Am Donnerstag vor dem Formel-1-Wochenende in Ungarn gab Ferrari den neuen Vertrag von Fred Vasseur bekannt. Der Franzose bekam eine mehrjährige Verlängerung ausgehändigt. Das freut auch die Scuderia-Fahrer, die sich wenige Stunden später zu Wort meldeten. "Es kommt nicht als Überraschung, aber ich bin sehr glücklich damit", sagte etwa Charles Leclerc.
Doch so selbstverständlich wie es scheint, war die Verlängerung nicht. Denn in den letzten Monaten nahmen Gerüchte vor allem aus der italienischen Presse Fahrt auf, die einen Abschied von Vasseur in den Raum stellten. Im Mai war sogar berichtet worden, dass Ferrari den Versuch unternommen habe, Christian Horner abzuwerben.
Fred Vasseur: Charles Leclerc lobt vor allem eine Eigenschaft am Ferrari-Teamchef
"In den letzten Monaten gab es einige Gerüchte, wie es in diesem Team immer der Fall ist. Dass also endlich die offizielle Bekanntgabe draußen ist, ist wichtig und ich bin sehr glücklich", führte Leclerc aus. "Fred hat eine unglaubliche Vision", ist der Monegasse überzeugt. Er geht davon aus, dass genau das bei der emotionsgeladenen Marke aus der Emilia-Romagna eine bedeutende Eigenschaft ist. "Fred weiß, wie man seine Emotionen beiseitelässt und er hat eine klare Vorstellung davon, wo wir stehen, egal wie viel es rund um das Team rumort."
Diese Art, das Team zu führen, sei ein wichtiger Baustein für Ferrari, ist Leclerc überzeugt: "In schwierigeren Zeiten hat Fred immer sehr kühles Blut bewiesen und dem Team geholfen, klarer zu denken. Das ist wahrscheinlich das Größte, was Fred ins Team gebracht hat."
Berg- und Talfahrt in Maranello: Kann Fred Vasseur das Ruder herumreißen?
Vasseur stieß 2023 als Formel-1-Teamchef zu Ferrari, nachdem sein Vorgänger Mattia Binotto entlassen worden war. Binotto war unter anderem der Umgang mit den Fahrern negativ angekreidet worden. In dessen letzter Saison soll es nach umstrittenen Team-Entscheidungen Reibereien zwischen Leclerc und ihm gegeben haben.
Seit Vasseur übernommen hat, gab es davon keine Meldungen. Dafür unternahm Ferrari eine Berg-und-Talfahrt. 2023 trug man sich als einziges Team neben Red Bull in die Siegerlisten ein, 2024 verpasste die Mannschaft angesichts der Red-Bull-Schwäche mit fünf Siegen erst im letzten Rennen die Konstrukteurs-WM gegen McLaren. Doch in diesem Jahr gab es bislang abgesehen von Lewis Hamiltons Sprint-Erfolg in China noch keine Siege zu bejubeln. Dabei waren die Italiener gegen Ende der vorherigen Saison das erfolgreichste Team gewesen und hatten damit viele Hoffnungen geschürt.
Dass es zu Beginn von 2025 so danebenging, hatte die Gerüchte um ein potenzielles Aus von Vasseur erst recht angeheizt. "Ich denke Stabilität ist immer sehr wichtig. Fred für viele weitere Jahre zu haben ist definitiv eine gute Sache", ist Leclerc dennoch felsenfest von seinem Teamchef überzeugt. "Denn in der Formel 1 braucht es Zeit, um etwas zu errichten - vor allem ein erfolgreiches Team." Neben seiner Klarheit hob Leclerc auch die humorvolle Seite von Vasseur als positive Eigenschaft hervor: "Das kann einige schwierige Situationen entschärfen."
Lewis Hamilton hält sich kurz: Ihr kennt meine Meinung über Fred
Der ehemalige Sauber-Teamchef zeichnet sich auch dafür verantwortlich, Lewis Hamilton nach Maranello gelockt zu haben. Der Rekordweltmeister hatte schon bei seinem Wechsel mehrmals positive Äußerungen zu Vasseur abgegeben. Auch rund um die jüngsten Gerüchte im Juni hatte er Vasseur verteidigt und die Meldungen als Unsinn abgestempelt. Vor dem Formel-1-Wochenende in Budapest hielt er sich deshalb kurz.
Hamilton sagte: "Ihr habt alle meine positiven Kommentare über Fred gehört. Dem ist nichts hinzuzufügen. Es war die richtige Entscheidung. Ich habe bei Fred unterschrieben, er hat mich hierher geholt. Ich wollte schon immer mit ihm zusammenarbeiten." Der ehemalige Mercedes-Fahrer verglich Vasseur mit Toto Wolff. Die beiden Teamleiter, die gut miteinander auskommen, seien zwar in ihrer Arbeitsweise grundverschieden, aber "vom Charakter her sind beide massive Racer. Das haben sie gemeinsam", so der Brite.
Lewis Hamilton nahm letzte Woche die Mission, Ferrari wieder nach vorne zu führen, in die eigene Hand und überreichte dem Team eine Reihe von Dokumenten zur strukturellen Verbesserung des Teams. Christian Danner zweifelt daran, dass das Früchte tragen wird. Mehr dazu hier:



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