"Ich dachte nicht, dass ich das zu dir sagen würde, als du heute am Ende der Boxengasse standest. Aber du bist jetzt der Rennführende", funkte Max Verstappens Renningenieur Gianpiero Lambiase in der 51. Runde des Brasilien-GPs an seinen Fahrer, kurz nachdem Lando Norris an die Box abgebogen war. Zu diesem Zeitpunkt war noch unklar, ob Red Bull einen zweiten Boxenstopp plante.
Kurzzeitig konnten die Verstappen-Fans von einem Sieg aus der Boxengasse träumen - einem, der für die verschwindenden WM-Chancen von höchster Wichtigkeit gewesen wäre. Doch die unwahrscheinliche Führung von Verstappen hielt nur vier Runden, ehe er ein weiteres Mal an die Box abbog. Es war sein dritter Stopp, während einige andere Fahrer das Formel-1-Rennen auf nur einem Reifenwechsel durchgebracht hatten.
Kein Risiko: So erklärt der Red-Bull-Teamchef den letzten Boxenstopp
Teamchef Laurent Mekies verteidigte nach dem Rennen diese konservative Strategie. Er geht nicht davon aus, dass es was gebracht hätte, Verstappen bis ins Ziel draußen zu lassen. "Nein, wir denken nicht, dass es gewinnbar war", stellt Mekies klar. "Ich denke es gab keine Chance, dass wir P1 halten hätten können, wenn man sich den Reifenverschleiß anschaut", sagte er weiter.
Stattdessen wäre man damit eher Gefahr gelaufen, weiter zurückzufallen, ist der Franzose überzeugt. "Wir werden wahrscheinlich nie wissen, wo wir ins Ziel gekommen wären, aber es war eine Diskussion, die die Jungs auf der Boxenmauer hatten, und an einem gewissen Zeitpunkt muss man die Entscheidung treffen", stellte er sich hinter seine Strategen.
"Das hat uns die Chance gegeben, am Ende nochmal mit starker Pace das Podium anzugreifen", erklärte Mekies weiter. Ein erfolgreicher Angriff. Verstappen kam ohne große Probleme an George Russell vorbei auf P3. Im Kampf um die zweiten Position ging ihm am Schluss lediglich die Zeit aus. "Eine Runde mehr und wir wären Zweiter geworden", ist Mekies sicher. Denn die Ziellinie überquerte Verstappen nur drei Zehntelsekunden hinter dem Mercedes-Youngster.
"Gute Strategie": Deshalb glaubte Max Verstappen wohl nicht an seine Siegchance
Auch Verstappen selbst scheint nicht daran zu glauben, dass eine Siegchance zu jenem Zeitpunkt im Rennen existierte. Denn in der Pressekonferenz nach dem Rennen, sprach er davon, dass Red Bull eine "gute Strategie" gewählt hatte.
In den Runden vor seinem Stopp fuhr Verstappen etwa eine halbe Sekunde langsamer als Lando Norris und das bei einer Führung von 6,5 Sekunden. Bei diesem Tempo hätte der spätere Rennsieger in den verbleibenden 20 Runden noch locker zu Verstappen aufgeschlossen. Sogar unter der Annahme, dass seine bereits 20 Runden alten Medium-Reifen eine konstante Performance gehalten hätten. Zum Vergleich: Im vorhergegangenen Medium-Stint verbrachte Verstappen insgesamt nur 27 Runden auf dem gelb markierten Reifensatz.
Dass Red Bull den Niederländer insgesamt gleich dreimal an die Box geholt hatte, lag an einem schleichenden Reifenschaden in der Anfangsphase des Rennens. In Runde 7 musste er somit zum ersten Mal die Box ansteuern. Das Glück des Red-Bull-Piloten dabei: Dank einer VSC-Phase verlor er weniger Zeit als unter grün und er konnte sich dadurch der unbeliebten harten Reifen entledigen.
Ohne diesen Stopp hätte das Rennen einen anderen Ausgang nehmen können, glaubt Mekies, der sich aber nicht zu sehr auf Spekulationen einlassen wollte: "Vielleicht wären wir dann ein paar Runden länger gefahren, die ganze Sequenz mit Hard-Medium-Medium hätte einen anderen Ausgang genommen und wir hätten keinen letzten Boxenstopp gemacht. Aber hätte-wäre-könnte gewinnt keine Rennen."
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