Alle Zeichen deuteten auf das heiß ersehnte erste Ferrari-Podium für Lewis Hamilton hin, das er und die Tifosi sich schon so lange wünschen. Doch beim Großen Preis von Mexiko-Stadt kam alles anders als erhofft. Ein chaotischer Start, ein Duell mit Max Verstappen und eine 10-Sekunden-Strafe verwehrten dem Formel-1-Rekordweltmeister sein erstes Top-3-Ergebnis in Rot.

Norris auf WM-Kurs - Schockmoment: Marshal beinahe überfahren! (09:59 Min.)

Was war passiert? Beim Start nutzte Hamilton auf Platz drei den Windschatten und setzte sich auf der langen Anfahrt zur ersten Kurve sogar eine Nasenlänge vor seinen Teamkollegen Charles Leclerc. In Turn eins kamen die Top-4 aber in einer Linie an. Während Lando Norris und Hamilton innen auf der Strecke blieben, mussten Verstappen und Leclerc durch die Wiese in der Auslaufzone des Autódromo Hermanos Rodríguez ausweichen. Beide kamen vor Hamilton zurück auf die Strecke, Leclerc sogar auf Platz eins.

"Als ich in der ersten Kurve gebremst habe, war ich bereits auf dem zweiten Platz. Ich blieb auf der Strecke, während andere abkürzten und ihre Position behielten, ohne eine Strafe zu bekommen", wetterte Hamilton auch gegen seinen Teamkollegen. Die Ordnung war jedoch schnell wiederhergestellt, Leclerc und Verstappen gaben die Plätze zurück. Leclerc machte aber nur für Norris Platz, Hamilton blieb auf Rang drei. "Ich war vor Charles", schimpfte er am Funk. Von Ferrari gab es keine Order zum Positionswechsel, sondern nur die Aufforderung, bereits 300 m vor der Bremszone vom Gas zu gehen.

Verstappen vs. Hamilton: Erinnerungen an 2021 werden wach

In Runde sechs musste sich Hamilton nach hinten verteidigen. Verstappen stach in der ersten Kurve hinein, es kam zur Berührung zwischen den Erzrivalen. Hamilton musste in den Auslaufbereich ausweichen. Da sich Verstappens Vorderachse beim Scheitelpunkt vor Hamiltons Seitenspiegel befand, hatte der Red-Bull-Pilot das Recht auf die Kurve. Die Stewards legten den Vorfall als Rennunfall ab, da Hamilton keine Möglichkeit hatte, mehr Platz zu lassen, und an beiden Autos kein Schaden entstand. In der darauffolgenden Kurve kämpfte Hamilton mit gleichen Mitteln zurück und drückte Verstappen auf die Wiese.

Das Duell ging in Kurve vier weiter. Beim Überholversuch blockierte Hamiltons linkes Vorderrad. Er musste den weiten Weg über den Notausgang nehmen, was er aber nicht regelkonform tat. Laut den Event Notes des Renndirektors hätte Hamilton über einen schmalen Asphaltstreifen wieder auf die Strecke zurückkommen müssen. Doch der Ferrari-Pilot entschied sich für eine Fahrt durch die Wiese. "Dieser Notausgang ist der staubigste Ort der Welt. Außerdem konnte ich nicht genug verlangsamen, also bin ich durch das Gras gefahren", verteidigte sich Hamilton.

Die Rennkommissare ließen die Erklärung gelten und verhängten keine Strafe für das Ignorieren der Anordnung. Da er sich durch den Umweg aber wieder vor Verstappen platzierte, brummten ihm die Stewards eine 10-Sekunden-Strafe auf. "Weil er die Strecke verlassen und die Kurve abgekürzt hat, bekam der Fahrer einen bleibenden Vorteil gegenüber Auto 1, gab die Position aber nicht zurück. Deshalb wird die übliche Strafe für dieses Vergehen vergeben", hieß es im dazugehörigen FIA-Dokument. Die Tatsache, dass es zu diesem Zeitpunkt schwer gewesen wäre, Verstappen den Platz zurückzugeben, da er sich in der Zwischenzeit von Oliver Bearman überholen ließ, wurde nicht als Strafmilderung gewertet.

Hamilton versteht Strafe nicht: Alle anderen haben das Gleiche gemacht!

Für Hamilton ist die Höhe der Strafe unverständlich: "Es hat sich nach Racing angefühlt. Ich habe das Gleiche gemacht wie alle anderen, aber nur ich habe eine Strafe bekommen. Das macht keinen Sinn. Zehn Sekunden, das ist verrückt." Ferrari-Teamchef Fred Vasseur ist derselben Ansicht. "Ja, er hat die Anordnungen des Renndirektors nicht befolgt, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass jemand dafür zehn Sekunden bekommen hat. Max hat die Kurve davor abgekürzt. Das wurde nicht so gut gemanagt", kritisierte er die Stewards.

Auf dem überholfeindlichen Autódromo ist so eine Strafe besonders schmerzhaft. Nach seinem Boxenstopp fiel Hamilton auf Platz 14 zurück und beendete das Rennen auf Platz 8. "Es ist nicht so verlaufen, wie ich es mir erhofft habe, aber das ist Motorsport. Es gibt immer noch Positives, das wir aus diesem Wochenende mitnehmen können und ein paar Punkte", versuchte Hamilton nach dem Rennen optimistisch zu bleiben. Mit dem verpassten Top-3-Ergebnis beim 20. Rennen der Saison hält der Rekord-Weltmeister ab jetzt einen Negativrekord: Noch kein Ferrari-Fahrer brauchte mehr als 19 Rennen für sein erstes Podium in Rot.