Oscar Piastri unterlag beim Formel-1-Rennen in Ungarn ausgerechnet seinem Teamkollegen und Titelrivalen Lando Norris. Der McLaren-Pilot scheiterte mit einer 2-Stopp-Strategie gegen den 1-Stopper, was allen Prognosen des bisherigen Wochenendes widersprach. Pirelli war nämlich immer davon ausgegangen, dass zwei Reifenwechsel die bessere Wahl seien. Erst recht, da es in der Nacht vom Samstag auf Sonntag geregnet hatte, und somit das Gummi auf der Strecke weggespült worden war.
Auch McLaren hatte eigentlich mit zwei Stopps gerechnet, wie Teamchef Andrea Stella nach dem Rennen zugab. "Unsere heutige Basisstrategie war eine Zwei-Stopp-Strategie. Wir hielten einen einzigen Stopp nicht unbedingt für möglich", gab der Italiener zu. Diese Fehlkalkulation kam Piastri teuer zu stehen und kostete ihm rückblickend betrachtet wertvolle WM-Punkte.
Oscar Piastri: Ich weiß nicht, ob das die richtige Entscheidung war
So zweifelte Piastri im Ziel, ob der frühe erste Stopp so zielführend gewesen sei. "Ich weiß nicht, ob es letztendlich die richtige Entscheidung war, den Undercut gegen Leclerc zu versuchen", rätselte er. Bereits in Runde 18 war Piastri erstmals an die Box abgebogen. Zu diesem Zeitpunkt lag er 2,4 Sekunden hinter dem zu diesem führenden Ferrari-Fahrer. Nach dem Boxenstopp von Leclerc waren es immer noch 1,3 Sekunden.
"Seine [Oscars, d. Red] Reifen begannen im ersten Stint etwas zu leiden. Es war unklar, wie stark der Undercut sein würde, aber es war einen Versuch wert", verteidigte Stella die strategische Marschroute seines Teams. Der relativ frühe Stopp-Zeitpunkt war aber entscheidend für den späteren Rennverlauf, denn so gab es für Piastri kaum mehr eine Alternative zur 2-Stopp. "Wir hätten strategisch etwas anders machen sollen, aber das ist im Nachhinein leicht zu sagen", wollte Piastri sein Team nicht zu stark in die Mangel nehmen.
"Ich denke, wir mussten etwas versuchen, um Charles Leclerc zu schlagen. Denn es war nicht klar, dass wir genug Pace hatten, um einfach an ihm vorbeizufahren", ist sich Piastri bewusst. Dass sich das Problem Leclerc von selbst erledigen würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar. Der Monegasse musste mit einem Schaden am Chassis stark rausnehmen und fiel schließlich noch bis auf die vierte Position zurück. Mehr dazu hier:
Beim zweiten Stopp probierte es McLaren dann anders und holte Piastri vier Runden nach Leclerc rein, um mit Reifendelta den Ferrari zu knacken. Ob das unter normalen Umständen funktioniert hätte, lässt sich aufgrund des Schadens von Leclerc kaum sagen. So war er aber nur eine kleine Hürde auf dem Weg zu einem McLaren-Duell auf den letzten Runden.
Oscar Piastri setzt alles auf eine Karte – und kommt trotzdem nicht vorbei
"Ich wusste, dass es extrem schwierig werden würde. Denn knapp heranzukommen ans Auto davor ist eine Sache, aber zu Überholen ist eine komplett andere Geschichte", sagte Piastri dazu. In Runde 65 erreichte Piastri das DRS-Fenster von Lando Norris. "Sobald ich nah dran war, war es unglaublich schwierig nah genug dran zu bleiben", beschrieb er aber sein darauffolgendes Problem.
"Es gibt so viele Kurven im mittleren Sektor, dass man in manchen Fällen fast das Gefühl hat, einige Kurven besser zu erwischen, um dann in der nächsten Kurve den Preis dafür zu zahlen, weil man noch näher dran ist. Und dann erst die langen Kurven am Ende der Runde, die machen jeglichen Abtrieb zunichte."

McLaren-Pilot Lando Norris gewinnt vor Teamkollege Oscar Piastri den Ungarn Grand Prix auf dem Hungaroring
In Runde 69 warf er noch einmal alles in die Waagschale mit einem späten Bremsmanöver in Kurve 1, bei dem er Norris beinahe ins Heck fuhr. Ein Fehler, der eine erfolgversprechendere Attacke später verhinderte? "Nicht sehr, denn ich konnte die Lücke schnell wieder schließen", so der Australier. " Man sollte niemals eine Gelegenheit ungenutzt lassen, von der man glaubt, dass sie sich nie wieder bieten wird. Also musste ich es einfach versuchen", ist er überzeugt.
"Ich bin ziemlich überzeugt davon, dass es nichts geändert hätte, wenn ich noch eine Runde gewartet hätte", erklärte er weiter. Auch mehrere zusätzliche Runden hätten keinen Unterschied gemacht, glaubt Piastri. Denn näher als sechs bis sieben Zehntel konnte er sich aufgrund der verwirbelten Luft nicht an Norris heransaugen. Doch dieser Abstand reichte nicht um an der 800 Meter langen Start-Ziel-Gerade und der folgenden DRS-Gerade vor Kurve 2 eine Chance zu haben.
Wie endete das Formel-1-Rennen in Ungarn auf allen Positionen. Hier das Ergebnis:



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