In Mexiko wiederholte sich bei McLaren intern das gleiche Spiel wie vor einer Woche - nur in ungleich größerem Ausmaß. Haderte Oscar Piastri in Austin noch damit, auf unter drei Zehntel an Lando Norris heranzukommen, so verdoppelte sich diese permanente Lücke für Mexiko sogar. Das Team schwört dennoch auf ein Fahrstil-Problem.
Piastris 0,588 Sekunden Rückstand auf Norris, welche ihm den achten Platz im Qualifying einbrachten, sind völlig repräsentativ für die Schwere der Probleme, mit denen er sich bei der Formel 1 in Mexiko konfrontiert sieht: "Alles fühlt sich normal an, aber die Lücke war in dieser Session groß, und das ganze Wochenende." Seit Singapur war er in jeder Session, ob im Qualifying- oder Renn-Trimm, meilenweit von Norris weg.
"Mein Qualifying hielt ich für solide, das Auto fühlte sich auch vernünftig an, diese fehlende Zeit ist ein bisschen ein Mysterium", kommt bei Piastri da am Samstagabend zunehmend Frust durch. "Letztendlich bin ich einfach frustriert darüber, wie die Session lief. Es gibt viele Dinge, über die ich mir Sorgen machen könnte, aber so weit weg zu sein, wenn du scheinbar einen guten Job gemacht hast, ist meine größte Sorge."
Kein Fortschritt in Mexiko? Piastri irritiert, McLaren hält an Erklärung fest
"Ein paar der Dinge, die in Austin schwierig waren, die waren auch hier schwierig", räumt Piastri ein. Aber sechs Zehntel? Der Druck steigt: "Nach Austin waren ein paar Dinge klar. Aber selbst diese Dinge schienen etwas ungewöhnlich. Manche der Unterschiede. Und dieses Wochenende wieder. Ich habe nicht umgestellt, wie ich fahre. Nicht seit dem Saisonstart, und nicht seit ein paar Rennen. Schwierig, festzustellen, wo es hapert."
Dem Frust zum Trotz hält McLaren Piastri weiter den fahrerischen Spiegel vor. Seit dem Sprint-Unfall hat man Piastris Auto mehrmals vermessen, alle Daten permanent gecheckt, und es gibt nicht den Hauch einer Spur einer technischen Ungereimtheit. "Jeder Beweis, jeder Datenpunkt, jede indirekte Messung sagt uns, dass es kein Problem mit dem Auto gibt", so Teamchef Andrea Stella zu Motorsport-Magazin.com.
Stattdessen hält McLaren Piastri weiter den fahrerischen Spiegel vor. "Es muss besonders hier und in Austin auf eine bestimmte Art gefahren werden, mit dem heißen Asphalt und den rutschenden Reifen", zieht Stella erneut das Argument Fahrstil. Schon nach Austin hatte er unterstrichen, dass Piastri in seinem dritten Jahr Formel 1 sich in griparmen Bedingungen nicht zurechtfindet. Anders als Norris, der bei wenig Grip sogar zur Höchstform aufläuft.
"Oscar ist ein Fahrer für hohen Grip, da kann er sein unglaubliches Talent ausnutzen", so Stella. Tatsächlich ist McLaren nach internen Analysen auch der Ansicht, dass es wirklich vergleichbare Bedingungen 2025 noch kaum irgendwo gab. Es ist die Summe der Einzelteile. Rutschiger Asphalt, höhere Temperaturen, schmierige Reifen in recht weicher Ausführung, die aber dieses Jahr gewisse Aggression nach einem Pirelli-Umbau im Winter nicht mehr mit übermäßigem Graining bestrafen - die nötige Kombination ist selten.
McLaren warnt Piastri: Für das Rennen muss er zulegen
"Vielleicht war Kanada ähnlich", meint Stella. Dieses Rennen hatte Piastri als blasser Vierter beendet. Nur fuhr Norris dort im Qualifying in die Wand, und im Rennen Piastri bei einem missglückten Überholversuch ins Heck - das verschleierte womöglich das wirkliche Potenzial beider Fahrer. In Mexiko war Norris aber erst recht perfekt. Das vergrößerte die Lücke zu Piastri wiederum.
Wer in die Vergangenheit blickt, der mag da auch im Vorjahr unscheinbare Piastri-Leistungen in Austin und Mexiko sehen. "Nur weil er die WM anführt, dürfen wir nicht vergessen, dass es sein drittes Jahr in der Formel 1 ist", warnt Stella vor Überdramatisierung. "Mit Erfahrungen wie hier und in Austin kalibrierst du dich als Fahrer. In jeder Session lernt Oscar mehr darüber, was du tun musst, was du spüren musst, um bei solchen Bedingungen schnell zu sein."
"Dann kannst du in jeder einzelnen Kurve schnell zulegen, und Oscar wird morgen sicher schon profitieren", stärkt Stella seinem Fahrer den Rücken. Piastri stand am Samstag wohl noch ein langes Ingenieurs-Debriefing bevor. Wenngleich Stella das auch schon in Austin angekündigt hatte, und Piastri als schnellen Lerner gelobt hatte. Nur offensichtlich nicht schnell genug, um bis Mexiko auf Touren zu kommen. So steht noch ein Fragezeichen hinter dem Rennen in Mexiko, ehe der Spuk ab Brasilien dann wieder vorbei sein sollte.
Stella sieht es als notwendig an, dass der dank einer Strafe bei Carlos Sainz von P7 losfahrende Piastri jedenfalls Fahrstil-Fortschritte zeigen muss, um selbst mit guter Strategie im Rennen vorwärts zu kommen. Piastri selbst ist vorsichtig: "Wenn ich die Pace im Auto freisetzen kann, dann können wir Spaß haben. Es geht nur ums Freisetzen." Immerhin - es hätte in Sachen WM schlimmer kommen können. Nur ein Zehntel fehlte Piastri auf den ebenso frustrierten Fünften Max Verstappen. Das ganze Rennen gibt es hier live:



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