Mitten in der Europa-Saison muss die Formel 1 alles zusammenpacken und nach Kanada für ein Übersee-Rennen verschiffen. Dennoch bringen einige Teams beim Rennen in Montreal neue Teile. Oder, im Fall von Mercedes, alte Teile. Die erst verschwanden und jetzt wieder zurückkehren.

McLaren geht mit Kanada-Update Baustelle Vorderachse an

Was zu Beginn des 1. Trainings auch gleich auffiel: McLaren hat einen neuen Frontflügel. Vor zwei Wochen in Barcelona war man wegen der verschärften Biegungs-Tests noch mit einer verstärkten Version des ursprünglichen Modells gefahren. Im 1. Training aber wurde eine neue Geometrie getestet. Die Hauptelemente sind neu, so auch der Bereich am Ende der Endplatten. Unten zum Vergleich erst ein Bild vom neuen, dann vom alten Frontflügel:

Technik-Details: McLaren
Der neue McLaren-Frontflügel in Kanada, Foto: IMAGO / PsnewZ
Der McLaren-Frontflügel in Spanien
Der alte McLaren-Frontflügel, Foto: IMAGO / Eibner

Der Flügel soll so über einen großen Arbeitsbereich mehr Performance bringen. Weiters wurde die Geometrie der Vorderachse leicht verändert, inklusive neuer aerodynamischer Verkleidung. Es dürfte Teil des Kampfes gegen die bekanntlich stumpfe Vorderachse des MCL39 sein, welche vor allem Lando Norris im Qualifying Probleme bereitet. Weiters hat McLaren einen neuen Heckflügel für Strecken mit mittleren Abtriebsanforderungen. Das Löffel-Design in der Mitte ist ausgeprägter.

Technik-Details: McLaren
Der McLaren-Heckflügel in Kanada, Foto: IMAGO / PsnewZ

Mercedes: Zweiter Hinterachsen-Versuch in Kanada

Von den Spitzenteams hat neben McLaren nur Mercedes noch etwas Neues im Gepäck. Die vordere Bremskühlung ist größer, wegen der höheren Anforderungen von Kanada. Und es gibt ein kleines Unterboden-Update. Die Spannweite des Flügel-Elements in der Seitenkante wurde reduziert, die Leitelemente drumherum wurden angepasst. Das soll mehr Abtrieb erzeugen.

Viel nennenswerter aber wohl: Mercedes bringt die in Imola erstmals gefahrene neue Hinterachsen-Geometrie wieder. Nach nur einem (in Sachen Reifenmanagement desaströsem) Rennen hatte man die dort erst einmal auf Eis gelegt und war Monaco und Barcelona mit der Vorgänger-Version gefahren. Nach eingängiger Evaluation wird jetzt am Freitag in Kanada wieder getestet. Im 1. Training fuhr man beide Autos in unterschiedlicher Konfiguration, um zu vergleichen.

Nichts ist am Ferrari neu. Auch am Red Bull nicht. Allerdings hofft das Team dort, im Verlauf des Wochenendes endlich Yuki Tsunoda komplett auf die letzte Spezifikation umzurüsten. Seit Tsunodas Unfall in Imola hatte wegen Ersatzteil-Mangels nur Max Verstappen alle neuen Teile gehabt. "Es hängt davon ab, ob sich alles fügt, und wenn ja, dann werden wir es natürlich tun", versichert Chefingenieur Paul Monaghan. Vor Samstag ist es aber nicht mit Sicherheit zu sagen, die Ersatzteil-Lage bleibt angespannt.

Nur drei weitere F1-Teams in Kanada mit Updates

Nichts Neues gibt es in Kanada weiters bei Sauber, Williams und Haas. Haas lässt durchblicken, dass man bis zur Sommerpause noch über die letzten Updates für 2025 nachdenkt, aber der Hauptfokus schwenkt hier überall schon immer weiter auf 2026 um.

Technik-Details: Aston Martin
Weit offene Bremskühlungen sind in Kanada Standard-Programm, Foto: IMAGO / PsnewZ

Aston Martin hat lediglich wegen der hohen Bremsbelastung in Kanada eine neue Bremskühlung dabei. Alpine fährt dafür mit einem neuen Frontflügel, das obere Element wurde verkürzt. Das bezieht sich aber primär auf diesen Streckentyp. Kanada ist grundsätzlich eine ganz andere Strecke als beispielsweise Barcelona. Während man in Barcelona viele langgezogene Kurven hat, sind es in Kanada viele kurze Kurven, bei denen man auf der Bremse sofort einlenken muss.

Der Vergleich des verkleinerten oberen Elements am Racing-Bull-Frontflügel von Kanada mit der alten Version
Das verkleinerte obere Flügel-Element am Racing Bull, Foto: IMAGO / PsnewZ / Motorsport-Magazin.com

Das stellt ganz andere Anforderungen, besonders an die Vorderachse. Insgesamt fährt man hier mit weniger Abtrieb, und für manche Teams ist es schlicht sinnvoll, Details am Frontflügel zu verändern, um die bestmögliche Aero-Balance zu gewährleisten. Sonst läuft man Gefahr, aus dem Arbeitsfenster zu fallen. Auch die Racing Bulls haben daher das oberste Flap-Element verkürzt. Und sie haben ebenso eine neue Bremskühlung am Heck. Die ist aber streckenunabhängig. Das untere Winglet wurde verändert, um den Luftwirbel dort stabiler zu machen.