Am letzten Wochenende stand Lando Norris bei der Formel 1 in Mexiko endlich wieder auf Pole. Sehr zu seiner Überraschung, als er die Runde beendet hatte. Diese Überraschung ist eines psychologischen Tricks geschuldet, auf den der 2025 lange mit seinem Qualifying hadernde Norris seit Monaco zurückgreift.
"Ich habe kein Delta, also wusste ich nicht ob ich schneller oder langsamer war, ob es gut, schlecht oder was auch immer war", verriet Norris am Samstag nach dem Qualifying. "Delta" bezieht sich in der Formel 1 stets auf den Unterschied zwischen zwei Zeiten, und in diesem Zusammenhang auf eine kleine Zeit-Anzeige auf dem Lenkrad, die eigentlich alle nutzen. Bis auf Norris.
Auf schnellen Runden im Qualifying ist diese Anzeige der Live-Rückstand auf eine vordefinierte Runde. Normalerweise die persönlich beste, oder die vorangegangene Runde. So hat der Fahrer permanent Feedback, ob er schneller oder langsamer ist als bei seinem letzten vergleichbaren Versuch. Was bedeutet, dass er sich während der Runde aktiv daran ausrichten kann, indem er mehr oder weniger Risiko geht.
Norris lässt sich im Qualifying von Delta-Zeit ablenken
Aber ist das in einem Formel-1-Qualifying wirklich hilfreich? "Manchmal starre ich einfach zu sehr drauf, und das ist nie besonders gut", verrät Norris gegenüber Motorsport-Magazin.com. "Wenn ich es nicht habe, dann pushe ich einfach, egal was passiert. Egal, wie die Runde anfing. Egal, wie irgendeine Kurve war."

"Ich schätze, wenn du keine Referenz oder die komplette Rundenzeit hast, dann versuchst du einfach immer, jede Kurve zu maximieren", meint Norris. Damit fühlt er sich einfach besser. Seit Monaco fährt er ohne Delta-Zeit, und seitdem holte er vier seiner fünf Poles.
Deshalb klang er in Mexiko so überrascht über eine nahezu perfekte Pole-Runde mit 0,262 Sekunden Vorsprung auf Charles Leclerc: "Es war sehr natürlich, sehr ähnlich meiner Runde in Monaco." In den dafür nötigen Rhythmus zu kommen ist für ihn ohne permanente Referenz einfacher.
Lando Norris ohne Referenz? Ausreißer im Formel-1-Spitzenfeld 2025
Mit dieser Meinung scheint Norris im aktuellen Spitzenfeld allein. Das zeigt der Blick auf die Lenkräder der Top-6 in der WM. Moderne Formel-1-Autos haben hier grundsätzlich einmal große Displays, die sich je nach Modus - Qualifying, Rennen, Kühlrunden, Laderunden und so weiter - und je nach Fahrer-Bedarf umfangreich personalisieren lassen.

Das sieht man sofort bei den Top-6, die sich im Qualifying-Push-Modus nur zwei Informationen teilen: Die Gang-Anzeige und den Ladestatus des Hybridsystems. Bei der Live-Anzeige der Temperaturen aller vier Reifen gehen die Präferenzen schon auseinander. Max Verstappen und Charles Leclerc wollen die Abweichung von einem Referenzwert sehen. Norris, Oscar Piastri, George Russell und Lewis Hamilton die tatsächliche Temperatur jedes Reifens.
Norris ist der einzige Top-Pilot, der sowohl auf sein Runden-Delta als auch auf die Km/h-Anzeige verzichtet. Mit nur 9 Infopunkten ist sein Dashboard so aufgeräumt wie bei keinem anderen Fahrer. Verstappen ist Nummer zwei mit 10 Infos, dicht gefolgt von Piastri mit 11 und Leclerc mit 13. Bei Russells 14 Infos gibt es ein erstes interessantes Bonus-Detail, ein zweites Delta - den Live-Abstand zum nächsten Auto vor sich auf der Strecke, um sich auf Verkehr einzustellen, inklusive Kürzel des betreffenden Fahrers.
Und Lewis Hamilton wartet mit einem vollgestopften Dashboard auf. Nicht weniger als 26 Infopunkte lässt er sich anzeigen, darunter Reifentemperaturen, Bremsentemperaturen, und eine laufende Zeit der aktuellen Session.



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