Das Wochenende in Brasilien hatte für Ferrari schlecht begonnen, hatte kurz einmal am Samstag falsche Hoffnungen bei Charles Leclerc geweckt und dann geriet es am Sonntag völlig außer Kontrolle. Sowohl Leclerc als auch Lewis Hamilton müssen am Ende mit Unfallschäden aufgeben. Der dritte Doppel-Nuller des Jahres nimmt besonders Hamilton schwer mit.
Man erinnere sich da nur an den euphorischen Hamilton der ersten Wochen des Jahres, als er sich seinen Traum erfüllt hatte, für Ferrari in der Formel 1 zu fahren. Inzwischen ist das Abenteuer ein Albtraum. Und das ist wohlgemerkt Hamiltons eigene Aussage, getätigt am Sonntagabend in Brasilien: "Das ist der Albtraum, in dem ich schon eine Zeit lang lebe."
"Zwischen dem Traum, für dieses unglaubliche Team zu fahren, und dem Albtraum, dem wir haben, das Auf und Ab, ist es herausfordernd", so der niedergeschlagene Hamilton. Brasilien war ein neuer Tiefpunkt eines teilweise richtig brutalen Jahres, das schon so Tiefpunkte wie Zandvoort beinhaltet, wo Hamilton im Rennen etwa selbstverschuldet crashte und sich obendrauf eine Gridstrafe für das nächste Rennen einhandelte.
Lewis Hamilton leidet in Brasilien Qualen
Inzwischen dümpelt Hamilton 66 Punkte hinter Charles Leclerc auf dem sechsten WM-Rang und liegt nur mehr 26 Punkte vor seinem Mercedes-Erben Kimi Antonelli. Auch im 21. Rennen holte er kein Ferrari-Podium. Im Gegenteil, Brasilien war sportlich schlimm wie selten. Sowohl im Sprint-Qualifying als auch im Qualifying scheiterte Hamilton an Q3. Im Rennen kam er dann nicht einmal eine Kurve ohne Kollision.
Im Startgetümmel der ersten Kurve wurde er von Carlos Sainz touchiert, ausgehebelt und fiel noch einmal vier Plätze bis auf Rang 17 zurück. Nicht einmal eine Runde später fuhr er sich den Berg hoch zur Ziellinie am linken Hinterrad von Franco Colapinto den Frontflügel ab: "Er machte einen Fehler aus der letzten Kurve raus, also hatte ich einen guten Windschatten und als ich dann rauszog, schien es mir, als ob er gleichzeitig gezuckt hätte."

Da die Kollision in einer Kurve passierte, kann man Colapinto schwerlich gefährliches Fahren ankreiden. Tatsächlich sahen die Stewards es sogar anders und bestraften Hamilton für das Auffahren mit fünf Sekunden und einem Strafpunkt. "Diese Typen sind ein Witz, ein kompletter Witz", empörte sich Hamilton - der schon am Donnerstag über die FIA-Stewards geklagt hatte - während des Rennens am Funk. Da schien er mit dem Tag schon abgeschlossen zu haben.
Schließlich war sein Flügel bei der Kollision abgebrochen und unter das Auto gerutscht. Das erzwang nicht nur einen Reparaturstopp, sondern beschädigte auch den Unterboden schwer. Zwischen 35 und 40 Punkte Abtrieb fehlten laut Ferrari-Teamchef Fred Vasseur. Das Team ließ ihn in einem fast unfahrbaren Auto eigentlich nur mehr lange genug draußen, um alle Untersuchungen abzuwarten und dann die 5-Sekunden-Strafe abzusitzen, um so eine Grid-Strafe für das nächste Rennen zu vermeiden.
Leclerc vollendet Doppel-Aus in Brasilien, Ferraris WM-Lage bald hoffnungslos
Nach 37 Runden wurde Hamilton erlöst und durfte aufgeben. Damit hatte er es 32 Runden weiter geschafft als Charles Leclerc, der im Kampf um die Podestplätze beim Restart in Runde 6 unschuldig in eine Kollision von Oscar Piastri und Kimi Antonelli verwickelt wurde und mit kaputter Aufhängung aufgeben musste. Mehr zu diesem Zwischenfall gibt es hier:
"Es ist natürlich ein Desaster für uns, ich bin für alle im Team enttäuscht", so Hamilton, der an diesem Punkt schon mit den Renngöttern zu sprechen scheint. "Ich versuche, positiv zu bleiben. Charles hatte gestern ein tolles Qualifying. Etwas Performance steckt im Auto. An diesem Punkt muss ich nur dran glauben, dass diese ganzen Plagen zu irgendwas führen. Uns muss einfach in der Zukunft etwas Positives passieren. Vielleicht räumen wir dieses Jahr unser ganzes Pech aus dem Weg."
Im Hier und Jetzt heißt das, dass der zweite Rang in der Konstrukteurs-WM - das ausgegebene Ziel der letzten Wochen - immer weiter in die Ferne rückt. Mercedes hat den Vorsprung auf 36 Punkte ausgebaut und jetzt ist in Brasilien auch noch Red Bull vorbeigezogen und hat Ferrari auf den vierten Rang verbannt. "Jetzt wird P2 sehr schwierig", prognostiziert Leclerc düster.
Wenigstens Leclerc schien in Brasilien nicht langsam. Ferrari hatte das Qualifying-Setup am Freitag verpatzt, doch es bis Samstag in den Griff bekommen, was Leclerc mit dem dritten Platz honoriert hatte. "Ab dem Sprint war die Pace wieder da", versichert Fred Vasseur. Leclerc lobt: "Guter Einsatz, aber wenn das Wochenende so endet, dann bin ich mir sicher, dass jeder so ziemlich am Boden ist."



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