Marc Marquez ist der erfolgreichste Fahrer der jüngeren MotoGP-Geschichte. Seine Triumphe erzielte Marquez aber nicht nur durch unglaublichen Speed, sondern immer wieder auch durch strategische Geniestreiche. Ein ums andere Mal machte er sich dabei Lücken im Reglement zu Nutze. Sei es bei seiner Strafe für die Kollision mit Miguel Oliveira in Portimao 2023, die er aufgrund eines Startverzichts im folgenden Rennen nie absitzen musste oder bei seiner Flucht aus dem Grid in Austin 2025, die für ein völlig neues Startprozedere sorgte.
Marc Marquez sorgt mit Boxenstopp für Aufregung
Zuletzt operierte Marquez in Jerez wieder im Graubereich des MotoGP-Reglements. Im Sprint stürzte er bei einsetzendem Regen in der Zielkurve, kehrte dann auf die Strecke zurück, kreuzte den Grünstreifen in Richtung Boxengasse, wechselte dort auf sein Regenmotorrad und gewann schließlich. Die Konkurrenz war außer sich, doch Marquez hatte gegen keine Regel verstoßen. Zwar war er weit nach der eigentlichen Einfahrt in die Boxengasse abgebogen, im Reglement festgeschrieben ist aber nur ein korrektes Durchfahren der Zeitnahmeschleife zu Beginn der Boxenmauer. Diese hatte Marquez wie vorgesehen passiert.
Im Sinne des Erfinders war Marquez' Manöver aber natürlich nicht, weshalb die MotoGP nun zum Rennwochenende in Le Mans reagiert. Allerdings nicht mit einer Reglementänderung im klassischen Sinne, sondern mit einer Richtlinie in der für jede Rennstrecke spezifisch formulierten 'Race Direction Information'. Ein Vorgehen, das durchaus Sinn ergibt. Die Boxeneinfahrten variieren schließlich von Kurs zu Kurs. Layouts, die nach der eigentlichen Einfahrt Kurven und eine mögliche Stelle zum verspäteten Abbiegen in die Pitlane aufweisen, sind schließlich selten. Mit Jerez und Le Mans folgen im MotoGP-Kalender 2026 zufällig zwei solche aufeinander.
MotoGP definiert Boxeneinfahrt genau
Wie sieht die Änderung nun konkret aus? "In allen Sessions, einschließlich der Rennen, ist die Einfahrt in die Boxengasse ausschließlich über den vorgesehenen Einfahrtspunkt und die dementsprechende Route erlaubt. Diese sind durch die gestrichelte weiße Linie definiert", ist in der 'Race Direction Information' für Le Mans zu lesen. In der Praxis bedeutet das: Jegliches Befahren der Boxengasse abseits jener Route ist verboten. Also sowohl das Abkürzen an der Innenseite, das bereits bisher untersagt war, als auch ein späteres Einfahren. Dieses wäre am 'Circuit Bugatti' von Le Mans bislang theoretisch über eine große asphaltierte Fläche, ein Kiesbett sowie einen Grünstreifen im Bereich der letzten beiden Kurven möglich gewesen.

Das Ausnutzen dieser Bereiche für eine inkorrekte Einfahrt in die Boxengasse wird nun eine Strafe durch die MotoGP-Stewards nach sich ziehen. Das Ausmaß der Strafe obliegt dabei dem Team rund um Simon Crafar. Es kann in Trainings und Rennen unterschiedlich ausfallen.
Eine Lücke im Reglement wurde für Marc Marquez damit also geschlossen. Einen Rückschlag musste der MotoGP-Titelverteidiger am Freitag aber auch auf der Strecke in Le Mans hinnehmen:



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