Bei Aston Martin krankt es 2025 im Formel-1-Projekt. Auf der Strecke liefert das aktuelle Auto in den Händen von Fernando Alonso und Lance Stroll fast keine Ergebnisse ab. Der Fokus liegt sowieso auf 2026. Doch könnten die Probleme tiefgreifender sein? Techniker-Legende Adrian Newey, der gerade erst beim Team als oberster Mann in der Technik-Hierarchie seinen Dienst angetreten hat, macht sich Sorgen um signifikante Probleme im Simulator.
Eigentlich ist dieser Simulator, wie fast alles andere im Team, komplett neu. Über die letzten Jahre hinweg hat Aston Martin in Silverstone eine riesige Fabrik aus dem Boden gestampft, nachdem man davor jahrelang aus Uralt-Anlagen operiert hatte. Teil der Fabrik ist endlich ein eigener Windkanal, und ein eigener Simulator.
"Die Fabrik ist wohl die beste in der Formel 1, und der Windkanal ist der beste in der Formel 1", schiebt Newey erst einmal vor, der am Rande des Monaco-Wochenendes erstmals für sein neues Team auch an der Rennstrecke zu Gast ist. Für ihn gerade beim Windkanal ein Unterschied von Tag und Nacht. Seine vorherigen Arbeitgeber Red Bull nutzen noch immer eine Jahrzehnte alte Anlage, die ihre Ursprünge aus dem mittleren 20. Jahrhundert zurückverfolgen kann.
Doch nur weil etwas neu ist, muss es nicht sofort gut sein. Stichwort Korrelation - das magische Wort in der Formel 1. Korrelieren die Daten von Windkanal, Strecke, und von allen Simulationswerkzeugen? Denn wenn sie das nicht tun, dann ist das Entwickeln eines Autos oftmals ein Glücksspiel. Und ausgerechnet bei dieser Korrelation hat Aston Martin aktuell große Probleme.
Adrian Newey bestätigt: Formel-1-Simulator toll, aber funktioniert nicht
"Es ist fair zu sagen, dass manche unserer Werkzeuge schwach sind, besonders der Fahrer-Simulator", hält Newey fest. "Der braucht viel Arbeit. Momentan korreliert er überhaupt nicht. Und das ist ein fundamentales Forschungs-Werkzeug. Das nicht zu haben ist eine Einschränkung."
Das Problem ist nicht neu. Das Team sah es schon vor Monaten. Im Winter holte man den erfahrenen Piloten Daniel Juncadella als Simulator-Fahrer an Bord. Juncadella hatte in den letzten Jahren unter anderem für McLaren gearbeitet. "In Sachen Hardware ist der Simulator Wahnsinn, ein riesiger Raum mit 350 Bildschirmen und einem F1-Chassis", verriet Juncadella im Januar im Podcast 'Over The Limit' der Sportwagen-Rennfahrer Laurens und Dries Vanthoor.
Juncadellas Geschichte hatte ein großes 'Aber': "In Sachen Software hinkt es zurück." Das hat Folgen, auch praktische: "Die Einsatzfahrer wollen nicht in den Simulator. Gerade einer wie Fernando, der nicht aus der Sim-Ära kommt, wie ich oder die jüngeren Fahrer. Er denkt sich: ' Warum soll ich in den Simulator, wenn der sich nicht wie das echte Auto anfühlt?'"
Aston Martin entwickelt neues Formel-1-Auto im Sim-Blindflug
Juncadella soll bei drei Tests mit zwei Jahre alten Autos große Datensätze auf der Strecke und im Simulator abgleichen, um sicherzustellen, dass sie übereinstimmen. Aber so einfach ist das alles nicht, bestätigt jetzt auch Newey: "Vorerst müssen wir drumherum arbeiten, und uns dann einen Plan zurechtlegen, wie wir es auf das gewünschte Niveau bringen. Ehrlich gesagt ist das wohl ein Projekt für das zweite Jahr."
Ein schlechter Simulator bringt doppelt Probleme. Zum einen wird eigentlich an jedem Rennwochenende parallel im Simulator am Setup gearbeitet. Zum anderen testet man hier bereits 2026er-Konzepte. "Es ist ein Handicap", ist Newey unmissverständlich. "Für einige Zeit sind wir hier etwas blind. Da müssen wir einfach Erfahrung und bestmögliche Einschätzung nutzen."
Da ist es gut für Aston Martin, jetzt mit Newey einen Techniker am Start zu haben, der in seiner illustren und über drei Jahrzehnte umspannenden F1-Karriere sich den Ruf als einer der besten Designer überhaupt erworben hat. Aktuell ist Newey bereits voll in die Entwicklung des 2026er-Autos involviert. Komponenten wie das Aufhängungs-Layout, das man während der Saison nicht ändern kann, sind der Schlüssel: "Wenn die passen, dann können wir Verkleidung, Flügel und dergleichen noch immer im Saisonverlauf entwickeln."
Zu 99 Prozent liegt sein Fokus auf dem 2026er-Auto. Mit der 2025er-Gruppe isst er aber üblicherweise zu Mittag: "Wir diskutieren interne Ergebnisse, die von den Fahrern gemeldeten Schwächen und so weiter. Ich biete meine Gedanken an, aber das war's auch schon." Neweys Urteil seit seinem Dienstantritt im April: Die interne Kooperation muss auch noch besser werden.



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