Auch 2026 sind alle Formel-1-Teams wie gehabt dazu verpflichtet, jeden Stammfahrer in zwei Freitags-Trainings durch einen Rookie mit maximal zwei Grand-Prix-Starts zu ersetzen. Damit sollen Rookies mehr Chancen bekommen, sich zu präsentieren. Meist passiert das erst in der zweiten Jahreshälfte, doch die geplagte Aston-Martin-Mannschaft setzt schon am dritten Wochenende Jak Crawford für die ersten 60 Trainings-Minuten ins Auto.
Crawford wird am nächsten Wochenende beim Großen Preis von Japan den Aston Martin von Fernando Alonso für das 1. Freie Training pilotieren. Alonso wird danach zurück in den AMR26 steigen und wie immer FP2, FP3, Qualifying und Rennen fahren. Sofern das Auto nicht kaputtgeht. Was beim von einer vibrierenden Honda-Batterie dauermalträtierten AMR26 keine Garantie ist.
Jak Crawford: Wertvolle Aston-Martin-Erfahrung in Japan
Für Crawford ist es immerhin das dritte Training in seiner Karriere. 2025 fuhr er in Mexiko und Abu Dhabi jeweils das FP1 anstelle von Lance Stroll. Einschließlich Privattests in alten F1-Autos hat der 20-jährige Amerikaner etwas mehr als 3.000 Kilometer in diversen Formel-1-Boliden des Teams hinter sich.
Weiters hatte Crawford 2025 in seinem dritten Formel-2-Jahr den Vize-Titel geholt. 2026 hat er seine Nachwuchs-Karriere abgeschlossen und ist jetzt bei Aston Martin offiziell als "Dritter Fahrer" tituliert, also erster Ersatz- und Simulatorfahrer des Teams. "Er hat besonders im Simulator in Silverstone hart gearbeitet, und diese Session wird es ihm erlauben, weitere wertvolle Erfahrungen auf der Strecke zu sammeln", sagt Aston Martins streckenseitiger Einsatzleiter Mike Krack.
Bei dem noch recht neuen Aston-Martin-Simulator sind Kilometer im echten Auto für Crawford sicherlich auch eine große Hilfe. Als das System ans Netz ging, haderte das Team lange mit der Korrelation von Daten und Strecke. Auch macht es für Aston Martin Sinn, die Rookie-Trainings jetzt abzuhandeln, wo das Auto noch nicht konkurrenzfähig ist. Ein Training mehr oder weniger macht für Alonso und Stroll momentan keinen Unterschied. Hauptsache, das Auto fährt und liefert Daten für Honda.
Ein Training weniger für Honda-geplagten Fernando Alonso
Aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet mag es gar eine kleine Erleichterung für Fernando Alonso sein, sich in Japan ein Training zu sparen. Das mag hart klingen, schließlich ist an den kurzen F1-Wochenenden jeder selbst gefahrene Kilometer unersetzlich, aber bei Aston Martin sind die Probleme deutlich tiefgreifender als das Finden des richtigen Basis-Setups in den ersten 60 Trainings-Minuten.
Die von der Batterie des Honda-Motors ausgehenden starken Vibrationen zwangen Aston Martin an den ersten beiden Wochenenden ohnehin, vom Limit wegzubleiben. Trotzdem musste Alonso in China nach 32 Runden aufgeben. Wegen der Vibrationen hatte er das Gefühl in Händen und Füßen verloren. Onboard-Aufnahmen zeigten, wie er im Rennverlauf wiederholt auf Geraden die Hände zur Linderung vom Lenkrad nahm. Alonsos Körper könnte ihm 60 Minuten weniger Vibrationen am Sonntag danken.
Ob Honda, die seit den Testfahrten mit Adaptionen gegen die Probleme kämpfen, vor Heim-Publikum einen signifikanten Schritt schaffen, ist zweifelhaft. Alle diese Änderungen waren zuletzt eher im kleinteiligen Bereich gewesen. So gibt es auch für den Japan-GP ernste Zweifel, ob der Aston Martin eine komplette GP-Distanz schaffen kann. Ausgerechnet in Japan. Wo Alonso bei seinem ersten Honda-Debakel, damals mit McLaren, seinen legendären Funkspruch absetzte: "GP2-Engine. Aaargh."



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