Das Formel-1-Qualifying in Brasilien ging bei Max Verstappen und generell bei Red Bull spektakulär daneben. Erstmals seit Sotschi 2021 scheiterte der Niederländer schon in Q1. Damals noch aufgrund einer Motorstrafe, diesmal fehlte dem RB21 schlicht und ergreifend die Pace. Für den amtierenden Weltmeister, der 39 Punkte Rückstand im Titelkampf aufweist, hätte dieser Rückfall in die düsteren Red-Bull-Zeiten der letzten Monate zu kaum einem schlechteren Zeitpunkt kommen können.
Formel-1-Titelchancen ausgeträumt? Max Verstappen schreibt die WM ab
Verstappen ist davon überzeugt, dass dieser Auftritt der endgültige Sargnagel für seine WM-Ambitionen ist. "Die können wir jetzt vergessen", sagte er am Samstag angesprochen auf die Meisterschaft. "Von dort, wo wir starten und mit diesen Performances. Vergesst es!", betonte er deutlich.
Im Vorjahr hatte Verstappen das Rennen in Sao Paulo von P17 aus gewonnen. Diesen Hoffnungsansatz wischt er schnell vom Tisch: "Andere Umstände." 2024 war das Rennen zu einer Regenschlacht geworden, mit zahlreichen Zwischenfällen und auch einer für ihn günstig getimeten roten Flagge. 2025 soll der Sonntag in Interlagos mit hoher Wahrscheinlichkeit trocken bleiben.
Schon im Sprint-Qualifying am Freitag und im Sprint am Samstagvormittag hatte der Red Bull nicht sehr schnell ausgesehen und Verstappen war nach Startplatz 6 deutlich langsamer als seine McLaren-Titelrivalen und die Mercedes gewesen. Red Bull hatte anschließend großflächige Umbauten am Fahrzeug-Setup durchgeführt. Ein Schuss in die falsche Richtung, wie sich nun herausgestellt hat.
Red Bulls Setup-Experimente gehen daneben
Red-Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko erklärte im ORF-Interview: "Wir haben bei Max in recht massiver Form Änderungen durchgeführt. Aber anstelle von Verbesserungen haben wir das Handicap in Sektor 2 beibehalten und sind gleichzeitig in den anderen zwei Sektoren deutlich langsamer geworden."
Keine günstige Kombination also für Verstappen. Der klagte während der Session über "null Grip" und war anschließend mit seinem Latein am Ende. "Es war einfach nicht gut und es sieht so aus, als ob wir einfach nicht verstehen warum", sagte der Niederländer. Den Unterboden, der in Mexiko neu ans Auto kam, als Ausgangsstelle für die Probleme zu sehen, lässt Verstappen auch nicht gelten. "Wir haben zwei verschiedene Unterböden probiert. Das ist es also auch nicht", grübelte er.
Aus den Telemetriedaten lässt sich herauslesen, dass die Anbremsphase und anschließend die Durchfahrt durch Kurve 4 die größte Problemstelle des Red Bull im Formel-1-Qualifying war. Dort verlor Verstappen in jedem seiner drei Versuche bis zu zwei Zehntel auf Nico Hülkenberg, der mit P15 seine direkte Messlatte für den Q2-Aufstieg darstellte. In der Beschleunigungsphase nach Kurve 12 ging ebenfalls bis zu eine Zehntel drauf. Aber auch auf der restlichen Runde performte der RB21 nur auf Augenhöhe mit dem Sauber. Hier der komplette Datenvergleich:
Yuki Tsunoda: Letzter und trotzdem "einen guten Schritt gemacht"?
Das schwache Abschneiden in Brasilien ist kein reines Verstappen-Phänomen, denn auch Yuki Tsunoda kam nach einem bereits mageren Auftritt am Freitag im Qualifying erneut mit dem Red Bull überhaupt nicht zurecht und landete sogar nur auf der 19. und damit letzten Position. Der Japaner hatte im Sprint den Testfahrer für Verstappen gegeben und diesen für einen Setup-Test geopfert.
Dieses hatte Tsunoda als Verbesserung wahrgenommen, weshalb Red Bull dann im Sprint mehrere Aspekte auch am Auto von Max Verstappen dahingehend umgestaltete. Ein Fehler? Tsunoda meinte: "Ich denke, wir haben mit dem Setup einen guten Schritt gemacht, es trat aber ein komplett anderes Problem auf."
Von P16 aus sieht Max Verstappen seine Außenseiter-Chancen in der WM dahinschmelzen und auch in der Konstrukteurs-WM droht Red Bull weiter wichtige Punkte zu verlieren. Dort befinden sich die Bullen ja noch im Dreikampf mit Ferrari und Mercedes um den zweiten Platz. Aber mit beiden Mercedes in den Top 6 und Charles Leclerc auf Startplatz 3 sieht es nicht danach aus, als ob die Mannschaft aus Milton Keynes Punkte gutmachen könnte.
So ist das derzeitige Bild in der Konstrukteurs-WM der Formel 1:



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