Rekordweltmeister Lewis Hamilton ist im vergangenen Monat zum großen Fürsprecher der Formel 1 2026 geworden. Der Ferrari-Fahrer ging in seinem Duell mit Teamkollege Charles Leclerc in China regelrecht auf. Vor dem dritten Saisonrennen in Japan reagiert er mit Unverständnis auf die Kritik seiner Fahrerkollegen, angeführt von Max Verstappen. Für den Briten bietet die F1 das beste Racing seit Jahren - und spielt dabei dem Boom um den Sport entscheidend in die Karten. Für Hamilton eine klare Win-Win-Situation.

"Insgesamt sorgt es für einen aufregenden Sport, und das in einer Zeit, in der er von der Sichtbarkeit auf einem Höhepunkt ist. Als Marke hat er die höchsten Einnahmen aller Zeiten. Der F1-Film hat sich mit einem Oscar unglaublich gemacht", sieht Hamilton die seit 2017 von Liberty Media geführte Königsklasse mit dem neuen Reglement kommerziell auf dem goldrichtigen Weg. "Es ist einfach eine gute Zeit, in der viele Menschen zuschauen und wir jetzt tatsächlich Zweikämpfe haben, anstatt nur diese Prozessionen, in denen die Fahrer einander hinterherfahren."

Lewis Hamilton hinterfragt Max Verstappens Formel-1-Kritik

Durch die neuen Autos sind die Positionswechsel auf der Rennstrecke im Jahr 2026 zu einer vom Energie-Management bestimmten, rein taktischen Angelegenheit geworden. Max Verstappen gilt als gnadenlosester Kritik dieser Form des Racings und ließ bei seiner Kritik in Shanghai auch die Attraktivität für Zuschauer nicht gelten. "Vielleicht gefällt das einigen Fans, aber diese verstehen Racing nicht", so der viermalige Weltmeister.

Dass sein einstiger WM-Rivale nicht gut auf die aktuelle Formel 1 zu sprechen ist, wundert Lewis Hamilton nicht. Schließlich fährt Verstappen erstmals seit 2021 nicht um die Weltmeisterschaft. "Er hatte das für fünf Jahre. Da war es für ihn alles ganz entspannt, und das ist das erste Jahr, in dem es nicht so ist", schlägt er in dieselbe Kerbe wie sein früherer Mercedes-Teamkollege George Russell. "Aber ich kann natürlich nicht für ihn antworten, warum es ihm keinen Spaß macht."

Nachdem Hamilton im Vorjahr bei Ferrari selbst in aussichtsloser Position unterwegs war, holte er in Shanghai zuletzt endlich sein erstes Podest in Rot - im 26. Anlauf. "Im Motorsport ist es immer schöner, vorne dabei zu sein, wenn du ein gutes Auto hast und konkurrenzfähig bist", so Hamilton, der daran aber nicht seine Begeisterung für die Formel-1-Generation 2026 festmacht.

F1 2026 wieder echtes Racing wie einst gegen Nico Rosberg

Bereits vor Jahren hatte Lewis Hamilton auf die Frage nach dem aufregendsten Racing seiner Karriere mit der Saison 2006 geantwortet. Damals war er in der GP2 Series auf der Durchreise in die Formel 1. Die eine Saison im Unterhaus der F1 hinterließ bei ihm einen bleibenden Eindruck. "Die Formel 1 ist schon lange nicht mehr die beste Form des Racings, weil du nie dranbleiben konntest. Bei all den Autos, die ich hier in 20 Jahren gefahren bin, ist dieses Auto das einzige, mit dem du in den schnellen Passagen hinterherfahren kannst, ohne komplett abreißen lassen zu müssen", erklärt der 41-Jährige. "Das DRS war früher auch nur eine Notlösung für dieses Problem."

Dank der neuen Autos kam er beim Schlagabtausch mit Leclerc in China in der Formel 1 endlich wieder in diesen Genuss, den er dort zuletzt vor zehn Jahren hatte. "Für mich persönlich macht es viel mehr Spaß. Das waren die meisten Überholmanöver und der beste Zweikampf seit damals in Bahrain vor vielen Jahren, mit Nico [Rosberg]. Aber so sollte Racing sein!", so Hamilton, der sich in der gemeinsamen Zeit mit Nico Rosberg bei Mercedes zwischen 2013 und 2016 denkwürdige Duelle lieferte. Besonders der Zweikampf beim Bahrain GP 2016 blieb in Erinnerung.

Formel 1 endlich aufregend wie Go-Karts

Dass gerade die anderen Formel-1-Fahrer daran keinen Spaß haben wollen, ist für ihn ein Widerspruch in sich. "Schaut euch doch nur den Kartsport an. Da überholen sich die Fahrer auch ständig gegenseitig, es geht hin und her. Du kannst nie wegfahren. Den Kartsport hat aber trotzdem nie jemand als Yo-Yo-Racing bezeichnet!", sagt der siebenfache F1-Weltmeister. "Es sollte nicht so sein, dass das Manöver erledigt ist und dann war's das. Für mich ist das die Art von Racing, die mir gefällt."

Während im Kartsport die Ausnutzung des mechanischen Grips für den Zweikampf maßgebend ist, wird er in der Formel 1 heute vom Einsatz der Batterie in Kombination mit der aktiven Aerodynamik bestehend aus Straight- und Corner-Mode bestimmt. Für Hamilton ein Übel, das er in Kauf nimmt. "Klar haben wir jetzt diese Leistungsunterschiede, aber die sind so gering. Wenn du jemanden überholst, kann das Auto hinter dir dranbleiben", so seine Argumentation. Lieber wäre ihm dann aber doch ein Racing alter Schule: "Gefällt mir die Art und Weise, wie uns die Leistung zur Verfügung steht? Absolut nicht! Stehe ich auf den Straight-Mode? Auch nicht besonders."

Ferrari-Podium für Hamilton: Ist er wieder der Alte? (22:06 Min.)