Ein etwas zynischer Max Verstappen hatte im Vorlauf zum Formel-1-Wochenende von Barcelona noch seine WM-Ambitionen gänzlich kaltgestellt. Doch der Freitag zum Spanien-GP scheint nach dem Ausreißer von Monaco jetzt den übergreifenden positiven Trend mit einem guten dritten Platz, guten Longruns und vor allem guter Balance deutlich zu untermauern.
Dass Monaco nichts werden würde, das war Verstappen und Red Bull von vornherein klar gewesen. Der Stadtkurs hat alles, was der RB21 nicht mag. Aber auf konventionellen Rennstrecken kann das Auto funktionieren. Das Problem der letzten 12 Monate war nur: Mit einem viel zu engen Setup-Fenster verzweifelte das Team oft am Freitag an der Abstimmung.
So geriet Verstappen regelmäßig ins Hintertreffen, weil er erst am Samstag vor dem Qualifying bei einem brauchbaren Setup ankam. Und selbst dieses Setup hatte oftmals Nachteile. So sieht es in Spanien diesmal aber nicht aus. Nicht einmal der Verlust der flexiblen Frontflügel, welche eigentlich der Auto-Balance halfen, hat dem Red Bull geschadet.
Wir haben eine Balance! Red Bulls Zuversicht wächst nach Spanien-Trainings
"Nein, im Gegenteil, wir haben jetzt eine Balance!", freut sich Motorsport-Berater Dr. Helmut Marko zu Motorsport-Magazin.com. Mit dem Frontflügel hat das nichts zu tun. Viel wichtiger ist, dass Red Bull in den letzten Rennen sukzessive aufgerüstet hat. Frontflügel in Bahrain, Unterboden in Miami, Seitenkasten und Verkleidung der Hinterradaufhängung in Imola.
"Hier greift das jetzt alles", meint Marko. In Imola hatte man am Freitag noch damit zu kämpfen gehabt, das alles auf einen Nenner zu bringen. Doch am Ende des Wochenendes hatte das Team schon geglaubt, beim Basis-Setup ein paar für alle Strecken geltende Antworten gefunden zu haben. Damit war die Hoffnung gestiegen, die verworrenen Freitage der letzten Monate endlich loszuwerden.
Diesen Eindruck scheint Spanien zu bestätigen. Mit einer soliden Runde und einer soliden Balance schob sich Verstappen im 2. Training auf den dritten Rang hinter Oscar Piastri und George Russell. Auf Piastri fehlten ihm 0,310 Sekunden. Mit dem zweiten McLaren von Lando Norris war er zeitgleich.
Verstappen verlor seine Zeit primär in der ersten Schikane, in der langen Linkskurve nach der Gegengeraden und im vorletzten Rechtsknick. Positiv hier: Es ist kein klares Muster von Angstkurven zu erkennen. "Ich bin etwas glücklicher mit dem Auto, auch wenn es noch nicht ganz dort ist, wo wir es haben wollen", bleibt Verstappen selbst vorsichtig, bestätigt aber: "Das wird langsam mit dem Setup. Ich hatte schon Freitage, an denen die Dinge überhaupt nicht funktioniert haben. Ich würde sagen, das war hier doch positiver."
Verstappen mit Fortschritt, Tsunoda in Barcelona mit Rückschritt?
Positiv lief auch Verstappens Longrun. Da war er schneller als Piastri und nicht weit weg von dem hier tonangebenden Norris. "Mit beiden Reifentypen vorne mit dabei", meint Marko. Bei allen Fortschritten bleibt er aber bei McLaren als Favoriten. Da haben auch die neuen Regeln zu Flexi-Flügeln nichts geändert: "Einzig die ersten vier Teams haben sich wohl etwas zusammengeschoben."
Nur Yuki Tsunoda trübt mit einem enttäuschenden P13 und fast einer ganzen Sekunde Rückstand das Bild. "Er hat nicht die gleiche Spezifikation wie Max, nach dem Unfall in Imola ", nimmt Marko ihn in Schutz. "Wie weit das zeitlich Distanz zu Max schafft ist schwer zu sagen, aber sicher ist er in dieser Hinsicht gehandicappt."
Tsunoda selbst ist der Abstand aber zu groß: "Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum ich so langsam bin. Die Runde war für FP2 gut. Ich war nicht bei 100 Prozent, aber das war nicht die erwartete Lücke, und es ist schwer zu sagen, wo meine Einschränkungen sind. Balance-technisch ist es in Ordnung." Er sieht eine Nachtschicht kommen: "Aber momentan ist die Lösung mir nicht wirklich klar."
In Barcelona hat Red Bull nur einen neuen weniger biegsamen Frontflügel als Update noch mit dabei, die größeren Pakete kamen wie angesprochen über die letzten Wochenenden verteilt. Bei ihren Gegnern McLaren gab es trotz der Regeländerung in Barcelona gar keinen neuen Flügel. Oder? Die Hintergründe werden hier erklärt:



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