Mit Spannung hat die Formel 1 am Freitag den ersten Auftritt aller Autos und vor allem die offizielle Liste aller Updates erwartet. Ab Barcelona greifen nämlich schärfere Belastungs-Tests für die Frontflügel, um Flexi-Wing-Tricks auszuhebeln. Alle Teams sollen nachbessern müssen, heißt es - aber nur sieben haben auch in Barcelona wirklich neue Flügel dabei.

Grundsätzlich gilt: Ab Spanien werden die Limits bei den Biegsamkeits-Tests für Frontflügel herabgesetzt. Das zwingt die Teams dazu, die Flügel zu versteifen. Die Konsequenz ist im Allgemeinen nicht unbedingt weniger Abtrieb, sondern primär eine schlechtere Aero-Balance durch verschiedene Kurventypen, weil der Flügel nun bei jedem Tempo gleich steil bleibt. Die Balance über die ganze Runde hinweg berechenbarer zu machen war das Hauptziel der Flexi-Entwicklungen gewesen. Alle Antworten zu den Hintergründen haben wir in diesem Artikel zusammengefasst:

McLaren meldet in Barcelona keinen neuen F1-Flügel - hat aber einen

Seit über einem Jahr gilt McLaren im Bereich biegsames Karbon als Klassenprimus. Da scheint es auf den ersten Blick zu überraschen, dass ausgerechnet am MCL39 in Barcelona laut der offiziellen Liste, die jedes Team bei der Pressestelle der FIA einreichen muss, kein einziges neues Teil verbaut ist.

Auch bei Mercedes und Alpine steht in der Liste kein Frontflügel - aber bei denen lässt es sich leicht erklären. Diese beiden brachten vor zwei Rennen in Imola neue Flügel, die bereits die Barcelona-Tests erfüllen. Mit der Absicht, die schon vorab zu testen. Mercedes hielt damals fest, dass der Flügel sowieso insgesamt eine Performance-Verbesserung sei. McLaren hat aber in neun Rennen noch kein einziges Frontflügel-Update gemeldet.

Tatsächlich aber gab es schon ein Update. Oscar Piastri verriet so viel am Donnerstagabend: "Lando ist diesen Flügel schon einmal gefahren. Wir sind zuversichtlich, dass es nicht unsere magische Kugel ist - wir haben keine magische Kugel." Dass dieses Update nicht in der Liste auftaucht, hat einen simplen Grund: Man muss Updates, die nur strukturell verändert werden, nicht offiziell melden. Und genau das ist der McLaren-Flügel. Er hat eine andere, steifere Karbon-Struktur, ist sonst aber praktisch identisch.

Mercedes baut neue Hinterachse von Imola wieder ab

Noch ein Team, das so ein Versteckspiel spielt, ist Mercedes, aber nicht mit dem Flügel. In Imola hatte man neben einem neuen Frontflügel nämlich auch eine neue Hinterachse ans Auto gebaut. Nach zwei Rennen wird die allerdings für weitere Untersuchungen eingemottet. Man ist sich nicht sicher, ob sie den gewünschten Effekt bringt.

Dafür hat Mercedes in Barcelona einen neuen Unterboden dabei. Sowohl die Seitenkante als auch die Leitelemente am Einlass sind neu. An der Seitenkante wurden zusätzliche Elemente ergänzt, was den Massefluss unter dem vorderen Unterboden erhöhen soll. Die Leitelemente vorne sollen den örtlichen Druck und die Position der Luftwirbel verbessern. Weiters hat Mercedes einen neuen Heckflügel, der für alle Barcelona-ähnlichen Strecken effizienter Abtrieb generieren soll.

