So viele Vorschusslorbeeren, wie Kimi Antonelli zu Saisonbeginn erhielt, so viel Kritik muss der Mercedes-Rookie nach der ersten Formel 1-Saisonhälfte einstecken. Seit dem Beginn der Europa-Saison erlebt er eine Punkteflaute. Abgesehen von einem Podium in Kanada ging Antonelli vollkommen leer aus. Für zwei Nuller ist er selbst verantwortlich, die anderen kamen aufgrund von Defekten oder im Falle von Silverstone aufgrund einer unglücklichen Kollision zustande.

Hinzu kommt ein besorgniserregender Trend im Qualifying: Denn anstatt näher an seinen Teamkollegen George Russell heranzukommen, vergrößerte sich zuletzt der Abstand sogar. In Spa-Francorchamps schied Antonelli bereits in Q1 aus. "Auf die ersten sechs Saisonrennen kann ich positiv zurückblicken. Ich habe mich gut entwickelt und mich im Auto wohlgefühlt. In Miami habe ich meine erste Pole Position geholt und auch wenn ich nicht das beste Rennen gefahren bin, so bin ich trotzdem mit viel Selbstvertrauen aus dem Miami-Wochenende gegangen. Aber seit Imola bewege ich mich rückwärts", meinte Antonelli.

Antonellis Fahrstil & W16 - eine schlechte Kombi

Eine Erklärung für sein Dilemma lieferte Mercedes-Ingenieur Andrew Shovlin. "Was man in den letzten Qualifyings gesehen hat, ist, dass George aufgrund seiner Erfahrung in der Lage ist, das Beste aus einem schwierigen Auto herauszuholen. Kimi hat diese Erfahrung nicht. Das ist einer der Gründe, warum sich seine Ergebnisse in letzter Zeit verändert haben", erklärte Shovlin. Auf den Punkt gebracht: der W16 und Antonellis aggressiver Fahrstil passen nicht zusammen. Antonelli geht sogar so weit zu behaupten, dass sein Fahrstil den W16 noch unberechenbarer macht.

"Es ist wirklich schwer ans Limit zu gehen, weil ich nie weiß, ob das Auto auf der Strecke bleibt oder nicht. Sich auf diesem schmalen Grat zu bewegen und kein Vertrauen in das Auto zu haben, macht einen immensen Unterschied – vor allem auf Hochgeschwindigkeitsstrecken”, stellte der Italiener klar. Alle Versuche sich mit einem anderen Fahrstil mehr auf den W16 einzustellen, schlugen fehl. "Ich habe versucht mich anzupassen, aber es ist mir nicht gelungen. Ich fahre nicht mehr natürlich, sondern gezwungen. Das macht es sehr schwer", verriet der Mercedes-Pilot.

Mercedes am Ende? Christian Danner: Ich kapiere es nicht mehr! (37:45 Min.)

Letzte Hoffnung? Alte Aufhängung!

Mit dem Ungarn GP steht dieses Wochenende das letzte Rennen vor der Sommerpause an – und in diese will er auf jeden Fall mit einem guten Resultat gehen. Die Hoffnung des 18-Jährigen ruht jetzt auf dem Vorgänger-Modell der Mercedes-Hinterachse. Das Thema lässt Mercedes 2025 scheinbar nicht los. In Imola fuhr der Rennstall erstmals mit einer neuen Hinterachsen-Geometrie, nur um in Monaco und Barcelona wieder mit der Vorgänger-Version zu fahren. In Kanada setzte Mercedes wieder auf die Imola-Konfiguration – und in Ungarn folgt erneut die Kehrtwende.

"Ich hoffe, dass ich mit der alten Aufhängung das Gefühl zurückgewinne, das ich vor Beginn der Europa-Saison hatte. Seit wir die Aufhängung gewechselt haben, habe ich – mit Ausnahme von Kanada – Probleme damit, das Auto zu fahren und Vertrauen aufzubauen. Das hat mir in der Europa-Saison echt geschadet", sagte Antonelli. Trost spendete ihm zuletzt Rekordweltmeister Lewis Hamilton. "Er hat mir gesagt, dass ich den Kopf nicht hängen lassen soll und dass ich einfach weiter an mich glauben soll. Das war wirklich toll für mich."

Nicht nur von Hamilton bekommt Antonelli Rückendeckung. Vor dem Ungarn GP stellen sich auch andere F1-Fahrer hinter ihn. Mehr dazu hier: