So schlecht wie schon lange nicht mehr schnitt Max Verstappen im Formel-1-Qualifying von Mexiko ab. Genauer gesagt seit dem Ungarn-GP, denn dort qualifizierte sich der Red-Bull-Pilot das letzte Mal nicht in einer der ersten beiden Startreihen. Ein Ergebnis, das komplett gegen den Trend geht, denn zuletzt war es Verstappen, der von Erfolg zu Erfolg eilte und sich so nochmal ins Titelrennen manövrierte.

Doch im Qualifying war davon nichts mehr zu sehen. Stattdessen war es mit freiem Auge erkennbar, dass der Red Bull nicht gut auf der Strecke liegt. In Kurve 9 bekam Verstappen regelmäßig auf einer Bodenwelle Übersteuern und büßte Zeit ein. Um das Problem zu vermeiden, musste er die Kurve konservativer durchfahren. Mit entsprechendem Zeitverlust.

Allein in den Esses im Mittelsektor brockte ihm Norris 0,25 Sekunden ein, also mehr als die Hälfte des letztendlichen Zeitverlusts von Verstappen. Auch auf der restlichen Runde verlor der Niederländer Zeit gegen den Polesetter, aber nirgendwo war es so viel. "Es war sehr schwierig. Ich habe sehr viel probiert, aber es fühlte sich nicht gut an", bilanzierte der fünffache Mexiko-Sieger seine Abstimmung. "Kein Grip. Das Auto lenkt nicht, keine Traktion und ich rutsche", zählte er die Problemstellen auf.

Im zweiten Training hatte seine Pace noch gut ausgesehen, wie die Bestzeit am Freitagnachmittag bewies. Nur der Longrun machte da schon Sorgen. Das wollte man für den Samstag korrigieren, so der Plan. Motorsportberater Dr. Helmut Marko erklärte, dass man durch das gute FP2-Ergebnis auf eine falsche Fährte geraten war: "Erstens ist Max das erste Training nicht gefahren und war dann im zweiten Training relativ locker auf P1. Davon haben wir uns in die Irre leiten lassen. Das war dann nicht mehr korrigierbar." Wo Red Bull genau falsch abgebogen ist, wollte Marko nicht im Detail verraten. Der Schluss liegt nahe, dass jedenfalls das Übersteuern in Turn 9 auf eine tiefe Abstimmung des Autos zurückzuführen sein könnte.

Sechster Mexiko-Sieg unmöglich? Max Verstappen: Longrun auch schlecht

Verstappen will sich nicht der Hoffnung hingeben, dass sich die Red-Bull-Pace bis zum Rennen normalisiert und er dann am Sonntag angreifen kann. Da macht auch der lange Weg zu Kurve 1 keinen Unterschied. "Ich habe keine Pace, also ist es egal, was ich in Kurve 1 mache. Selbst wenn ich dort zwei Autos überhole, werden sie mich wieder kriegen", schreibt er den Grand Prix schon von vornherein ab.

"Ich muss einfach versuchen, mich aus Problemen herauszuhalten und mein eigenes Rennen zu fahren. Denn jede Runde, die ich gefahren bin, auch im Longrun, war schwach verglichen mit den Autos vor mir", erklärte Verstappen. Vom Sieg wagt Red Bull nicht einmal zu träumen, dieser scheint auf einen Namen vorreserviert zu sein. "Wenn er keinen Blödsinn macht, dann ist Lando [Norris] unerreichbar", so Marko.

Die Priorität liegt im WM-Kampf auf Schadensbegrenzung. Und in dieser Hinsicht spielte das Rennwochenende dem ersten McLaren-Verfolger in die Karten, denn WM-Leader Oscar Piastri ist bislang komplett von der Rolle und startet eine Startreihe hinter Verstappen. "Optimistisch gedacht ist das Maximum ein Podium. Man kann nur schauen, dass wir so weit wie möglich vor Piastri sind", schätzt Marko.

So könnte Verstappen noch mit einem blauen Auge und intakten Chancen in der Formel-1-WM aus Mexiko abreisen. Ein Rechenbeispiel: Falls das Rennen so endet, wie das Qualifying, würde Verstappens Rückstand auf die Spitze nur um einen Punkt auf 41 Zähler anwachsen. Das würde die Aufgabe zwar nicht einfacher machen, aber ausgeträumt wäre der Traum des fünften WM-Titels nach wie vor nicht.