Ferraris Siegesserie in der WEC ist gebrochen: Beim fünften Rennen der Saison 2025 in Sao Paulo setzte sich Cadillac durch. Der #12 Cadillac V-Series.R mit Schlussfahrer Norman Nato und seinen Teamkollegen Alex Lynn sowie Will Stevens triumphierte auf dem brasilianischen Formel-1-Kurs. Für den US-Autobauer war es der erste Sieg in der Langstrecken-Weltmeisterschaft seit dem Hypercar-Einstieg 2023.

Wenn schon, denn schon: Das Cadillac-Werksteam Jota um Teamchef Dieter Gass verbuchte gar einen fulminanten Doppelsieg. Das #38 'Triple-B-Auto' um Jenson Button, Sebastien Bourdais und Earl Bamber erreichte mit 57 Sekunden (!) Rückstand den zweiten Platz. Der Porsche 963 mit der Startnummer #5 (Christensen, Andlauer) komplettierte das Podium als Dritter. Julien Andlauer machte in den Schlussminuten Jagd auf Cadillac-Pilot Bourdais, am Ende fehlten nur 1,8 Sekunden.

Ferraris WEC-Siegesserie beendet! Mick Schumacher in Top-10 (07:39 Min.)

Cadillac triumphiert mit Ansage - Erstes WEC-Podest für Jenson Button

Der Caddy-Triumph bedeutet gleichzeitig, dass zum ersten Mal in der Hypercar-Ära ein anderer Hersteller als Ferrari, Toyota oder Porsche ein WEC-Rennen gewonnen hat. Es war ein Erfolg mit Ansage: Cadillac und Porsche galten als Favoriten, während vor allem Ferrari und Alpine nach zuletzt starken Ergebnissen ordentlich durch die Balance of Performance eingebremst worden waren.

Cadillac legte den Grundstein für seinen dominanten Auftritt in Sao Paulo im Qualifying: Alex Lynn hatte dem #12 V-Series.R seine zweite Pole Position in Folge nach Le Mans beschert. Diesmal machte sich der erste Startplatz bezahlt: Startfahrer Will Stevens verlor die Führung nach dem Start zwar kurzzeitig an Porsche-Pilot Julien Andlauer, doch nach 80 Runden hatten sich die beiden Cadillac den Porsche wieder geschnappt und sammelten fleißig Führungsrunden bis zum Zieleinlauf.

Angesichts der dominanten Pace der Cadillac tat selbst eine frühe Durchfahrtstrafe (zu geringer Reifendruck) für den #12 Cadillac nicht wirklich weh. "Wir sind selbst ein bisschen überrascht von unserer Pace im Vergleich zum Rest", musste Button eineinhalb Stunden vor dem Rennende lachen. "Heute ist Cadillac-Tag! Es war vor dem Rennen nicht einfach, die richtige Balance für die Autos zu finden, vor allem bei der #38. Aber so viel Spaß, das Auto zu fahren, hatte ich in dieser Saison noch nicht." Der frühere Formel-1-Weltmeister fuhr zum zweiten Mal nach 2018 in seiner WEC-Karriere auf das Podium.

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Gegen die Cadillac war in Interlagos kein Kraut gewachsen, Foto: IMAGO/PsnewZ

Flug-Drachen sorgen für zwei Full-Course-Yellow-Phasen

Das sechsstündige Rennen war vorrangig durch die Boxenstopp-Strategie geprägt. Nach einer halbwegs turbulenten Startphase mit mehreren Überholmanövern, konzentrierten sich die Teams in der Folge auf ihre eigenen Rundenzeiten. Es galt, die Medium-Reifen von Michelin auf dem neuasphaltierten Kurs, der entgegen dem Uhrzeigersinn befahren wird, optimal über die Distanz zu bringen. Die Hierarchie zwischen den Herstellern war effektiv nach zwei Rennstunden geklärt.

Mit Ausnahme vier kurzer Full-Course-Yellow-Phasen ging das Rennen 'glatt' über die Bühne. Kurios: Zwei der FCY-Phasen resultierten aus herumflatternden Papier-Flugdrachen, die sich mitten auf der Strecke breitgemacht hatten.

LMGT3-Klasse bietet Spektakel bis zum Zieleinlauf

Deutlich abwechslungsreicher lief es diesmal in der LMGT3-Klasse ab, die in der Livestream-Übertragung so viel Sendezeit erhielt wie wohl nie zuvor. Hier ging der Sieg an den #87 Lexus RC-F GT3 (Lopez, Schmid, Umbrarescu) um den Österreicher Clemens Schmid vor der #81 TF Sport Corvette (Van Rompuy, Andrade, Eastwood). Lokalmatador Eduardo Barrichello im #10 Aston Martin und Manthey-Porsche-Pilotin Rahel Frey lieferten sich bis zuletzt ein atemberaubendes Duell um den dritten Platz, aus dem der Rennfahrersohn erfolgreich hervorging. Eine vorherige Durchfahrtstrafe kostete den Damen-Porsche um Frey, Michelle Gatting und Celia Martin wohl das erste Podium.

