Rennfahrer sind von Natur aus egoistisch. Die Formel 1-Geschichte liefert genügend Beispiele: Hamilton gegen Rosberg, Mansell gegen Piquet oder Senna gegen Prost. Letztere lieferten sich in der Saison 1988/89 eines der legendärsten teaminternen Duelle. Trotzdem lässt McLaren Lando Norris und Oscar Piastri weiterhin frei fahren. Doch ist McLarens Anstrengung, mit den "Papaya-Rules" für einen fairen WM-Kampf zu sorgen, der aus Piastri und Norris am Ende keine Feinde macht, eine Mission Impossible?

"Jeder kennt die Geschichte von Ayrton Senna und Alain Prost und ihre Rivalität genauso wie die Geschichten anderer Rivalen abseits von McLaren", erklärte Piastri und fügte hinzu: "Wir haben alle gesehen, wie es schiefgehen kann, aber wir haben viele Gründe, dafür zu kämpfen, dass es nicht schiefgeht." Der Australier führt seit Saudi-Arabien die Fahrerwertung an. Der Vorsprung auf Norris? Mal größer, mal kleiner. Aktuell trennen die McLaren-Piloten neun Punkte - bei noch zehn ausstehenden Rennen.

Rennfahrer sind Alphatiere

"Lando und ich verstehen uns gut. Wir arbeiten seit drei Jahren sehr professionell zusammen, aber wenn wir den Helm aufsetzen und auf die Strecke gehen, wollen wir den anderen schlagen. Denn nur einer kann Weltmeister werden", sagte Piastri. Und auch Lando Norris stellte schon 2024 im Titelduell mit Max Verstappen klar: "Ich will alle anderen 18 schlagen, ich will unter Beweis stellen, dass ich da draußen der beste Fahrer bin. So will ich Champion werden, nicht anders." Rennfahrer sind eben Alphatiere und früher oder später übernimmt das Streben, der Beste zu sein die Oberhand.

Norris vs. Piastri - Danner: Müssen mit Crash rechnen! (06:21 Min.)

In der Geschichte ging damit auch einher, dass sich die Beziehung zwischen den Konkurrenten alias Teamkollegen verschlechterte - entweder durch einen Zwischenfall auf der Rennstrecke oder einfach als Folge der angespannten WM-Situation. Auch F1-Experte Christian Danner ist überzeugt, dass es in der zweiten Saisonhälfte bei McLaren noch krachen wird. Es wäre nicht das erste Mal, dass die "Papaya-Rules" aus dem Fenster geworfen wurden. "Kanada war die rote Linie. Das ist eine Grenze, die wir nicht überschreiten wollen. Das ist uns beiden als Fahrern bewusst", betonte Norris.

F1-Titelkampf spitzt sich zu

Der Brite ist sich bewusst, dass es viele Leute im Hintergrund gibt, die hart arbeiten, damit er und sein Teamkollege überhaupt die Möglichkeit haben, Rennen und Weltmeisterschaften zu gewinnen. "Wir überschreiten eine Grenze, wenn wir die Chance [auf den Sieg] wegen einer Dummheit verspielen", weiß Norris. Trotzdem ist deutlich zu erkennen, dass sich der Titelkampf zuspitzt. Immer öfter geraten beide in heikle Situationen – wie etwa im Freitagstraining.

Im Rennen kannte Piastri nur einen Gegner, und der war nicht der Führende Charles Leclerc, sondern der Teamkollege. Als es darum ging, die Strategie entweder auf einen Undercut Leclerc oder auf die Tyre-Delta-Zeit zu Norris auszurichten, lautete Piastris Antwort: "Leclerc interessiert mich nicht. Ich will die beste [Option], um Lando zu schlagen."

Bereits aus Oscar Piastris Antworten während der FIA-Pressekonferenz am Donnerstag in Ungarn war zu schließen, dass die Handschuhe auf der Strecke ausgezogen sind. "Wenn man ständig geschlagen wird, ist das kein Rezept für den Titel", stellte Piastri klar. Und diesen kann eben nur einer holen wie auch McLaren-Boss Zak Brown weiß. "Beide können die Meisterschaft förmlich riechen, aber nur einer kann sie gewinnen. Deshalb wird es für denjenigen, der den Titel nicht holt, sicher hart."