Sechs Rookies gibt es 2025 in der Formel 1 - so viele wie schon lange nicht mehr. Vor allem einer von ihnen hat in den ersten zwölf Rennen dieses Jahres sehr viel Eigenwerbung betrieben, während andere hinter teils hoch gesteckten Erwartungen zurückbleiben. Wir haben zur Saison-Halbzeit Bilanz gezogen: Wie gut schlagen sich die Neulinge in ihrer ersten vollen Formel-1-Saison bisher?

Franco Colapinto: Keine Steigerung zu Doohan

2025GP 1-6GP 7-12
WM-PlatzierungP20-P20
Punkte0-0
Beste PlatzierungP13-P13
Ø Qualifying-Rückstand0,319 (0,44%)-0,319 (0,44%)
Ø Note MSM-Ranking4,17 (P21)-4,17 (P19)

Auf eine Runde blieb Franco Colapinto, seit er im Frühjahr das Alpine-Cockpit von Jack Doohan übernommen hat, nicht nur hinter den Erwartungen zurück, sondern auch hinter der Messlatte, die ihm sein direkter Vorgänger hinterlassen hat. Mehr zum Vergleich der beiden Rookies könnt ihr hier nachlesen. Gegen Pierre Gasly sah Colapinto nur einmal gut aus, und zwar beim Kanada-GP. Damals flog der Franzose aufgrund von Verkehrs-Pech früh raus, aber auch abgesehen davon war Colapinto am Montreal-Wochenende schnell. Nichtsdestotrotz sieht der Rückstand deshalb geringer aus, als er bei den meisten Rennwochenenden war. Dazu kamen noch Unfälle, wie etwa in Imola oder in Silverstone und ein Fehler in Barcelona, als er in der Boxengasse wartend die Kupplung verbrannte.

Im Rennen bewegte sich Colapinto ebenfalls meist im Nirgendwo. Teils ist das durch seine schlechte Startposition bedingt, teils aber auch darin, dass er mit seiner Rennpace noch nicht glänzen konnte. Dazu kamen kleinere Fehler, wie beim Österreich-GP, als er Oscar Piastri übersah, der ihn gerade überrunden wollte. Platz 13 war die beste Platzierung, die Colapinto sich bislang herausfahren konnte und das in einem Zeitraum, in dem Pierre Gasly zweimal in die Punkte fuhr.

Gabriel Bortoleto: Nur im Qualifying auf Hülkenberg-Niveau

2025GP 1-6GP 7-12
WM-PlatzierungP19P20P17
Punkte404
Ø Qualifying-Rückstand0,048 (0,04%)0,189 (0,21%)-0,140 (-0,20%)
Ø Note MSM-Ranking3,46 (P16)3,63 (P17)3,30 (P14)

Auf eine Runde hat sich Gabriel Bortoleto seit dem Formel-1-Saisonstart rapide steigern können. War er in den ersten sechs Rennen noch langsamer als Nico Hülkenberg, hat das Pendel im zweiten Saisonviertel umgeschlagen. Das liegt zwar auch daran, dass sein Teamkollege Fehler am Samstag einstreute, aber eben nicht nur. Das Highlight seiner bisherigen Qualifying-Auftritte setzte der Brasilianer beim Österreich-GP, als er erstmals in seiner Karriere Q3 erreichte.

Einen Tag nach seinem ersten Q3-Einzug konnte der amtierende Formel-2-Champion auch seine ersten F1-Punkte sammeln. Dass es nur vier Stück sind, hat er sich allerdings selbst zuzuschreiben, da er sich im Zweikampf von Fernando Alonso düpieren ließ. Es war irgendwie sinnbildlich für seine bisherige Saison. Denn Bortoleto ließ im Renntrimm mehrmals noch seine fehlende Erfahrung durchscheinen. Das gilt auch für gleich zwei Unfälle im Regen (Australien und Silverstone). Die Pace auf eine Renndistanz ist ebenfalls noch ein Aspekt, an dem Aufholbedarf besteht. Der Sauber ist inzwischen ein Auto, das regelmäßig für Punkte gut ist, daraus machte Bortoleto seit dem Spanien-Upgrade noch nicht genug.

Oliver Bearman: Schnell aber fehleranfällig

2025GP 1-6GP 7-12
WM-PlatzierungP18P15P19
Punkte660
Ø Qualifying-Rückstand0,059 (0,06%)0,155 (0,17%)-0,053 (-0,07%)
Ø Note MSM-Ranking3,22 (P15)2,96 (P12)3,49 (P16)

Für Oliver Bearman gilt im Qualifying-Duell mit Esteban Ocon ähnliches wie für Bortoleto gegen Hülkenberg: Auf eine Runde konnte der Haas-Fahrer sich steigern. Gemessen an den letzten sechs Rennen ist er sogar schneller als der Franzose. Im Moment hat er eine Serie von vier Head-to-Head-Siegen in Folge vorzuweisen. Und es könnten eigentlich sogar fünf sein, denn in Monaco wurde er aufgrund einer Startplaz-Strafe in Q2 vor Start-Ziel angewiesen vom Gas zu gehen, um das Weiterkommen von Ocon nicht zu gefährden.

Die Probleme für Bearman beginnen, wenn wir einmal die reine Qualifying-Pace außen vor lassen. Denn die Leistungen des Briten sind nach wie vor geprägt von Inkonstanz und teils haarsträubenden Fehlern. Dabei stechen vor allem seine Rot-Vergehen im Training von Monaco und Silverstone hervor, für die er jeweils schwere Strafen aufgebrummt bekam, welche letztendlich bei den jeweiligen Grands Prix jede Punktechance zunichte machten. Schon seit Bahrain wartet Bearman unter anderem aufgrund dieser Inkonstanz deshalb auf Formel-1-Punkte. Zuletzt landete er dreimal in Serie auf der elften Position, wohingegen Ocon im selben Zeitraum zweimal anschreiben konnte.

