Ducati hat kurz vor Beginn der Sommerpause endlich Klarheit geschaffen. Gresini bleibt noch "mehrere Jahre" Kundenteam von Borgo Panigale und auch VR46 hat den auslaufenden Vertrag bis Ende 2029 verlängert. Das wurde am Rande der World Ducati Week in Misano von beiden Rennställen offiziell bestätigt. Noch mindestens drei weitere Jahre wird Ducati also sechs MotoGP-Fahrer in den eigenen Reihen haben: Zwei im Werksteam und vier bei den beiden Kundenteams. Doch auf welchem Material werden Marc Marquez und Co. in der kommenden Saison unterwegs sein?

Neue Generation MotoGP-Bikes sorgt für logistische Probleme bei Ducati

Das ist durchaus eine spannende Frage, denn 2027 startet die MotoGP bekanntlich in ihre neue Ära. Aero-beschnittene Motorräder ohne Ride-Height-Devices, aber mit 850cc-Motoren und Pirelli-Reifen sind der neue Standard. Da kann das bewährte Prinzip der letzten Jahre - Ducati rüstete stets einige Fahrer mit aktuellen und einige mit Vorjahresmaschinen aus - nicht mehr zur Anwendung kommen. Denn 2027 darf unter neuem Reglement natürlich kein Fahrer mehr mit einem Motorrad aus der aktuellen 1000er-Generation an den Start gehen. Gibt es 2027 also erstmals gleich sechs Werks-Ducatis im Grid zu sehen?

MotoGP-Stars betteln um Erfahrung für '27: Comeback der 1000er? (08:08 Min.)

Ja - und nein. Wie VR46 und Gresini im Rahmen ihrer Vertragsverlängerungen mit Ducati bekanntgaben, werden zum Auftakt der MotoGP-Saison 2027 tatsächlich alle sechs Ducati-Piloten auf einer Desmosedici GP27 an den Start gehen. Danach trennt sich aber sozusagen die Spreu vom Weizen. Denn im weiteren Saisonverlauf werden nur vier der sechs Piloten fortlaufend mit Updates versorgt, während die anderen zwei die Saison 2027 mit jenem Motorrad beenden werden müssen, mit dem sie sie auch begonnen haben.

Zu den vier Piloten, die fortlaufend mit Updates versorgt werden, zählen natürlich die beiden Werkspiloten Marc Marquez und Pedro Acosta. So weit, so logisch. Durchaus überraschend ist aber, wie die anderen beiden Werksmotorräder vergeben werden. Denn VR46 bleibt auch nach der Vertragsverlängerung das rangoberste Ducati-Kundenteam. Diesen Status haben sie 2025 nach dem Pramac-Wechsel zu Yamaha übernommen.

Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio fahren 2026 aktuelle Ducatis, Foto: VR46 Media
Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio fahren 2026 aktuelle Ducatis, Foto: VR46 Media

Das würde zunächst einmal darauf schließen lassen, dass VR46 in der nächsten Saison den Vorrang vor Gresini habe und die beiden Piloten von MotoGP-Ikone Valentino Rossi die letzten beiden Werksmotorräder erhalten müssten. Das wäre schließlich auch 2026 schon der Fall gewesen. Alex Marquez fährt in der laufenden Saison nur deshalb eine GP26, weil VR46 freiwillig auf eine Beförderung für Franco Morbidelli verzichtete.

Ducati teilt auf: 2027 je ein Werksmotorrad für VR46 und Gresini

Tatsächlich wird es 2027 aber keine zwei Werksmotorräder für VR46 geben. Stattdessen wird nur ein Pilot in Neongelb im Verlauf der kommenden Saison mit Updates versorgt. Wie Gresini verriet, wird nämlich auch ihr Neuzugang Joan Mir ein Werksmotorrad erhalten. Warum dem so ist, ist nicht bekannt. VR46 könnte aus Kostengründen erneut auf ein zweites Werksmotorrad verzichtet haben, Gresini im neuen Vertrag mit Ducati aber schlicht auch eine 1:1-Aufteilung der Werksmotorräder unter den Kundenteams ausgehandelt haben. Sicher ist nur: Mir erhält 2027 im Saisonverlauf das gleiche Material wie Marquez und Acosta, während Teamkollege Daniel Holgado seine Rookie-Saison ohne Updates über die Bühne bringen wird müssen.

Noch unklar ist unterdessen, welcher Fahrer bei VR46 den Vorzug erhalten wird. Es darf ob seiner zweijährigen MotoGP-Erfahrung aber davon ausgegangen werden, dass Fermin Aldeguer 2027 Werksmaterial erhalten wird, während Nicolo Bulega vermutlich ohne Updates auskommen muss. Theoretisch könnten die Rollen aber auch getauscht werden, denn Bulega ist als Ducati-Testfahrer immerhin schon fleißig an der Entwicklung der Desmosedici GP27 beteiligt und kennt aus der Superbike-WM auch die Pirelli-Reifen bestens. Seine Chancen, 2027 stark zu performen, stehen also auch alles andere als schlecht. Die offizielle Verkündung der beiden VR46-Fahrer für 2027 könnte mehr Licht ins Dunkel bringen. Sie ist zeitnah zu erwarten.

Fermin Aldeguer oder Nicolo Bulega: Wen würdet ihr lieber auf einer Werks-Ducati sehen? Und was traut ihr Joan Mir und Daniel Holgado mit ihren jeweiligen Paketen in der kommenden Saison zu? Sagt es uns in den Kommentaren!