Das Formel-1-Qualifying in Las Vegas wurde durch unerwarteten Regen zu einem wahrhaften Spektakel der Königsklasse. Die herausfordernden Bedingungen waren selbst für Max Verstappen zuweilen unzumutbar. Doch sowohl der Weltmeister als auch die anderen 19 Formel-1-Fahrer meisterten das Wetter in den USA ohne Fehl und Tadel. Die Session verlief letztendlich ohne Unterbrechungen. Lediglich Alexander Albon hatte einen kleineren Unfall.
"Es ist hier sowieso schon rutschig, aber im Nassen - das hat keinen Spaß gemacht, so viel kann ich euch sagen. Ich liebe es, im Nassen zu fahren, aber das war wie Eis. Für mich ist das etwas zu viel. Ich war überrascht, dass es nicht allzu viele Zwischenfälle gab. Entweder haben sich alle benommen oder alle hatten zu viel Angst", so Max Verstappen, der im Qualifying den zweiten Platz belegte.
Formel-1-Altmeister Fernando Alonso war nach Platz sieben fast ein bisschen enttäuscht, dass sich ihm durch den Regen nicht noch mehr Chancen eröffneten. "Und ich dachte noch, es wird ein langer Abend voller roter Flaggen und Zwischenfälle und all dem, aber nichts ist passiert", so der 44-Jährige, der an der Herausforderung offenbar mehr Spaß als Verstappen hatte: "Die Streckenbedingungen und die Reifen haben besser als erwartet funktioniert. Wir hatten eine spaßige Session, es war schön zu fahren und ich habe es genossen!"
Regen erwischt Formel-1-Fahrer in Las Vegas völlig unvorbereitet
Nachdem die Meteorologen ursprünglich nur für die Trainings am Donnerstag eine Regenwahrscheinlichkeit prognostiziert hatten, wurden die F1-Piloten am Freitag völlig überrascht. "Ich hab vor dem Qualifying ein kleines Nickerchen gemacht. Ich hatte erwartet, dass es trocken sein würde. Als ich sah, dass es regnete, dachte ich mir: oh, Scheiße, das geht nicht gut", sagte Lando Norris, der sich die Pole Position sicherte.
Pünktlich zum Qualifying hatte es so stark zu regnen begonnen, dass die Fahrer für das Q1 und das Q2 ausnahmslos mit dem sonst so ungeliebten Pirelli-Regenreifen auf Zeitenjagd gingen. "Ich habe gleich gesagt: ich fahre hier nur auf Regenreifen raus. Ansonsten keine Chance. Carlos [Sainz] fuhr vor mir auf Intermediates und attackierte gleich. Ich war verblüfft, dass er nicht das Auto verloren hat", so Nico Hülkenberg. Erst im Q3 kam der Intermediate zum Einsatz.
Las Vegas bei Regen für Formel-1-Fahrer die maximale Herausforderung
Der Schwierigkeitsgrad war auf dem 6,201 Kilometer langen Las Vegas Strip Circuit durch eine Kombination verschiedener Faktoren ungleich höher als auf anderen Stadtkursen bei nassen Bedingungen. Das Griplevel ist auf dem staubigen Kurs im Wüstenstaat Nevada selbst bei Trockenheit sehr niedrig. Dazu klettert das Thermometer während der bei Dunkelheit abgehaltenen Sessions der Formel 1 nur gerade so über 10 Grad Celsius.
Bei Nässe war das Grip-Niveau extrem gering und bei diesen Temperaturen war es für die Fahrer noch schwieriger, Regenreifen oder Intermediates ins Arbeitsfenster zu bringen. "Das war ziemlich übel, es waren so mit die schlimmsten Bedingungen. Nicht die schlimmsten, denn wir hatten es auch schon nasser, aber es fühlte sich wie auf Slicks an. Es war so rutschig, du hattest Schlupf, stehende Räder, dazu die ganzen weißen und gelben Fahrbahnmarkierungen", so Norris. "Manche Abschnitte haben sich okay angefühlt, andere waren schockierend."
Dazu gab es in der zu Anfang des Qualifyings extremen Gischt massive Sichtprobleme. Laut Max Verstappen konnten die Fahrer erst ab einem enormen Gap zum Vordermann klar sehen. "Die Sicht war sehr hart, vor allem mit diesen Autos mit Ground-Effect. Da wird viel vom Boden aufgesaugt, wenn es regnet ist es viel Wasser und Gischt. Deshalb willst du immer mindestens acht Sekunden, ich weiß, das ist viel, aber ansonsten siehst du nicht, was vor dir passiert", so der Niederländer. Norris monierte dazu die Dunkelheit: "Es gibt hier nicht ausreichend Beleuchtung."
Pierre Gasly von Formel-1-Fahrern schwer beeindruckt
Die weiten Auslaufzonen ermöglichten es den Piloten, das Limit ohne Unfälle auszuloten. Verbremser blieben ohne größere Folgen, einzig Alex Albon fand in den Schlusssekunden des Q1 die Mauer. Der Williams-Fahrer hatte in Kurve 16 einen Gegenpendler und schlug an, wobei er sich die rechte Vorderradaufhängung zerstörte. Da es für ihn bis zum Boxeneingang nicht mehr weit war, rettete er sich aus eigener Kraft zurück zu seiner Crew.
"Vielleicht könnte man in Frage stellen, ob wir hätten fahren sollen. Ich denke, wir hätten eine rote Flagge haben und später nochmal fahren können, dann hätte es weniger Aquaplaning gegeben. Ich denke, sie konnten sehen, dass die Autos Aquaplaning hatten und hätten vielleicht etwas früher eingreifen können", so der Thailänder. "Wir hatten teilweise noch im vierten, fünften Gang Wheelspin. Das kommt nicht oft vor", bestätigte Hülkenberg das massive Aquaplaning.
Dass das Qualifying schlussendlich reibungslos über die Bühne ging, sah Pierre Gasly als Beleg für die hohe Qualität unter den aktuellen Formel-1-Fahrern. "Ich denke, das zeigt nur das Niveau, dass wir hier momentan auf dem Grid haben", so der Alpine-Fahrer. "Es ist für mich beeindruckend, dass niemand einen Unfall hatte. Es war für mich wahrscheinlich eine der schwierigsten Sessions, die ich jemals in der Formel 1 hatte. Du weißt normalerweise, dass irgendwann eine rote Flagge kommt, aber jeder ist mit sehr viel Grips gefahren."


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