Technik-Details: Mercedes
Die Seitenkante des Mercedes-Unterbodens, Foto: Motorsport-Magazin.com
Technik-Details: Mercedes
Die vorderen Unterboden-Elemente am Mercedes, Foto: Motorsport-Magazin.com

Viele F1-Teams in Barcelona nur mit neuem Frontflügel

Eine recht große Anzahl der Teams meldet für Barcelona nur explizit einen neuen Frontflügel. Haas und Aston Martin räumen explizit ein, dass ihre Änderungen nur den verschärften Tests geschuldet sind. Der Aston-Flügel ist aber auch sonst ein Fortschritt, versichert das Team und verweist auf adaptierte Spitzen der Elemente, die in diesem Bereich mehr Last generieren sollen.

Die alten und die neuen Frontflügel von Haas und von Aston Martin
Die Frontflügel von Haas und Aston Martin - oben neu, unten alt, Foto: Motorsport-Magazin.com
Die neuen und die alten Frontflügel von Ferrari und Red Bull im Vergleich
Die Frontflügel von Ferrari und Red Bull - oben neu, unten alt, Foto: Motorsport-Magazin.com

Auch Red Bull und Ferrari haben neue Flügel dabei. Obwohl diese beiden Teams nie so gut mit Flexi-Tricks dabei waren wie Mercedes und McLaren, haben sie es in den letzten Monaten durchaus versucht. Beide nutzen aber die Gelegenheit, um auch sonst das Design zu verbessern und mehr Abtrieb zu finden. Ferrari modifiziert hier die Endplatte und die Einschnitte am unteren Ende. Ferrari updatet außerdem den High-Downforce-Heckflügel, den man in Imola einführte, mit ein paar Details am äußeren Ende.

Größere Barcelona-Updates bei Sauber und Alpine

Bei Alpine kam der Flügel wie angesprochen schon früher. In Barcelona hat das Team dafür einen neuen Unterboden dabei. Die vorderen Elemente wurden optimiert, und der Hauptkörper wurde an die neuen Luftfluss-Strukturen angepasst. Vorerst fährt einmal Pierre Gasly mit den Teilen.

Der neue und der alte Unterboden von Alpine
Der Unterboden von Alpine - oben neu, unten alt, Foto: Motorsport-Magazin.com

Auch Sauber hat einen neuen Unterboden. Generalüberholt sogar, neue Einlass-Elemente, Seitenkante, Hauptkörper und Diffusor. Mehr Abtrieb soll effizienter generiert werden, unterstützt durch eine neue Verkleidung von Seitenkasten und Motor. Diese Teile bekommt erst einmal nur Nico Hülkenberg. Wenn alle Daten stimmig sind, wird es am Samstag auch bei Gabriel Bortoleto montiert. Beide haben noch einen neuen Frontflügel, bei dem auch der Übergang vom Hauptelement zur Endplatte für bessere Effizienz und besseren Luftfluss nach hinten verändert wurde.

Der neue Frontflügel und neue Unterboden von Sauber im Vergleich mit dem alten
Frontflügel und Unterboden von Sauber - oben neu, unten alt, Foto: Motorsport-Magazin.com

Bleiben noch zwei Teams. Die Racing Bulls haben den Frontflügel mitsamt der Nase gleich ganz überarbeitet. Vorne wurde die Nase erhöht, die Spitze aber abgesenkt, das soll den erzeugten Abtrieb im Mittelbereich verbessern. Die Endplatte wurde an der Spitze modifiziert, um die Verluste im Luftstrom zu minimieren.

Die Frontflügel von Williams und Racing Bulls im Vergleich
Frontflügel von Williams und den Racing Bulls - oben neu, unten alt, Foto: Motorsport-Magazin.com

Williams nutzt ebenfalls die Gelegenheit, um den Frontflügel gleich ganz zu überarbeiten. Neuer Winkel des vertikalen Bereichs der Frontflügel-Endplatte, neues Profil des hintersten Flaps. Weiters wurde die hintere Bremskühlung am Ausfluss-Bereich angepasst, und es gibt neue optionale Kühlschlitze in der Motorabdeckung. Das ist aber nur den erwartet höheren Kühlanforderungen geschuldet.