Für Charles Leclerc war das Formel-1-Rennen in Brasilien nach nur wenigen Runden unverschuldet vorbei. Beim Restart nach der frühen Safety-Car-Phase wurde er zum Opfer der Kollision zwischen Oscar Piastri und Kimi Antonelli. Über sein eigenes Rennen gab es anschließend nicht viel zu sagen, aber das Urteil der Rennstewards zu dem Zwischenfall wollte er nicht so stehen lassen.
Die Rennkommissare hatten nämlich in Piastri den alleinigen Schuldigen für den Unfall ausgemacht und ihn mit einer 10-Sekunden-Strafe belegt. Unverständlich für Leclerc, wie er anschließend im Interview erklärte: "Für mich liegt die Schuld eher 50/50 zwischen Kimi und Oscar. Ich denke nicht, dass Oscar die gesamte Schuld verdient hat."
So begründen die Formel-1-Stewards die Strafe gegen Oscar Piastri
Die Stewards hatten ihre Strafe damit begründet, dass Piastri beim Ausbremsversuch in Kurve 1 nicht weit genug vorne war, um sich das Recht auf die Kurve zu verdienen. Der ausschlaggebende Punkt, der in den Driving Guidelines festgeschrieben ist: Seine Vorderachse war nicht auf Höhe des Flügels von Auto 12. Ein Fakt, der sich durch die Onboard-Aufnahmen zweifelsohne belegen lässt.
Leclerc nimmt das zwar zur Kenntnis, argumentiert aber, dass die Situation differenzierter betrachtet werden müsse. "In diesem Fall denke ich wirklich, dass Kimi sich bewusst war, dass Oscar innen war. Und auch wenn er nicht Seite-an-Seite mit ihm war, so wie es im Regelbuch steht, kann man nicht eine Kurve fahren, als ob niemand innen wäre, wenn jemand dort ist", kritisierte der Ferrari-Pilot den Italiener.
Kimi Antonelli: Konnte das Auto von Piastri nicht sehen
Andrea Kimi Antonelli erklärte in der Pressekonferenz nach dem Formel-1-Rennen seine Sicht auf die Dinge. Er bestätigte zwar, dass ihm die Anwesenheit von Oscar Piastri bewusst war, aber seine Situation sei schwierig gewesen. "Ich hatte ein Auto außen, ein Auto innen, und versuchte spät zu bremsen. Aber nicht zu spät", so die Ausgangslage.
"Das Problem war, dass ich das Auto neben mir [Piastri, d. Red] nicht mehr sehen konnte, deshalb versuchte ich immer noch eine ordentliche Linie für die Kurve zu fahren. Und so wurde ich getroffen", erklärte der Mercedes-Pilot weiter. Im Gegensatz zu Leclerc, der als Kettenreaktion auf den Zwischenfall aus dem Rennen genommen wurde, kam Antonelli ohne große Schäden davon. "Meine Lenkung war nicht mehr ganz gerade. Trotzdem hatte ich sehr viel Glück", erklärte der spätere Zweitplatzierte des Sao-Paulo-GPs.
Charles Leclerc war bei dem Zusammenstoß von Antonelli stark am Rad getroffen worden und konnte in Sao Paulo nur noch einen guten Parkplatz in Sektor 1 suchen, um dort seinen SF-25 abzustellen. Er glaubt, dass ihm dadurch eine realistische Chance auf ein Top-3-Resultat genommen wurde. "Ich weiß nicht ob mehr als ein Podium drin war, aber ein Podest auf jeden Fall. Deshalb ist es sehr schade", so Leclerc.
Auch Piastri reagierte mit Unverständnis auf die Strafe. Er argumentierte: "Ich kann mich nicht in Luft auflösen." Ihm kostete die 10-Sekunden-Strafe, die er beim ersten Boxenstopp absaß, wichtige Punkte im WM-Kampf. Denn so landete er nur auf P5, ansonsten hätte er mindestens um das Podium mitkämpfen können. Durch die Strafe liegt Piastri nun 24 Zähler in der WM hinter Norris, dem damit eine wichtige Vorentscheidung im Titelduell gelungen ist.
Was Piastri nach dem Rennen zu sagen hatte, könnt ihr hier nachlesen:



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