Opferte McLaren Oscar Piastri für den Sieg von Lando Norris? Dieser Frage ist nicht nur unser Florian in der Rennanalyse zum Ungarn-Grand-Prix nachgegangen, sondern auch Christian Danner. Seine Antwort auf die Frage ist ein klares Nein! Für ihn war es einfach Glück, dass Norris nach seinem verpatzten Start das 14. Formel 1-Saisonrennen auf dem Hungaroring gewonnen hat.

"Wenn du auf einer Strecke wie Ungarn am Start zwei Plätze verlierst, dann ist das Rennen, normalerweise, gelaufen. Dass McLaren bei Norris auf eine gegensätzliche Strategie zum Teamkollegen gesetzt hat, war reines Glück. Da kann man dem Team direkt keinen Vorwurf machen", sagte Danner im AvD Motorsport-Magazin.com Talk. Kritischer sah er die verklausulierten Funksprüche zwischen Norris und seinem Renningenieur William Joseph.

Funkspruch als Finte könnte Misstrauen schüren

Zu Beginn von Runde 18 funkte Joseph: "Wir glauben Plan A minus 5, Plan A minus 5." Norris' Antwort: "Ja, bestätigt. Meine Reifen sind erledigt." Am Ende der 18. Runde ging Oscar Piastri, der vorne lag und somit das Privileg hatte als Erster zu stoppen, an die Box und führte damit einen Undercut gegen den Führenden Charles Leclerc durch. Als Reaktion auf Piastri kam Leclerc in Runde 19 an die Box und auch George Russell folgte kurz darauf dem Beispiel der Führenden.

Somit hatte Lando Norris freie Bahn. In Runde 28 fragte Joseph seinen Fahrer, ob er sich für eine Ein-Stopp-Strategie begeistern könne. "Es wären dann 40 Runden auf dem harten Reifen." Norris überlegte nur kurz: "Ja, wieso nicht." Viele sahen darin eine Finte seitens der Box von Norris, um Piastri an die Box zu bringen. "Wenn ein Misstrauen zwischen der linken und rechten Box entsteht, dann wird es schwierig", weiß Danner. Genau hier komme Andrea Stella ins Spiel.

"Solange er das orchestriert und die Leute wissen, was passiert, dann ist das okay. Das schließt aber noch lange nicht aus, dass sich die Beiden irgendwann ordentlich ins Auto fahren. Nah genug dran waren sie ja auch in Budapest wieder", so Christian Danner. Geht es nach dem Ex-F1-Fahrer, dann bekommen die Fans in der zweiten Saisonhälfte definitiv noch einen Crash von Norris und Piastri zu sehen. "Wenn das so weitergeht, haben wir zu 100 Prozent mit einer leichten Verrohung der Sitten zu rechnen", ist der Deutsche überzeugt.

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Erste F1-Saisonhälfte - Norris der Glücklichere

Wer bei McLaren am Ende das Titelrennen für sich entscheidet, wird sich zeigen. Für Danner ist allerdings klar, dass Norris in der ersten Saisonhälfte definitiv mehr Glück hatte als Piastri. "Man muss ganz klar sagen, dass der Vorsprung [von Piastri] größer sein könnte. Aber normalerweise gleicht sich das über die Saison hinweg immer irgendwie aus", meinte Danner. Die Gewinner sind schon jetzt die F1-Fans, die in der zweiten Saisonhälfte einen spannenden Showdown erleben werden.

"Sie erleben, wie zwei fantastische Rennfahrer eine Situation erleben, in der der Druck von Rennen zu Rennen größer wird", sagte Danner. Entscheidend sei es in dieser Situation, ruhig und konzentriert zu bleiben und an der Herausforderung zu wachsen. "Damon Hill hat mir erzählt, wie sehr er an Michael Schumacher gewachsen ist, weil dieser ihn dermaßen unter Druck gesetzt und die Messlatte höher gesetzt hat. Da musste er nachlegen – dass er das konnte, hat ihn selbst im Nachhinein verwundert. Auch Mika Häkkinen ging es gleich und genau das macht die Faszination der F1 aus", betonte Danner.