Sao Paulo: Cadillac-Duo vor zwei Porsche - Magnussen-BMW im Pech

Zurück zu den Hypercars: Hinter den beiden Cadillac fuhren die beiden Werks-Porsche auf die Plätze drei und vier. Während Andlauer in der #5 versuchte, gegen die US-Konkurrenz zu kämpfen, mussten sich die amtierenden Weltmeister Laurens Vanthoor und Kevin Estre im #6 Porsche zu Beginn gegen Peugeot (P6 und P7) wehren - mit Erfolg, wenn auch mit einer Runde Rückstand auf das Cadillac-Duo.

Die gebeutelten Franzosen lagen mit dem #94 9X8 (Duval, Jakobsen) bis 7 Minuten vor Schluss auf dem guten fünften Rang, bis Sheldon van der Linde im #20 BMW dazwischenfunkte und Loic Duval P5 abluchste. Der Münchner Prototyp mit den drei DTM-Champions - Marco Wittmann ersetzte den wegen der Formel E verhinderten Robin Frijns - setzte zu Beginn auf eine Spritspar-Strategie und profitierte später von einem kurzen letzten Boxenstopp samt Undercut.

Der Schwester-BMW (D. Vanthoor, Marciello, Magnussen) fiel schon früh wegen eines Problems mit dem Bremssystem zurück: Der ehemalige Formel-1-Pilot Kevin Magnussen musste bereits in Runde 7 die BMW-Garage ansteuern und verlor dort 18 Runden.

Ferrari geht nach BoP-Klatsche baden - Toyota chancenlos

Ferrari ging in Folge der BoP-Klatsche - 12 Kilogramm mehr Gewicht und 12 PS weniger Leistung - erwartungsgemäß baden - nach zuvor vier Siegen in Folge. Die Ehre der Italiener verteidigte wieder einmal der private AF-Corse-Ferrari um die frischgebackenen Le-Mans-Sieger Robert Kubica, Yifei Ye und Phil Hanson. Der chinesische Schlussfahrer Ye lief mit 2 Runden Rückstand auf dem achten Platz ein.

Die beiden Werks-Ferrari kamen nach einem schwachen Qualifying aus eigener Kraft nur bedingt nach vorne und belegten die Plätze elf (#51 mit Pier Guidi, Giovinazzi, Calado) und zwölf (#50 mit Fuoco, Molina, Nielsen). Obendrein musste die #50 nach einem unverschuldeten Kontakt mit einer GT3-Corvette auf Ansage der Rennleitung einen ungeplanten Boxenstopp einlegen, um die beschädigte Heckpartie reparieren zu lassen. Die #51 kassierte 17 Minuten vor Schluss noch eine Durchfahrtstrafe.

Noch ärger erwischte es Toyota, die zusammen mit Ferrari die schwersten Autos (1.069kg) im Feld stellten. Der #7 GR010 Hybrid (Conway, Kobayashi, De Vries) und das Schwesterauto (Hartley, Hirakawa) in Abwesenheit des viermaligen Le-Mans-Siegers Sebastien Buemi (fuhr Formel E in Berlin) belegten nur die Plätze 14 und 15. Im vergangenen Jahr noch absolut dominant in Sao Paulo unterwegs und siegreich mit der #8, fuhr Toyota diesmal von Beginn an chancenlos hinterher.

Mick Schumacher und Alpine unauffällig in die Punkte

Für Alpine gab es nach zuvor zwei Podestplätzen in Imola und Spa diesmal nichts zu holen. Mick Schumacher führte den von P15 gestarteten #36 Alpine A424 (Schumacher, Gounon, Makowiecki) unauffällig zum neunten Platz. Den Franzosen fehlte in Sao Paulo eindeutig die nötige Pace für ein besseres Ergebnis. Die #36 sorgte nur beim Start für Furore, als Fred Makowiecki drei Positionen gutmachte und sich mitreißende Kämpfe mit einem Aston Martin und dem #8 Toyota lieferte.

Schumacher übernahm den Alpine erstmals zwei Stunden vor Schluss und etablierte sich am unteren Ende der Top-10. Kein Glück hatte der Schwester-Alpine um Ferdinand Habsburg. Der Österreicher musste seinen #35 Alpine A424 nach nur 27 Runden wegen eines Hybrid-Problems in der Garage parken. Die Reparaturarbeiten kosteten 40 Runden Zeit.

Die WEC begibt sich nun in eine siebenwöchige Sommerpause. Das sechste von acht Saisonrennen steigt am 07. September 2025 auf dem Circuit of the Americas in Austin.