Ein vielversprechender Katar-GP ging für Nico Hülkenberg nach bereits sechs Runden in die Brüche. Die Kollision mit Pierre Gasly hatte allerdings einiges an Vorgeplänkel. Die beiden sind sich nach dem Formel-1-Rennen uneins über die Schuldfrage. Der Freispruch für Gasly ist für Hülkenberg nicht wirklich nachzuvollziehen.

Der Sauber hatte es in Runde sechs im Kampf um Platz neun außen in der ersten Kurve gegen Gasly versucht und sich tatsächlich außen augenscheinlich behaupten können. Immer weiter zog Hülkenberg am Kurvenausgang in Front, während Gasly langsam rausgetragen wurde und schließlich Hülkenbergs rechtes Hinterrad berührte.

Der Sauber wurde ausgehebelt, der rechte Hinterreifen ging kaputt, Hülkenberg blieb im Kiesbett stecken und musste aufgeben. Gasly konnte weiterfahren, aber mit Unterbodenschaden wurde er am Ende nur 16. Doch dieser Unterbodenschaden muss nicht unbedingt aus der Kollision stammen - die war schließlich ein Rad-an-Rad-Kontakt. Nein, hier gibt es eine Vorgeschichte.

Gasly drängt Hülkenberg schon in Runde 2 in Katar ab

Gasly hatte am Start in Katar erst seinen neunten Startplatz behauptet. Hülkenberg war einer von nur zwei Fahrern, die auf dem mehr Grip bietenden Soft losgefahren waren, und hatte sich dahinter in der ersten Runde schon in einen rabiaten Streit mit Charles Leclerc verstrickt. Nachdem Leclerc in der letzten Kurve einen kleinen Fahrfehler machte, fertigte Hülkenberg ihn in der zweiten Runde hin zur ersten Kurve ab. Nur wenige Kurven später schien ihm der Nächste ein Geschenk anzubieten.

Gasly ruderte in der schnellen Kurve 14 am Ausgang raus auf den Kerb und in den dortigen Kiesstreifen. Kaum verlangsamend zog er zurück auf die Strecke und nach rechts - wo sich ein Sauber gerade für Kurve 15 opportunistisch neben ihm positioniert hatte. "Da hat er mich ziemlich fies weggedrückt", beschwert Hülkenberg sich gegenüber Motorsport-Magazin.com. Die Stewards warfen einen kurzen Blick auf den Zwischenfall und legten ihn unverrichteter Dinge zu den Akten.

Pierre Gasly am Sonntag bei der Formel 1 in Katar
Der funkensprühende Pierre Gasly in Katar, Foto: IMAGO / MAXPPP

Bei Gasly war dabei bereits irgendwas am Unterboden zu Bruch gegangen. So rutschte er funkensprühend vier Runden lang mit sichtlich fehlendem Abtrieb vor Hülkenberg herum, der in Runde sechs endlich in der ersten Kurve zu profitieren schien, aber dabei dann eben bloß abgeschossen wurde: "Das war die zweite Nummer in dem Rennen knapp hintereinander. Sehr bitter und frustrierend für uns."

Hülkenberg klagt an, Gasly sieht seine Unfall-Schuld nicht

"Pierre hatte innen zwei, drei Meter. Ich sehe da nichts, was ich hätte anders machen können oder falsch gemacht habe, und sein Unterboden ist im Eimer von dem Highspeed-Ausritt", urteilt Hülkenberg. "Ich bin auch am Limit. Wir sind beide am Limit. Wenn ich aufmache, fahre ich neben die Strecke. Das bringt auch nichts. Ich war am Soft, war schneller, irgendwann muss er realisieren: Den Kampf habe ich verloren und muss aufgeben. Hat er halt nicht. Resultat ist, dass er in mich reinuntersteuert."

Nico Hülkenberg und Pierre Gasly am Sonntag bei der Formel 1 in Katar
Hülkenberg attackiert Gasly außen, Foto: IMAGO / Zsombor Toth
Nico Hülkenberg und Pierre Gasly im Rennen von Katar
Hülkenberg scheint sich durchzusetzen, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire
Nico Hülkenberg crasht am Sonntag bei der Formel 1 in Katar
Hülkenberg fliegt ab, Foto: IMAGO / Naushad
Nico Hülkenberg crasht am Sonntag bei der Formel 1 in Katar
Hülkenberg bleibt im Kies stecken, Foto: IMAGO / Zsombor Toth
Nico Hülkenberg crasht am Sonntag bei der Formel 1 in Katar
Hülkenberg steigt aus, Foto: IMAGO / Andalou Agency
Nico Hülkenberg am Sonntag bei der Formel 1 in Katar
Hülkenberg verlässt seinen kaputten Sauber, Foto: IMAGO / PsnewZ

Hülkenberg hatte direkt nach dem Rennen schon kurz mit Gasly gesprochen. Einig wurde man sich nicht: "Natürlich sind die Meinungen da nicht die gleichen." Darauf von Motorsport-Magazin.com angesprochen zeigt sich Gasly unbeeindruckt: "Hartes Racing. Ich bin nicht hier, um es irgendwem einfach zu machen. Wir kämpfen um jeden einzelnen Punkt. Du weißt, außen ist riskant, für einen Angreifer außen werde ich es nie einfach machen."

Hülkenberg & Gasly sehen beide viele verpasste Katar-Punkte

Den Stewards war es zu dünn, sie verfolgten auch den zweiten Fall nicht weiter. Beide Fahrer trauern im Anschluss den Punkten hinterher, die sie eigentlich hätten machen sollen. "Ich fühlte mich gut im Auto, und wenn ich mir das Rennen anschaue, dann war die Chance da, viele Überholmanöver gab es nicht", hätte sich Gasly auf dem neunten Platz gesehen.

Hülkenberg und Sauber hätten sich vielleicht sogar noch weiter nach vorn orientiert. Mit den Soft-Reifen hatte man die verpflichtenden zwei Stopps aggressiv anlegen und Hülkenberg schon in Runde sieben zum frühestmöglichen Zeitpunkt stoppen wollen. Dadurch hätte man einen starken Undercut-Versuch gegen den Medium-bereiften Rest des Feldes gefahren, der ohne ein Safety Car wohl mehrere Runden länger draußen geblieben wäre.

"Ich glaube, da wäre heute viel gegangen", meint Hülkenberg. Die Rennpace des Sauber ist üblicherweise stark. "Vor allem, wenn das Manöver ohne dem Ausgang gelungen wäre, hätte heute viel dabei rausspringen können. Aber alles hätte, hätte, hätte jetzt."