Oscar Piastri drohte das Kräfteverhältnis bei McLaren im Formel-1-Qualifying in Brasilien kurz ins Wanken zu bringen, doch am Ende behielt Lando Norris erneut die Oberhand. Der WM-Leader setzte sich mit einem Fehler selbst unter Druck und lieferte dann im entscheidenden Moment ab. Der mental gefestigte Lando Norris lässt sich derzeit scheinbar durch nichts aus der Ruhe bringen. Oscar Piastri konnte hingegen nicht nachlegen. Wieder zu langsam und nur Startplatz vier.

"Ich wusste wieder nicht, ob ich im Delta vorne oder hinten bin. Ich war etwas gestresst, aber als ich über die Linie ging und die Rundenzeit sah, war ich ziemlich glücklich. Als ich dann sah, dass niemand schneller ist, war ich noch glücklicher", so Lando Norris nach seiner sechsten Pole Position in der laufenden Saison. Seit geraumer Zeit vermeidet er durch den Verzicht auf das Delta im Dashboard jegliche Ablenkungen und wieder führte es zum Erfolg.

Im entscheidenden Q3 für das Rennen am Sonntag sah es jedoch so aus, als würde ihm heute nach dem Sieg im Sprint vielleicht doch nicht alles gelingen. Den ersten Run warf er schon in Kurve eins weg und war vor dem Showdown im Qualifying nur Zehnter, während Piastri die Bestzeit hielt. "Ich stand etwas unter Druck, nachdem ich auf meiner ersten Runde den Verbremser hatte", so Norris. Ohne Banker-Lap musste der letzte Schuss sitzen: "Der Druck war damit größer, als mir lieb war, aber ich bin ruhig geblieben und habe es im entscheidenden Moment zusammengebracht."

Lando Norris mit neuem Selbstvertrauen wieder obenauf

Tatsächlich hielt sich Norris auf der Pole-Runde in Kurve eins nicht zurück und attackierte genauso wie zuvor, als er dort durch seinen Fahrfehler acht Zehntelsekunden verlor. "Manchmal machst du ein und dasselbe, wie ich in Kurve eins, aber du machst ohne ersichtlichen Grund einen Fehler", erklärt er. Dass ihn sein Fahrfehler nicht verunsicherte und er danach unbeeinträchtigt seine Leistung brachte, sieht er in seinem neuen Mindset begründet.

"Ich fühle einfach, dass ich einen guten Job mache. Ich fahre gut. Zuvor in dieser Saison hatte ich so viele Schwächen", so der 25-Jährige. "Ich habe hier und da natürlich immer noch welche, aber ich habe sie reduziert. Jetzt kosten sie mich vielleicht keine Zehntelsekunde mehr, sondern nur noch zwei Hundertstelsekunden. Wenn ich dann alles zusammenbringe, die ganzen guten Dinge und nur noch ein paar schlechte, laufen die Dinge sehr gut."

Oscar Piastri sucht nach Misserfolgen seine Lockerheit

Bei Oscar Piastri ist die Formkurve in Sachen Selbstvertrauen momentan scheinbar gegenläufig. Der Australier ritt in der ersten Saisonhälfte auf einer Welle des Erfolges, doch seit er sich in der Favoritenrolle für den WM-Titel wiederfand, schlichen sich erst die Fehler und dann die Unsicherheiten ein. "Es scheint, als würden die Dinge im Moment nicht so einfach fließen. Ich hatte gestern ziemlich gutes Vertrauen ins Auto. Heute fühlte es sich an, als wäre es für alle etwas schwieriger und ich kämpfte damit, das Maximum aus dem Auto zu holen", erklärt er. Am Ende fehlten wieder knapp vier Zehntelsekunden auf Norris, wie es schon im Sprint Qualifying am Freitag der Fall war.

Nach seinem Unfall im Sprint hatte er sich fest vorgenommen, das Blatt im weiteren Verlauf des Wochenendes zu seinen Gunsten zu wenden. "Ich habe mir alles angeschaut und das bewertet, mich damit abgefunden und bin in den Qualifying-Modus übergegangen. Ich habe versucht mich darauf zu fokussieren", sagt er. "Das Qualifying war nicht einfach. Dieses Wochende ist es etwas bizarr, dass der Soft-Reifen aus irgendeinem Grund nicht funktioniert. Du hast über das Q1, Q2 und Q3 auch so gut wie keine Verbesserungen der Rundenzeiten. Das ist ziemlich seltsam."

In der Gesamtwertung liegt er vor dem 21. Saisonrennen durch seine Nullnummer im Sprint neun Punkte hinter McLaren-Teamkollege Norris. Das Momentum liegt beim Gegner und Piastri will unbedingt zurückschlagen: "Hoffentlich kann ich morgen daraus Kapital schlagen. Ich werde jede Möglichkeit ergreifen, die sich mir bietet und wenn ich nach vorne kommen und Druck machen kann, werde ich das tun. Aber erstmal muss ich dorthin kommen."