Mit einem zweiten Platz geht George Russell nach dem Trainings-Freitag der Formel 1 in Barcelona ins Bett. Das ist ein deutlicher Fortschritt nach einigen durchzogenen letzten Mercedes-Wochenenden. Ein größerer technischer Reset scheint Russell und Kimi Antonelli in Spanien wieder in die Spur zu helfen, doch der zweite Platz überstrahlt auch einige bestehende Probleme.
Technisch hat Mercedes am Freitag einiges ausgetestet. Zuerst hat man zurück auf eine ältere Konfiguration der Hinterachse gerüstet. Eine geupdatete Version, die in Imola ans Auto gebaut worden war, schien die Berechenbarkeit des W16 zu unterminieren. Nachdem man sie in Monaco wieder abgebaut hatte, entschied man auch in Barcelona wieder für das Vorgänger-Modell.
Dem gegenüber steht ein neuer Unterboden. Das Flügel-Element an der Seitenkante wurde angepasst, um mehr Abtrieb zu generieren, und auch die Elemente am vorderen Ende des Unterbodens sind neu, um den Luftfluss und die Luftwirbel nach hinten besser zu kontrollieren.
George Russell lässt mit starkem FP2-Ergebnis in Barcelona aufhorchen
Für Russell schien das Paket am Freitag in Spanien gut zu funktionieren. "In den Quali-Runs sah es recht brauchbar aus", urteilt er danach. "Gut, dass wir nach ein paar harten Rennen wieder an dem Punkt sind, wo wir nach ein paar harten Rennen waren." Zu Saisonbeginn war der Mercedes schließlich gut genug für den Podiumskampf gewesen und hatte es vor allem Russell immer wieder ermöglicht, mit Max Verstappen und den beiden McLaren-Piloten um die erste Startreihe zu kämpfen.
Nach einem starken Russell-Qualifying sieht es jetzt auch in Barcelona wieder aus. Russells größter Zeitverlust im 2. Training kam auf den Geraden, sowie durch die lange Rechtskurve am Ende des ersten Sektors. In den meisten Kurven war er aber sogar schneller als der schnellste Mann von FP2, Oscar Piastri. Im kurvigen Mittelteil von den Kurven 4 bis 9 gewann er auf den McLaren acht Hundertstel, durch die letzten zwei Rechtskurven ein Zehntel.
Generell waren die Mercedes in den Geschwindigkeits-Messungen dafür nirgends. Über 5 km/h langsamer als McLaren, über 10 km/h fehlten auf Max Verstappen. Verlust auf der Geraden? Bedeutet das also einen bewusst heruntergedrehten Motor? Die im Gegenzug durchwegs starken Kurvengeschwindigkeiten von Russell könnten da aber einfach auch nur auf deutlich mehr Abtrieb hindeuten.
Longrun-Probleme in Barcelona lässt Mercedes-Sorgen wieder wachsen
Mehr Abtrieb sollte eigentlich aber auch im Renn-Trimm dem Reifenverschleiß helfen. Das war jedoch bei sehr warmem Nachmittagswetter die Problemzone des Mercedes. "Sieht nicht superb aus", lautet Russells Urteil. Er hatte seinen Longrun bewusst konservativer angelegt und war trotzdem in eine mehrere Runden lange Problemphase gekommen. Sein Soft-Longrun war im Schnitt neun Zehntel langsamer als der von Max Verstappen und sechs als der von Lando Norris.
Ärgerlich, weil Mercedes explizit die Rennpace zum Fokus erklärt hatte. Genauso besorgniserregend ist der Erfahrungsbericht von Teamkollege Kimi Antonelli: "Ich hatte auf jeden Fall etwas Bouncing, besonders in den schnellen Kurven war es stärker als üblich. Wir müssen uns anschauen, ob mit dem Unterboden etwas passiert ist, das war schon auf die einzelne Runde da."
Plötzlich in schnellen Kurven hüpfende Autos mit neuen Unterboden-Updates kennt Mercedes nur zu gut. Der Unterboden-Fehlschlag von Spa 2024 ist nicht einmal ein Jahr her. Doch die Barcelona-Probleme bei Antonelli könnten sowieso extern ausgelöst worden sein. Auf seiner Qualifying-Simulation hatte er in Kurve 9 ein hartes Aufsitzen auf dem Kerb gemeldet.
Generell lag Antonelli am Freitag hinter Russell zurück, allerdings fuhren die beiden zu Testzwecken auch stark unterschiedliche Setups: "In FP2 lief es viel besser, ich hatte viel mehr Vertrauen und kam in den Rhythmus." Nach einem schwierigen FP1 fehlte ihm in FP2 aber immer noch auf P6 liegend eine Viertelsekunde auf Russell.
"Wir müssen uns jetzt die Daten anschauen, wo wir relativ zu unseren Gegnern abgefallen sind, denn die Longrun-Pace ist definitiv ein kleiner Grund zur Sorge", lautet Russells Fazit. Die Hoffnung hier liegt darauf, dass man aus den unterschiedlichen Setups bis zum Samstag Antworten ziehen kann. Da schien die Red-Bull-Stimmung am Freitag besser. Mehr zu Max Verstappen und Co. gibt es hier:



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