Liam Lawson: Nur langsam auf dem Weg zur Besserung

2025GP 1-6GP 7-12
WM-PlatzierungP16P18P12
Punkte12012
Ø Qualifying-Rückstand0,366 (0,43%)0,512 (0,59%)0,171 (0,22%)
Rückstand vs. Ver0,880 (1,03%)0,880 (1,03%)-
Rückstand vs. Had0,226 (0,27%)0,291 (0,33%)0,171 (0,22%)
Ø Note MSM-Ranking3,89 (P18)4,42 (P20)3,36 (P15)

Liam Lawsons Saison hat auch nach dem Red-Bull-Aus nach zwei Grands Prix nur langsam in die Gänge gefunden. Auf eine Runde zeigt sich, dass er vor allem in den ersten Rennen nach der Degradierung zu den Racing Bulls Probleme hatte, die Pace seines Rookie-Teamkollegen mitzugehen. Erst in den letzten Wochen gelang es ihm, einzelne Duftmarken zu setzen. Vor allem der Österreich-GP war ein echter Befreiungsschlag für Lawson. Es war einer von bislang nur zwei Head-to-Head-Siegen gegen Isack Hadjar.

In Österreich überzeugte Lawson aber eben nicht nur im Qualifying, sondern anschließend auch im Rennen, wo er eine erfolgreiche 1-Stopp-Strategie fahren konnte. Dazu kamen noch Punkte in Monaco, aber wie bei den meisten Grands Prix in diesem Jahr stand er eben auch dort im Schatten seines Teamkollegen. Bislang kamen die positiven Ausrufezeichen von Lawson noch zu selten. Vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass Hadjar weniger Formel-1-Erfahrung vorzuweisen hat als er selbst.

Isack Hadjar: Auf dem Weg zum Rookies des Jahres

2025GP 1-6GP 7-12
WM-PlatzierungP11P16P9
Punkte21516
Ø Qualifying-Vorsprung-0,151 (-0,18%)-0,137 (-0,15%)-0,171 (-0,22%)
Rückstand vs. Tsu0,121 (0,14%)0,121 (0,14%)-
Vorsprung vs. Law-0,226 (-0,27%)-0,291 (-0,33%-0,171 (-0,22%)
Ø Note MSM-Ranking2,58 (P8)2,64 (P8)2,51 (P8)

Kein anderer Rookie hat in der Formel-1-Saison 2025 bisher so beeindrucken können wie Isack Hadjar. Schon gegen Yuki Tsunoda, der vier Jahre Erfahrungsvorsprung mitbrachte, zog er sich achtbar aus der Affäre und war größtenteils auf Augenhöhe. Gegen Liam Lawson übernahm er anschließend das Szepter als Nummer-1-Mann im Team. In Q3 entwickelte er sich zu einem Stammgast (6 von 12 Teilnahmen), wobei er gleichzeitig eine relativ geringe Fehlerquote vorweist.

Wenn überhaupt, dann lässt sich Hadjar ankreiden, dass aus seinen guten Qualifying-Platzierungen nicht immer etwas Zählbares heraussprang. Das lag allerdings auch manchmal an fragwürdigen strategischen Entscheidungen bei den Racing Bulls. Teilweise aber auch an Unfällen unter schwierigen Bedingungen. In den letzten Wochen zeigte der Franzose jedoch einen Negativ-Trend, angefangen bei einem glanzlosen Österreich-GP und mit einer (wenn auch zu einem gewissen Grad entschuldbaren) Kollision in Silverstone.

Andrea Kimi Antonelli: Super-Rookie in Problemen

2025GP 1-6GP 7-12
WM-PlatzierungP7P6P11
Punkte634815
Ø Qualifying-Rückstand0,315 (0,41%)0,248 (0,29%)0,404 (0,57%)
Ø Note MSM-Ranking3,05 (P13)2,55 (P7)3,55 (P17)

Andrea Kimi Antonelli kam mit viel Vorschuss-Lorbeeren in die Formel 1, wobei Mercedes-Teamchef Toto Wolff davor warnte zu früh zu viel von dem als Super-Rookie gefeierten Italiener zu erwarten. Im Qualifying war er bislang George Russell eklatant unterlegen. Abgesehen vom Grand-Prix-Wochenende in Miami, wo er den Briten zweimal in den Schatten stellen konnte, fehlen ihm etwa vier Zehntel auf Russell. Der Trend erscheint besorgniserregend, denn anstatt, wie man erwarten möchte, näher an seinen Teamkollegen ranzukommen, vergrößerte sich der Abstand im zweiten Saisonviertel sogar (auch wenn man Miami herausrechnet). Negativer Höhepunkt im Qualifying: Sein Unfall in Monaco, der ihm faktisch aller Punktechancen im Fürstentum beraubte.

Der Unfall mit Max Verstappen in Österreich, der voll auf die Kappe von Antonelli ging, widerspricht dem allgemeinen Trend im Rennen ein bisschen. Denn abgesehen davon war er gemessen an seiner Fehlerquote einer der stabileren Rookies im Renntrimm. Wobei stabil im Falle von Antonelli eben auch heißt, dass er meist deutlich hinter seinem Teamkollegen unterwegs war. Seit dem Beginn der Europa-Saison erlebt er eine Punkteflaute, in der er abgesehen von seinem Kanada-Podium noch vollkommen leer ausging. Für zwei Nuller ist er selbst verantwortlich, die anderen kamen aufgrund von Defekten oder im Falle von Silverstone aufgrund einer unglücklichen Kollision zustande.