn nun von der Grundpace her der schnellere Fahrer der beiden in der Formel 1? Denn wie heißt es so schön: Konstanz kann man sich antrainieren, Speed nicht. Gemessen an den Qualifying-Ergebnissen schlägt da das Pendel in Richtung Doohan aus. Colapinto qualifiziert sich durchschnittlich auf Position 16,67, Doohan etwa einen Platz weiter vorne.
Aussagekräftiger ist dabei natürlich der Zeitabstand zu Pierre Gasly. Bei diesem konnte Doohan im Laufe seiner sechs Qualifyings und zwei Sprint-Qualifyings gemessen an der letzten gemeinsam absolvierten aussagekräftigen Session im Schnitt bis auf etwa drei Zehntelsekunden heranfahren. Colapinto ließ 0,319 Sekunden abreißen. Also ein minimaler Unterschied, wobei die Zahl von Colapinto durch den Kanada-GP verzerrt wird. Dort wurde Gasly in Q1 von einer unglücklich getimeten roten Flagge auf P20 rausgeworfen Auf der anderen Seite fiel in Großbritannien der Abstand aufgrund eines Unfalls von Colapinto während Q1 größer aus, als die Pace-Differenz wohl tatsächlich war.
Falls wir diese Zahlren rausnehmen oder vom Median nivellieren lassen, dann ist Colapinto etwa vier Zehntelsekunden von Gasly entfernt und somit mehr als eine Zehntel langsamer als Doohan. Was die Vergleichszahlen ebenfalls in Richtung von Doohan verschiebt, ist die Messung anhand des relativen Zeitrückstand anstatt der Rundenzeit. So stand Colapinto im Schnitt auf rundenzeitmäßig kürzeren Strecken am Start als Doohan.
| Rückstand vs. Gasly | Ø in Sekunden | Ø in % | Median in Sekunden | Median in % |
|---|---|---|---|---|
| Doohan | 0,298 | 0,34% | 0,261 | 0,31% |
| Colapinto | 0,319 | 0,44% | 0,381 | 0,55% |
Welchen Messwert wir auch immer heranziehen: Doohan war im Qualifying schneller. Fairerweise muss angemerkt werden: Colapinto kam ohne Vorbereitung im aktuellen Alpine an das Cockpit. Ein Aufwärtstrend lässt sich abgesehen vom Ausreißer in Kanada bis zum Großbritannien-GP aber nicht beobachten.
Colapinto vs. Doohan: Wer lieferte die besseren Formel-1-Ergebnisse
Wenn man auf die WM-Wertung in der Formel 1 2025 blickt, dann steht Franco Colapinto besser da. Nicht punktemäßig natürlich, da steht bei beiden die Null. Doch der Argentinier hat dank zweier 13. Plätze die bessere Position inne, während Colapinto nur einmal auf der Unglückszahl ins Ziel kam.
Rennergebnisse zu vergleichen, ist dabei natürlich immer eine schwierige Angelegenheit, die mit viel Vorsicht zu genießen ist. Denn es kommt häufig auf die Umstände an. Ein Rennen wird zum Beispiel nicht besser, nur weil andere Fahrer vor einem ausfallen oder sich strategisch verzocken, auch wenn das Resultat das suggerieren mag. Die Daten seien hier trotzdem noch einmal angeführt: Doohan landete im Durchschnitt 3,75 Positionen hinter Gasly im Ziel auf Platz 14,75. Colapinto 3,4 Plätze hinter dem Franzosen mit einer durchschnittlichen Platzierung von 14,4.
| P | Ø Qualifying | Ø Rennen |
|---|---|---|
| Gasly (bis Miami) | 12,13 | 11,00 |
| Doohan | 15,63 | 14,75 |
| Gasly (seit Imola) | 12,67 | 11,00 |
| Colapinto | 16,67 | 14,40 |
Dabei geht nicht in die Wertung ein, dass Colapinto einmal und Doohan zweimal nicht ins Ziel kamen. Bei dem Australier war einmal ein selbst verschuldeter Unfall in Australien dafür verantwortlich und einmal eine Startkollision in Miami, für die ihm keine Schuld anzulasten ist. Colapinto schaffte es in Großbritannien gar nicht bis an den Start. Grund dafür war ein Defekt am Antrieb beim Reifenwechsel vorher. Offiziell zumindest. Gerüchten aus dem Paddock zufolge verbrannte Colapinto die Kupplung. Ein Fehler, der ihm schon beim Qualifying des Spanien-GPs unterlaufen ist.
