Drei Pole Positions und vier Siege nach den ersten vier Rennen der WEC -Saison 2025: So lautet die überragende Bilanz von Ferrari in der Langstrecken-Weltmeisterschaft. Beim fünften Lauf in Sao Paulo am heutigen Sonntag (Start um 16:30 Uhr MEZ - So kannst du das Rennen im Free-TV und Livestream sehen!) droht die Serie allerdings zu platzen.
Die beiden Werks-Ferrari scheiterten im Qualifying bereits in der ersten Phase und verpassten den Einzug in die Hyperpole-Session, also die Runde der Top-10. Der #50 499P mit Qualifying-Rakete Antonio Fuoco landete nur auf Platz 14, das #51 Schwesterauto mit Antonio Giovinazzi gar auf P17. Einzig der gelbe Ferrari von AF-Corse mit den frischgebackenen Le-Mans-Siegern Robert Kubica, Yifei Ye und Phil Hanson kämpfte sich in die Hyperpole, wo Platz neun für den Polen das Maximum war.
Ferrari am deutlichsten von BoP eingebremst
"Mit den Änderungen, die man für das Rennen vorgenommen hat, war das zu erwarten", spielte #50-Fahrer Nicklas Nielsen auf die Ferrari einbremsende Balance of Performance an. "Um zu gewinnen, bräuchten wir ein Wunder. Es wird schwierig für uns, andere Autos auf der Strecke zu überholen."
Ferrari war nach den bisher so dominanten Auftritten - vor allem in Le Mans - der große Verlierer bei der BoP-Einstufung für Sao Paulo. Alles andere hätten die WEC-Verantwortlichen der hinterherfahrenden Hersteller-Konkurrenz auch kaum verkaufen können... Auf dem brasilianischen Formel-1-Kurs fahren die drei Ferrari 499P mit 12 Kilogramm Zusatzgewicht und 12 PS weniger Leistung (jetzt 652 PS).
Mit 1.069 Kilo stellen Ferrari und Toyota die schwersten Autos im Feld der 18 Hypercars. Zum Vergleich: Neueinsteiger Aston Martin und Peugeot fahren mit 1.030 Kilogramm am unteren Limit und mit 707 PS am oberen Rand des BoP-Spektrums. "Wir wussten, dass uns ein hartes Wochenende bevorsteht, und im Qualifying hat sich das bestätigt", sagte der letztjährige Le-Mans-Sieger Fuoco stellvertretend für seine Teamkollegen Miguel Molina und Nicklas Nielsen.
Die BoP-Änderungen beziehen sich übrigens nicht auf das vorangegangene Rennen, die 24 Stunden von Le Mans, sondern auf den vorherigen Lauf im belgischen Spa-Francorchamps Mitte Mai. Zur Erklärung: Für das Saisonhighlight in Le Mans erstellen die Verantwortlichen eine ganz eigene BoP, losgelöst von den weiteren WEC-Rennen. In die Balance of Performance fließen seit dieser Saison die zwei besten Leistungen aller Hersteller aus den letzten drei Rennen - exklusive Le Mans - ein.
Ferrari-Star Giovinazzi hadert mit eigener Leistung
Der Italiener Fuoco verlor im Qualifying zwar etwas Zeit in der letzten Kurve aufgrund von Verkehr, "aber es wäre schwierig gewesen, eine bessere Startposition herauszufahren". Markenkollege Giovinazzi, der seinen Vertrag bei Ferrari vor Kurzem verlängert hat, haderte ebenso: "Heute war der erwartet schwierige Tag angesichts unserer Pace. Persönlich bin ich etwas enttäuscht, weil mir keine optimale Runde gelungen ist."
Ein Ferrari-Sieg in Brasilien käme tatsächlich, wie von Nielsen beschrieben, einem "Wunder" gleich. Schon 2024 spielten die Italiener bei der Interlagos-Rückkehr nach zehn Jahren Abwesenheit nur die dritte Geige. Toyota dominierte das Geschehen, der #8 GR010 Hybrid (Hartley, Hirakawa, Buemi) gewann mit mehr als einer Minute Vorsprung. Weil das Schwesterauto eine Strafe kassierte, staubte Porsche die beiden weiteren Podestplätze ab.

Sao Paulo: Toyota und Porsche hoffen auf WM-Aufholjagd
Toyota fuhr 2024 beim 6-Stunden-Rennen in Sao Paulo ausschließlich mit den Medium-Reifen von Michelin, während viele Konkurrenten auch die Hart-Mischungen probierten. Auf dem nun neuasphaltierten Kurs dürften die Mediums diesmal die vorherrschende Wahl im Starterfeld sein, was Ferraris Strategie-Möglichkeiten zusätzlich einschränkt.
Sao Paulo könnte Toyota und Porsche nun die perfekte Chance bieten, um in der WM-Tabelle einiges an Boden gutzumachen auf Spitzenreiter Ferrari. Bei noch vier ausstehenden Rennen führt die Scuderia mit 172 Punkten, dahinter folgen die amtierenden Marken-Weltmeister von Toyota (95 Punkte) und Porsche (84). Wichtig zu wissen: Porsche errang in Le Mans dank Platz zwei mit 70 Zählern die meisten aller Hersteller, weil Ferrari wegen des Sieges der privaten AF-Corse-Mannschaft um Kubica nur 36 Punkte einsackte.



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