Zum zweiten Mal in Folge verbrachte Max Verstappen in Brasilien ein kleines Formel-1-Wunder: Nach seinem Sieg von Startplatz 17 im vergangenen Jahr fuhr er 2025 aus der Boxengasse hinterher und landete auf dem Podium. Doch die Red-Bull-Auferstehung sorgt bei McLaren für Fragezeichen und könnte zu einem Regel-Streit führen.
Nach Platz 16 in der Qualifikation entschied sich Red Bull dazu, Verstappen aus der Boxengasse starten zu lassen, weil man sich beim Setup am Vortag völlig verzettelt hatte. Setup-Änderungen zwischen Qualifikation und Grand Prix bedeuten einen Bruch der Parc-ferme-Bedingungen und ziehen deshalb einen Start aus der Boxengasse nach sich.
Red Bull nutzte die Gelegenheit und baute gleich noch einen neuen Motor ein. Es handelte sich dabei um Power Unit Nummer fünf in dieser Saison für Verstappen - eigentlich sind nur vier erlaubt. Durch den Start aus der Boxengasse wurde die Strafversetzung für den zusätzlichen Motor aber hinfällig.
Mehr Leistung durch mehr Geld
Woran aber stört sich McLaren? "Diese Art von Motorenwechsel fordern das Reglement heraus", meint Andrea Stella. "Mich würde interessieren, ob dieser neue Motor relevant für die Budgetobergrenze ist, denn wenn er aus Performance-Gründen gewechselt wurde, dann sollte er berechnet werden", fordert der McLaren-Teamchef.
Red Bull macht keinen Hehl daraus, warum der Motor eingebaut wurde. "Wir lagen im Plan, sodass wir in dieser Saison keinen Wechsel mehr gebraucht hätten", verrät Teamchef Laurent Mekies und fügt an: "Weil wir am Auto etwas umbauen wollten, haben wir die Gelegenheit genutzt."

Ein neuer Verbrennungsmotor bringt mehr Leistung. Mit Laufleistung verschleißen die Motoren und verlieren so nach und nach Power. Deshalb werden neue Motoren nach Möglichkeit an Rennwochenenden eingesetzt, an denen die Formel 1 auf Power-Strecken gastiert. Beim nächsten Rennen in Las Vegas dürfte der frische Honda-V6 erneut einen kleinen Vorteil bringen.
Es lag natürlich nicht nur am Motor. Wie Verstappen die spektakuläre Aufholjagd gelang, gibt es hier nachzulesen:
Motor-Kosten bis 15 Millionen vom Budget Cap ausgenommen
Der strittige Punkt ist das Finanzielle Reglement. Denn bei der Budgetobergrenze sind diverse Posten wie Fahrergehälter, Saläre der drei Top-Verdiener oder Reisekosten ausgenommen. Auch die Kosten für Motoren sind ausgenommen - bis zum Maximalpreis, den das Technische Reglement vorschreibt.
Um horrende Leasingpreise für Kundenteams zu verhindern, dürfen die Hersteller für ihre Aggregate maximal 15 Millionen Euro pro Saison und Team verlangen. Für den Standard-Service. Zusätzliche Leistungen und Komponenten dürfen extra berechnet werden.
Wird aus Zuverlässigkeits-Gründen ein neuer Motor nötig, kann das Kundenteam nichts dafür. Deshalb muss auch nicht extra dafür bezahlt werden. Will man aber aus Performance-Gründen neue Aggregate einsetzen, ist die Sachlage anders. Ein zusätzlicher Motor kann so je nach Vertrag mit einer Million Euro zu Buche schlagen.
Wer entscheidet über Notwendigkeit eines neuen F1-Motors?
Würde man diese Summe in die Budgetobergrenze rechnen, hätte das verheerende Folgen. Aber das Reglement steht hier vor der Frage: Wann ist ein Motorwechsel wirklich nötig? Wer entscheidet die Frage: Das Team, der Hersteller oder die FIA? Derzeit gibt es hier keine genaue Regel.
Red Bull ist längst nicht das einzige Team, das solche Gelegenheiten nutzt. Nach seinem schwachen Qualifying startete Esteban Ocon in Brasilien ebenfalls aus der Boxengasse hinterher, weil er einen neuen Ferrari-Motor eingebaut bekam.
Für Stella ist es allerdings keine Grauzone im Reglement: "Ein Wechsel aus Performance-Gründen fließt in das Budget ein. Wir werden nicht sehen, ob es hier so ist, weil es auf Red Bulls Seite liegt. Aber wir würden es nicht machen, weil es einen Einfluss auf die Budgetobegrenze hat." Die Teams haben keinen Einblick in die Budget-Einreichungen der Konkurrenz. Deshalb ging es Stella mit seinen Aussagen wohl hauptsächlich darum, die FIA zu sensibilisieren.
Erst kürzlich gab es wilde Spekulationen über einen möglichen Verstoß beim Budget Cap in der Saison 2024. Inzwischen hat die FIA aber hier für Klarheit gesorgt:



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