Es deutete sich bereits im Training der Formel 1 in Mexiko an, im Qualifying wurde es dann Realität. Lando Norris im McLaren ist der schnellste Fahrer auf dem Autodromo Hermanos Rodriguez, wo er am Samstag für die erste Pole seines Teams seit der Sommerpause sorgte - und erstmals seit dem Belgien-GP im Juli selbst vom ersten Startplatz ins Rennen geht.

An der Favoritenrolle des Briten besteht kein Zweifel, erst recht nicht nach der Art und Weise, wie er im Qualifying auftrat. Denn von Q1 bis Q3 war er beinahe durchgehend der schnellste Mann auf der Strecke, kam mit nur zwei Reifensätzen bis ins letzte Segment, und brannte dann zum Schluss eine Runde in den Asphalt, die ihn selbst ins Staunen versetzte. Nur beim ersten Q3-Run schien Charles Leclerc seine Pole kurz in Gefahr zu bringen - am Ende nur eine unbedeutende Momentaufnahme.

Lando Norris: "Weiß selbst nicht, wie das passiert ist"

"Es war eine dieser Runden, in denen du nicht ganz weißt, was passiert ist", staunte Norris nach dem Qualifying über sich selbst. "Es hat sich ordentlich angefühlt, aber als ich die Linie überquert habe, und eine 15,5 gesehen habe, war ich positiv überrascht", erklärte er seine Reaktion auf die Rundenzeit.

Die Strecke in Mexiko-Stadt bietet nicht nur ein geringes Level an aerodynamischem Abtrieb, sondern auch wenig Grip auf der Asphaltoberfläche. Bedingungen, die dem Fahrstil von Lando Norris besonders liegen, weiß Teamchef Andrea Stella. "Heißer Asphalt, rutschende Reifen. Die Art, wie man da Rundenzeit generiert, ist eine, die für Lando ziemlich natürlich kommt."

Für Oscar Piastri ist das weniger der Fall. Der WM-Führende erlebte eine ausgewachsene Pleite und gab sich danach ratlos. Mehr dazu in diesem Artikel:

Formel 1 in Mexiko: Hier holte Lando Norris seine Zeit

In den Telemetriedaten springt vor allem ein Abschnitt besonders ins Auge: die S-Kurven im Mittelsektor. Vor allem zwischen Kurve 7 und 9 schüttelte Norris die Konkurrenz nach allen Regeln der Kunst ab. Die Ferraris, Verstappen und Piastri, hier kam keiner mit dem Polesetter mit. Vor allem gegenüber Hamilton und Leclerc ging die Lücke dann auch nochmal im Foro Sol auf.

Im mit engen und langsamen Kurven gespickten Fußballstadion konnte aber auch Piastri halbwegs mithalten – eine Seltenheit am Qualifying Tag – weshalb es sich vor allem dort mit den Qualitäten des McLarens erklären lässt. Echte Schwachstellen sucht man vergebens, denn auch in den Kurven 1 bis 3 holte Norris Zeit raus. Nur in 4 bis 6 waren die Ferraris etwas flotter und allgemein ist der McLaren von den Topspeed-Werten leicht hintendran.

"Ich pushte auf der Bremse an einigen Stellen ein bisschen mehr und ich nahm in Highspeed-Kurven ein bisschen mehr Risiko", versuchte Norris seine Runde zu erklären. Aber so ganz konnte er das nicht: "Je weniger ich weiß, desto besser sind meine Qualifying-Runden. Das war eine davon." Es war die fünfte Pole Position des Fahrers aus Bristol in dieser Formel-1-Saison. Basierend auf seinem persönlichen Gefühl verglich er sie vor allem mit seiner Pole in Monaco.

Dort war der erste Startplatz auch schon die halbe Garantie für den Sieg. Ganz so simpel ist es in Mexiko nicht, trotz der Überholschwierigkeit auf der Strecke. Dennoch gibt es im Formel-1-Paddock heute kaum jemanden, der gegen einen Sieg des Briten wetten würde. Red Bull hat den Rennsieg schon abgeschrieben und Norris zum 'unerreichbaren' Favoriten erklärt. Für ihn gibt es vor allem zwei Stolpersteine. Einerseits den Start mit dem extrem langen Weg in Kurve 1, andererseits die Reifen-Strategie, bei der in Mexiko die Prognosen zwischen einer 1-Stopp und einer 2-Stopp-Strategie schwanken.