Eiskalt und mit Berechnung geht Oscar Piastri auf der Rennstrecke zu Werke. Seine sehr ruhige Persönlichkeit, gepaart mit 2025 noch einmal stärkerer Pace, gilt für viele in der Formel 1 als Schlüssel im WM-Kampf mit Lando Norris. Immer wieder tauchen diesbezüglich Vergleiche mit dem Vierfach-Weltmeister Alain Prost auf. Die nun sogar die französische F1-Legende selbst mit Nachdruck unterschreibt.
Prost fuhr zwischen 1985 und 1993 vier WM-Titel ein. Einen davon als Teamkollege von Niki Lauda, einen neben Ayrton Senna. Bekannt als der "Professor", galt Prost als äußerst intelligenter Fahrer, der nicht unbedingt die absolute Pace in den Vordergrund stellte, sondern Rennen durch kluges Vorausdenken bei Setup und auch in Rad-an-Rad-Duellen gewann.
Sieht man sich Piastri an, kommen schnell Parallelen auf. Der Miami-GP etwa, wo er sich Max Verstappen im Duell sorgfältig zurechtlegte, den Red-Bull-Piloten selbst in einen Fehler fahren ließ und den perfekt ausnutzte. Im gleichen Rennen ließ sich McLaren-Teamkollege Lando Norris gleich drei Mal bei riskanteren Attacken von Verstappen abdrängen und verlor so letztendlich die Chance, Piastri zu fordern.
Alain Prost: Wegen mir kam Piastri erst in die F1-Förderung
Prost hat zum Thema Piastri aber nicht nur simple Beobachtungen von außen beizusteuern. Er war 2019 Berater der F1-Mannschaft von Renault (später Alpine), und daher auch am Scouting junger Talente in den Nachwuchsklassen beteiligt. 2019 beobachteten die Renault-Leute unter anderem den jungen Piastri, wie er in seinem zweiten Jahr im Formel Renault Eurocup einen Durchbruch schaffte. Im ersten Jahr noch Gesamt-8., stürmte er 2019 mit 7 Siegen zum Titel.
Doch überzeugte er Renaults F1-Förderprogramm? "Ich war jener, der Druck auf Renault gemacht hat, um ihn in die Academy zu holen, sie wollten ihn nicht!", verrät Prost am Rande des Goodwood Festival of Speed. Weil er sich tatsächlich selbst im jungen Australier sah: "Ich sah ihn dann in F3 und F2, und ich mag die Art, wie er sich verhält. Ein bisschen wie ich."

"Er denkt nach, wann der richtige Moment zum Überholen ist, und er ist etwas klüger", lautet Prosts Urteil. "Ich mag ihn. Du weißt natürlich nie, was noch kommt, aber solche Fahrer können normalerweise auch Fortschritte machen. Bei anderen ist es hingegen nur das reine Können, und dann sind sie damit auf einem Plateau."
Prost rechnet mit hartem McLaren-Kampf um den F1-Titel
Piastri honorierte Prosts und Renaults Vertrauen 2020 und 2021 mit aufeinanderfolgenden Titeln in Formel 3 und Formel 2. Dann verließ er in einem turbulenten Vertrags-Disput 2022 Renault und wechselte zu McLaren. Prost dürfte ihm das aber kaum übel nehmen - er hatte sich schon 2021 nach einem Wechsel im Management mit dem damals neuen Alpine-CEO Laurent Rossi zerstritten und zu Jahresende seinen Beraterjob aufgegeben.
Für Piastri hat sich der Absprung bezahlt gemacht, er hat nun schon 7 F1-Siege und führt aktuell mit 8 Punkten Vorsprung auf Lando Norris in der WM. "Ich kenne Oscar viel besser", wagt Prost jedoch mangels Einblicks in die McLaren-Mannschaft keine Prognose zum Ausgang. "Lando kenne ich nicht so gut."
"Eine Meisterschaft mit zwei um den Titel kämpfenden Fahrern ist immer schwierig", weiß Prost, der die Erfahrung selbst in den 80ern bei McLaren neben Lauda und Senna gemacht hat. "Aber wenn sie genügend Vorsprung haben, dann können sie sie fahren und kämpfen lassen. Wenn es enger wird, dann wird das schwierig, aber momentan sieht es nicht so aus."
Das erinnert Prost an sein Duell mit Senna 1988: "Wir haben fast alle Rennen gewonnen, und ganz ehrlich: Uns waren die anderen Fahrer egal. Aber ich erinnere mich auch an 1986, als ich gewonnen habe, weil Nigel und Nelson sich die Punkte aufgeteilt haben." 1986 hatte Williams wohl das beste Auto gehabt, aber Nigel Mansell und Nelson Piquet bekämpften sich bis zum Schluss. Prost profitierte und schnappte sich seinen zweiten Titel mit McLaren.



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