Lewis Hamilton lieferte die Schlagzeile des letzten Formel-1-Wochenendes vor der Sommerpause in Ungarn. Mit seiner Nutzlos-Äußerung schlug der Brite noch kritischere Töne an als in den Wochen zuvor und riet sogar seinem Ferrari-Team zu einem vorzeitigen Fahrertausch. Doch nicht alle Motorsport-Beobachter kaufen dem Rekord-Champion die Selbstkritik ab.
"Ein Lewis Hamilton, der sich selbst so geißelt, dass er sich hinstellt, als habe er das Fahren verlernt. Entschuldigung, das hat mir ein bisschen übertrieben gewirkt im Sinne davon, dass da ein bisschen mehr inszeniert wird, als eigentlich der Fall ist", kommentiert Formel-1-Experte Christian Danner im AvD Motorsport-Magazin .
Für ihn handelt es sich um eine Inszenierung. Hamiltons Beweggründe erklärt sich Danner so: "Damit sensibilisiere ich die Welt, die ja weiß, dass ich nicht so schlecht bin. Ich bin ziemlich sicher, dass das von Hamilton gewollt und nicht ehrlich war."
Beim Sprint-Sieg in China fuhr Hamilton erstmals für Ferrari aufs Podest, danach sprang allerdings nur noch der dritte Platz im Miami-Sprint als einzige weitere Top-Platzierung heraus. Auf sein erstes Grand-Prix-Podium mit der Scuderia wartet Hamilton noch immer.
Trotzdem sieht Danner keinen Grund für Selbstzweifel beim Rekordsieger der Königsklasse: "Der hat nicht ehrlich an sich gezweifelt. Das kann nicht sein, das passt bei ihm nicht dazu. Das ist auch völlig in Ordnung, so müssen Champions auch sein. Ich mache ihm da keinen Vorwurf."
F1-Experte Christian Danner versucht Hamilton-Flaute zu erklären

Lewis Hamilton im Ferrari beim Ungarn Grand Prix auf dem Hungaroring
Obwohl Hamilton bereits beim Belgien-GP im Qualifying schwächelte, gelang es ihm nicht, den Negativtrend am Hungaroring wieder umzukehren und fuhr im Vergleich zu Teamkollege Charles Leclerc erneut chancenlos hinterher. Danner sieht eine Erklärung in der Abstimmung der Fahrzeughöhe, die bei Leclerc in Ungarn mehr ausgereizt worden sein soll.
"Das kann durchaus sein, dass man mit einem Auto auf Risiko geht und sagt: 'Wir versuchen so tief wie möglich [zu fahren]'", vermutet Danner. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer Disqualifikation wie bei Hamilton im China-GP wegen zu stark abgenutzter Skid-Blöcke am Unterboden. Allerdings bringt ein möglichst tiefer Unterboden den größten Abtrieb. "Da hat man derartig viel mehr Abtrieb aus dem gesamten Unterboden, dass man damit eineinhalb Sekunden schneller fahren kann", erklärt Danner.
Die Kehrseite der Medaille ist allerdings nicht nur das Risiko einer Disqualifikation. Um den Unterboden möglichst tief zu fahren, muss der Wagen entsprechend hart abgestimmt werden. "Umso schlechter geht das Auto mit den Reifen um und desto schlimmer ist es, über Kerbs zu fahren", führt Danner aus.
Der F1-Experte vermutet: "Daher kann es schon sein, dass die bei Ferrari gedacht haben: Dann machen wir es bei Hamilton ein bisschen konservativer und stellen ihn ein bisschen höher ein. Damit ist er zwar sicher [nicht disqualifiziert; d. Red.], aber er fährt eben ein paar Zehntel langsamer."
Danner versteht Hamilton-Aussagen als Ferrari-Denkzettel

So sehr Hamilton mit seinen Aussagen am vergangenen Rennwochenende überraschte, so sehr sieht Danner darin eine Ansage des Weltmeisters an sein Team. "Er hat sich selbst so schlecht dargestellt, um Ferrari zu zeigen: 'Leute, wenn ihr glaubt, ich merke nicht, was Sache ist, dann habt ihr euch geschnitten.'"
Mit dem Fingerzeig sieht Danner ein grundsätzliches Ferrari-Problem durch Hamilton adressiert, weshalb auch Teamkollege Leclerc auf dem Hungaroring mit seiner Pace abfiel: "Das war ein Drohszenario, basierend auf dem Thema, was dem Leclerc im Rennen auch die Performance gekostet hat." Jedenfalls ist sich der Formel-1-Experte sicher: "Keine gute Atmosphäre und gar keine guten Aussichten für die Zukunft."
Bei Ferrari sind die Kräfteverhältnisse im teaminternen Duell bisher klar. Ganz anders ist es bei McLaren. Formel-1-Experte Christian Danner warnt, dass mit einem Crash zwischen Oscar Piastri und Lando Norris gerechnet werden muss. Mehr hier im Video:



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