Das Ferrari-Werksteam kam nach vier aufeinanderfolgenden Siegen beim fünften WEC-Lauf in Sao Paulo ordentlich unter die Räder. Der #51 499P (Pier Guidi, Giovinazzi, Calado) und das Schwesterauto mit der Startnummer #50 (Fuoco, Molina, Nielsen) verpassten die Punkteränge auf den Plätzen elf und zwölf. Allein die frischgebackenen Le-Mans-Sieger Robert Kubica, Yifei Ye und Phil Hanson im privaten AF-Corse-Ferrari retteten die Ehre der Italiener mit P8.
Ausschlaggebend für Ferraris mangelnde Performance waren die vieldiskutierten BoP-Einschränkungen - 12 Kilogramm mehr Gewicht und 12 PS weniger Leistung als in Spa - aber auch mehrere Strafen und Entscheidungen der Rennleitung spielten eine Rolle. Ein großes Thema bei den Italienern, die mit den Regelhütern um Race Director Eduardo Freitas auf direkten Konfrontationskurs gingen.
Ferrari: Rennen wegen Rennleitung-Ansage zerstört
Im Fokus von Ferraris Beschwerden: Die #50 musste auf Ansage der Rennleitung nach einer leichten Kollision einen ungeplanten Boxenstopp einlegen, um aus Sicherheitsgründen die lädierte Heckpartie reparieren zu lassen. "Das hat unser Rennen zerstört", wurde Ferraris Renn- und Test-Teammanager Giuliano Salvi während einer Medienrunde von Sportscar365 zitiert. "Es war eine sichere Situation, weil es sich nur um einen Kotflügel handelte, der sich gelöst hatte. Aber die Rennleitung hat anders entschieden und das Rennen der Nummer 50 komplett ruiniert."
In der 100. von 242 Runden kollidierte #50 Fahrer Nicklas Nielsen bei einer Überrundung mit der #33 TF Sport Corvette von Ben Keating. Der US-Amerikaner zog in Kurve 3 leicht nach links, um sich gegen einen McLaren zu verteidigen, übersah dabei aber offenbar den auf der Innenbahn heranstürmenden Nielsen. Dessen Ferrari verlor infolge des Kontakts ein Seitenteil rechts am Heck, konnte die Fahrt aber fortsetzen.
Nach einer kurzen Full-Course-Yellow-Phase, um das Ferrari-Teil von der Strecke zu entfernen, verlangte die Rennleitung in Runde 103 von der #50, das beschädigte Heck an der Box reparieren zu lassen. Genau in jener Runde, in der Nielsen die Bestzeit seiner Crew erzielt hatte. Der ungeplante Reparatur-Stopp (Runde 104) passte überhaupt nicht in die Strategie der #50, die ihren ersten Service-Stopp zuvor in Runde 78 absolviert hatte. Der nächste Boxenstopp wäre vermutlich erst um die 120. Runde herum fällig gewesen.
Ferrari vs. Corvette: Die Kollision im Video:
Molina kritisiert: "Aus unserer Sicht keine faire Entscheidung"
Unfall-Verursacher Keating erhielt eine 10-Sekunden-Zeitstrafe - seine zweite innerhalb kurzer Zeit - doch das half dem Ferrari natürlich nicht. "Das war aus unserer Sicht keine faire Entscheidung, weil das Auto komplett sicher war und keine Probleme hatte", fand Nielsens Teamkollege, der Spanier Miguel Molina. "Das hat unser Rennen definitiv eingeschränkt."
Nielsen belegte zum Zeitpunkt der Corvette-Kollision den neunten Platz. Ferrari-Manager Salvi war überzeugt, dass die #50 ohne den unplanmäßigen Stopp etwa zur Rennhalbzeit in die Punkteränge gefahren wäre. Beim Zieleinlauf hatten beide Werks-Ferrari drei Runden Rückstand auf den siegreichen #12 Cadillac sowie einen Umlauf Rückstand auf den Zehntplatzierten Proton-Porsche.
Salvi hätte sich den Ablauf anders gewünscht: "Wir wissen, dass dieses Teil aerodynamisch ziemlich unempfindlich ist. Es handelt sich eher um eine Verkleidung, also etwas zum Abdecken und Schützen. Was die Performance betrifft, haben wir weder einen Gewinn noch einen Verlust festgestellt. Wir hätten die Situation daher beim nächsten Boxenstopp bewertet. Wenn zum Beispiel ein Kabel ungeschützt gewesen wäre, hätten wir den Wechsel vorgenommen. Aber wenn nichts ungeschützt gewesen wäre - und es war nichts ungeschützt - dann wäre es eine reine Bewertungssache gewesen."
Calado kann Durchfahrtstrafe nicht nachvollziehen
Während der #50 Ferrari im Rennen einstecken musste, teilte die #51 aus: Eine halbe Stunde vor dem Zieleinlauf drängte Alessandro Pier Guidi den #99 Proton-Porsche in Kurve 3 unsanft von der Strecke und kassierte dafür eine Durchfahrtstrafe. "Das kann ich ehrlich gesagt nur schwer nachvollziehen", haderte Ferrari-Fahrer James Calado mit dem Strafmaß. Zuvor wurde die #51 bereits mit einer 5-Sekunden-Zeitstrafe belegt, weil der Brite beim Start falsch durch die Startbox gefahren war.
Calado und seine Teamkollegen Pier Guidi sowie Antonio Giovinazzi (hat vor Kurzem seinen Vertrag bei Ferrari verlängert) führen die WM-Tabelle trotz der Sao-Paulo--Pleite weiter an. Die #51 Crew liegt mit 105 Punkten an der Spitze, gefolgt vom #83 AF-Corse-Ferrari (93 Punkte) und dem #12 Cadillac (68 Punkte). In der Hersteller-Wertung führt Ferrari mit 175 WM-Zählern ebenfalls vor Cadillac (120 Punkte).
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