Williams steckt in der Formel-1-Saison 2025 in einer kleinen Krise. Nicht, weil das Auto etwa langsam wäre. Ganz im Gegenteil: Der FW47 war bislang in diesem Jahr zweifelsohne das fünftschnellste Auto im Feld und führt folgerichtig das Mittelfeld an. Doch in den letzten Wochen bekommt das Team diese Pace einfach nicht mehr in gute Resultate umgesetzt.

Eine Reihe verschiedener technischer Probleme, die aus dem nichts zu kommen scheinen, bremsten das Grove-Team ein. Zuletzt auch in Österreich, wo Alex Albon in einer aussichtsreichen Position liegend ausschied und Carlos Sainz nach einem Bremsproblem auf dem Grid nur die Aufwärmrunde schaffte, ehe Flammen von seinem Boliden aufstiegen.

Alex Albon verzweifelt an Defekt-Serie: Gleiches Auto wie zu Saisonbeginn

Für Albon geht die jüngste Pleitenserie langsam aufs Gemüt. Erst steht bei mittlerweile drei Ausfällen am Stück. Ein Lauf, der in der modernen Formel 1 eine äußerste Rarität darstellt. Er rätselte, warum der Defektteufel plötzlich so regelmäßig zuschlägt: "Wir haben drei Ausfälle in Serie, es fehlen uns viele Kilometer im Moment. Ich bin mir nicht sicher [woran das liegt]. Es ist dasselbe Auto, das wir zu Beginn des Jahres hatten und es war zu Beginn des Jahres viel zuverlässiger."

Nur in Spanien war bei Albon Feindkontakt für den Ausfall verantwortlich, sowohl in Kanada als auch in Spielberg kosteten ihm jeweils technische Probleme das Rennen. Beide Male befand er sich im Kampf um die Punkte. In Montreal wurde ein Kühlungsproblem für den Ausfall verantwortlich gemacht. Die Ursache für das Aus am Red Bull Ring war am Ende des Wochenendes noch nicht bekannt. "Es sieht wie ein ähnliches Problem wie in Kanada aus, aber wir müssen das noch genauer untersuchen", sagte Albon.

Drei Ausfälle in Serie gab es in der Formel 1 übrigens schon seit Jahren nicht mehr. Zuletzt erwischte es 2020 Lance Stroll, der zwischen Mugello und Portugal ebenfalls bei drei Antritten in Folge das Ziel nicht erreichte. Für Silverstone hofft Albon wieder auf ein normales Wochenende ohne technische Gebrechen: "Ich bin ein bisschen besorgt. Ich weiß nicht, was wir machen können. Wir können es uns nicht leisten, dass es in Silverstone wieder passiert, denn das ist eine gute Strecke für uns."

Auto brennt in der Boxengasse: Was war mit Sainz in Österreich los?

Teamkollege Carlos Sainz erging es in den vergangenen Wochen ähnlich schlecht. Im Gegensatz zu Albon konnte er in Kanada immerhin einen Punkt einfahren, aber auch dort hatte er auf dem Weg dorthin Pech im ersten Qualifying-Abschnitt, als ihm zunächst eine Unterbrechung und dann Verkehr eine schlechte Startposition einbrachten. In Spanien fiel er nach einer Berührung weit zurück.

Nach seinem bitteren Aus vor dem Rennstart in Österreich zeigte sich auch der Spanier unzufrieden mit der Ausbeute seiner Formel-1-Mannschaft in den letzten Wochen. "Wir durchleben eine schwierige Zeit als Team. Wir hatten eine sehr durchwachsene erste Saisonhälfte", bilanzierte der ehemalige Ferrari-Fahrer. Was exakt das Problem in Spielberg war, ist ebenfalls noch nicht bekannt.

Sainz kam zunächst am Start nicht weg, da ihn seine Hinterrad-Bremse blockierte. Als er nah der Einführungsrunde sein Auto am Ende der Boxengasse geparkt hatte, entwickelte sich Feuer im Bereich seiner Hinterradbremsen. Schon tags zuvor waren ein Bremsproblem und Unterboden-Schäden für sein Q1-Aus verantwortlich gewesen. Ein Zusammenhang ist nicht bekannt. "Mein Gefühl ist, dass es keinen Zusammenhang gibt, aber wir wissen es noch nicht genau", so der Madrilene.

Carlos Sainz: Williams schnell, aber viel zu viele Probleme

Nach elf Rennwochenenden steht er lediglich bei 13 Zählern mit einer besten Platzierung von P8, während Teamkollege Albon schon fünfmal auf den fünften Rang gefahren ist. Zu Saisonbeginn nahm Sainz den Rückstand vor allem auf seine Kappe und machte vorwiegend die Umstellungsschwierigkeiten vom SF-24 auf den FW47 dafür verantwortlich. Inzwischen sieht er diese Probleme allerdings als überwunden an. Verbesserungspotenzial sieht er vor allem an der Schwierigkeit des Teams, die Performance auch in Zählbares umzumünzen.

"Auch wenn wir schnell sind, wir scheinen zu viele Probleme zu haben, wenn es darauf ankommt. Es ist egal, ob es die Zuverlässigkeit ist, die Strategie, oder unsere Wochenend-Ausführung", bemängelte Sainz. "Es ist an der Zeit, die Köpfe zusammenzustecken und sich anzuschauen, was wir besser machen können."

Dass das Team schon seit Jahresanfang seinen Fokus auf 2026 gelegt hat, will er nicht als Ausrede geltend machen. "Das sollte vollkommen unabhängig voneinander sein. Die Art und Weise, wie wir an einem Rennwochenende arbeiten und die Zuverlässigkeit haben nichts damit zu tun, dass wir den Fokus auf nächstes Jahr legen."

Sainz betonte schon mehrmals in diesem Jahr, dass die F1-Saison 2025 eine Chance sei, um alle möglichen Probleme auszubügeln, solange das Team nicht vorne mitkämpft. "Wir sollten diese Probleme, die wir im Moment haben, nehmen und sie dafür nutzen, um nächstes Jahr eine bessere Ausführung am Rennwochenende hinzukriegen", wiederholte der dreifache Grand-Prix-Sieger auch nach Österreich.

Sainz bekannte sich im Winter langfristig zu Williams. Wird er dort bis zu seinem Karriereende bleiben? Diese Frage haben wir vor kurzem in einem Talk-Video diskutiert. Hier könnt ihr es anschauen:

Carlos Sainz: Endstation Williams? F1-Zukunft im Check (08:47 Min.)