Während in der Formel 1 nach wie vor Skepsis gegenüber dem neuen Reglement überwiegt, richten sich zunehmend mehr Blicke auf den Nürburgring. Dort war Max Verstappen nicht nur in der abgelaufenen F1-Pause wieder einmal am Start, sondern wird auch in etwas mehr als zwei Wochen beim 24-Stunden-Rennen ins Lenkrad seines GT3-Mercedes greifen.

Mit Spannung erwarten deshalb auch seine Formel-1-Fahrerkollegen den Auftritt des vierfachen Weltmeisters auf einer der wohl berühmtesten Rennstrecken der Welt. Auch sein Rivale George Russell. Der Mercedes-Fahrer machte schon seit Monaten keinen Hehl daraus, dass er ebenfalls gerne an der Stelle des Niederländers wäre, der sich in der privilegierten Position befindet, dass er von Red Bull freies Geleit für Nürburgring-Auftritte bekommt. Russell griff sogar zum Wort "neidisch".

Vor dem Grand-Prix-Wochenende in Miami betonte Russell nochmal, dass er langfristig auf einen 24h-Start schielt: "Die Nordschleife ist etwas, das ich ohne Zweifel eines Tages gerne machen würde. Ich habe sie schon zuvor gefahren, ich fuhr hunderte Runden im Simulator rund um die Nordschleife."

Im Gegensatz zu Verstappen liegt dieser Tag aber noch in ferner Zukunft, denn im Moment will sich Russell voll und ganz auf die Formel-1-WM fokussieren. In dieser gilt der Mercedes-Star nach wie vor als Topfavorit, auch wenn er im Moment hinter Teamkollege Kimi Antonelli auf der zweiten Position liegt.

Formel-1-Rekord auf der Nordschleife? Russell: Habe mit Toto darüber geredet

"Hoffentlich kann ich, wenn ich vier WM-Titel eingefahren habe, auf der Nordschleife Rennen fahren", spricht der Brite. Aber Russells Visionen gehen sogar noch weiter. Er möchte nicht nur mit Sportwagen auf der längsten bedeutenden Rennstrecke der Welt fahren, sondern sogar mit einem Formel-1-Auto. Nicht in einem Rennen, sondern für einen Rundenrekord.

"Ich habe einmal versucht, mit Toto darüber zu reden, ein F1-Auto dort auf die Strecke zu bringen und den Allzeit-Rekord zu brechen", berichtet Russell. Wie weit diese Gespräche gingen, erklärt er nicht. Im Moment stehen mit der Formel 1 ohnehin andere Dinge im Fokus. Es lässt sich aber bezweifeln, ob Wolff das für eine gute Idee halten würde.

Toto Wolff - übrigens selbst Klassensieger beim Nürburgring 24h - ist Experte, was Rekordzeiten auf der Nürburgring-Nordschleife angeht. Er ging in seiner aktiven Rennfahrer-Karriere auf dem über 20 Kilometer langen Kurs auf Zeitenjagd und setzte 2009 in einem Porsche RSR eine Rekordrunde für Saugmotoren. Der Österreicher kennt aber auch die Gefahren solcher Versuche, denn kurze Zeit später erlitt er dort einen brutalen Unfall, bei dem er sich schwer verletzte.

Nürburgring-Nordschleife: Porsche-Rekord sorgte bereits für Sicherheitsrisiko

Mit einem F1-Auto am oder knapp unter dem Limit auf der Nordschleife zu fahren, wäre eine erst recht waghalsige Aktion. Der aktuelle Rekord liegt bei 5:19,546 und wurde von Timo Bernhard in einem Porsche 919 Evo aufgestellt, einem adaptierten Modell des ehemaligen LMP1-Prototypen. Schon damals galt der Versuch als hochriskant, da der Kurs keineswegs für Wagen mit dieser Leistungsstärke und vor allem mit diesen Kurvengeschwindigkeiten ausgelegt ist. Bei einem Formel-1-Auto gilt dies erst recht.

Im Rahmen von Showruns wagten sich auch in der modernen Zeit noch Wagen aus der Königsklasse auf den einstigen GP-Kurs, der schon 1976 aufgrund von Sicherheitsbedenken infolge des schweren Unfalls von Niki Lauda aus dem Kalender flog. Zuletzt bei einem Event von Red Bull 2023, wo unter anderem Sebastian Vettel am Steuer saß. Selbstverständlich ging man bei diesen Showruns aber nie auch nur ansatzweise ans Limit.

Schon in diesem Jahr auf der Nordschleife befand sich Lando Norris. Der McLaren-Fahrer nutzte Reifen-Testfahrten auf der Grand-Prix-Strecke des Nürburgrings im April für eine Ausfahrt bei den Touristenfahrten rund um den 20-Kilometer-Kurs. "Es war meine erste Gelegenheit jemals, auf die Nordschleife zu gehen und zu fahren", stellte Norris fest, der auch schon in diversen Simulationen unzählige virtuelle Runden auf der Strecke gedreht hat.

Für Norris steht außer Frage, dass er seinen langjährigen Simracing-Kumpel Max Verstappen beim Nürburgring 24h vom 16. bis zum 17. Mai die Daumen drücken wird. "Ich werde so viel wie möglich schauen und Max unterstützen, denn ich respektiere ihn sehr", sagte der Brite. Sportwagen-Rennen zu schauen, ist nichts Neues für ihn. "Ich habe alle GT-Rennen von Max geschaut und einige meiner Freunde sind im GT-Rennsport aktiv, deshalb verfolge ich das seit einigen Jahren", so Norris.