Strafen und Unfälle: Beide Alpine-Fahrer keine Kinder von Traurigkeit
Gemessen an den Strafpunkten, die die beiden ausfassten, schnitt Doohan auch schlechter ab. Er sammelte in sechs Rennen vier Punkte für jeweils kleinere Kollisionen, während Colapinto einen Zähler bekam. Diesen, weil er Oscar Piastri bei einem Überrundungsmanöver in Österreich übersah und ins Gras drückte.
Die Renn-Statistik spricht also für Colapinto, aber allgemein lässt sich das kaum für bare Münze nehmen, schon gar nicht bei so einem geringen Unterschied. Die Rennpace lässt sich jeweils nur schwer beziffern, allerdings bewegten sich beide Fahrer dahingehend auf einem ähnlichen Niveau und schafften es nicht, zu glänzen.
Unfälle leisteten sich ebenfalls beide. Jack Doohan wie schon erwähnt beim Saisonauftakt in Australien, außerdem hatte er einen schweren Abflug im zweiten Training beim Japan-GP. Colapinto warf sein Auto jeweils im Qualifying von Imola und Silverstone weg.
Jack Doohan vs. Franco Colapinto: Wer war besser?
Die Noten in unserem Formel-1-Ranking von Motorsport-Magazin.com zeigen, dass sowohl Doohan als auch Colapinto in ihren F1-Einsätzen 2025 nicht zu überzeugen wussten. Doohan gelang das allerdings doch noch eine Spur besser. Im Schnitt gelang ihm beinahe eine Punktlandung auf die 4, während Colapinto etwa bei 4,17 herauskam.
| Rennen | Doohan | Colapinto | Rennen |
|---|---|---|---|
| Australien | 4,58 | 4,70 | Imola |
| China | 4,41 | 4,10 | Monaco |
| Japan | 3,92 | 4,15 | Spanien |
| Bahrain | 3,57 | 2,80 | Kanada |
| Saudi-Arabien | 4,04 | 4,35 | Österreich |
| Miami | 3,47 | 4,94 | Großbritannien |
| Ø | 4,00 | 4,17 | Ø |
Beide eint aber, dass ihre Leistungen unter viel Druck erbracht wurden, da sie sich jeweils in einer speziellen Situation befanden: Doohan stand von Anfang an auf der Abschussliste der Teamführung, woraus schon seit der Winterpause nur schwer ein Hehl gemacht wurde. Colapinto hingegen kam mit wenig Vorbereitung in den schwer zu fahrenden A525. Er hatte zuvor nur TPC-Test in einem zwei Jahre alten Alpine gemacht. Die Argumente, die für ihn sprechen, sind vor allem kommerzieller Natur. Diese Erwartungen erfüllte er: Im Winter kam Mercado Libre als Sponsor zu Alpine. Erst vor wenigen Tagen zog Colapinto das lateinamerikanische Telekommunikationsunternehmen Claro an Land.
Ob ihm das auf lange Sicht sein Cockpit retten wird, steht in den Sternen. Denn Alpine muss inzwischen auch bei den Sponsoreneinnahmen gegenrechnen. Colapinto mag zwar Geld einbringen, aber durch die fehlenden Punkte des zweiten Fahrers liegt Team Enstone nun auf der letzten Position in der Konstrukteurs-WM und darf dadurch nicht so tief in den Preisgeld-Topf greifen. Nur um sich ein Bild von den Dimensionen zu verschaffen: Im Vorjahr gab es für den letzten Platz (Sauber) circa 56 Millionen Euro, während Alpine auf P6 etwa 31 Millionen mehr einfuhr. In diesem Jahr wäre man mit einem zweiten Fahrer, der dieselbe Punkteausbeute wie Pierre Gasly vorweisen könnte, immer noch Siebter, und voll im Kampf um P6 dabei.



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