Die Österreicher mischen die Langstrecken-Weltmeisterschaft auf! Während Porsche-Veteran Richard Lietz mit Manthey die Fahrer- und Team-Meisterschaft in der LMGT3-Klasse erfolgreich verteidigte, schloss sein Landsmann Clemens Schmid das Saisonfinale in Bahrain mit einem Klassensieg ab. Der 35-Jährige triumphierte beim 8-Stunden-Rennen im #87 Lexus RC F GT3, den er sich mit Platin-Fahrer Jose Maria Lopez und Amateur-Pilot Petru Umbrarescu teilt.

Schmid, Lopez und Umbrarescu machten es spannend: Der Vorsprung des Lexus-Trios auf den Zweitplatzierten Iron-Lynx-Mercedes betrug nach 216 Runden nur 0,786 Sekunden. Eine späte Safety-Car-Phase hatte das Feld 50 Minuten vor dem Zieleinlauf noch einmal zusammengeführt, nachdem Schmid und Co. zuvor zeitweise mit rund 30 Sekunden Vorsprung führten.

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Schmid nach zweitem WEC-Sieg: "Mit dem Oldtimer hat keiner gerechnet"

Für Schmid war es der zweite Saisonsieg nach Sao Paulo - und das schlug sich in der Gesamtwertung nieder: Der frühere DTM-Pilot und seine Teamkollegen belegten hinter Manthey-Porsche und AF-Corse-Ferrari den dritten Platz in der LMGT3-Meisterschaft. Ein starker Auftritt von Schmid, der seine erste volle Saison in der WEC bestritten hat.

"Im Nachhinein betrachtet hätten wir gegen Richard (Lietz) um die Gesamtmeisterschaft kämpfen können, wenn wir nicht dreimal mit Ausfällen heimgefahren wären", sagte Schmid in Bahrain zu Motorsport-Magazin.com. "Aber im Großen und Ganzen war es eine Wahnsinns-Saison. Ich glaube, mit dem 'Oldtimer' hat keiner gerechnet. So, wie es mit dem Auto letztes Jahr gelaufen ist, musste man auch Zweifel haben."

Tatsächlich ist der Lexus RC F GT3 das älteste Modell im Feld der acht LMGT3-Marken und fährt schon seit 2015 Rennen. Ein Nachfolger aus dem Hause der Toyota-Tochter wird erst zur Saison 2027 erwartet. Sicherlich war der Lexus dieses Jahr vorteilhaft in der Balance of Performance eingestuft, wie auch die Leistungen des Schwesterautos unterstrichen: Hier sammelte das deutsche Nachwuchstalent Finn Gehrsitz zwei Pole Positions und abschließend den neunten Platz in der Gesamtwertung. Gehrsitz und Co. führten das Rennen in Bahrain von der Pole für eine Weile an, bis ein Elektrik-Problem zum technischen K.o. führte.

"Wir haben uns danach einmal gegenseitig die Meinung gegeigt"

Auch bei der Konkurrenz war man sich sicher: Lexus hätte ein gehöriges Wörtchen bei der Titelvergabe mitsprechen können. Allerdings leistete sich der Akkodis-ASP-Rennstall um Teamchef Jerome Policand zu viele Fehler bei den Abläufen, hinzu kamen immer wieder technische Schwierigkeiten an den beiden Autos. Die #87 Crew ließ vor allem beim Saisonauftakt in Katar (früher Unfall von Umbrarescu) und in Imola (Mindestfahrzeit unterschritten, weitere Zeitstrafen) viele Punkte liegen.

"Katar war natürlich schade", bestätigte Schmid. "Der Ausfall hat unheimlich wehgetan, weil ich glaube, dort hätten wir viel besser abschneiden können. In Imola haben wir uns selbst ein Bein gestellt. Da waren wir sicher mit Abstand das schnellste Auto im Grid. Wir haben uns danach einmal gegenseitig die Meinung gegeigt - und dann sind weniger Fehler passiert."

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Hoch das Rosenwasser! Clemens Schmid hat Spaß auf dem Bahrain-Podium, Foto: IMAGO/PsnewZ

Lexus RC F GT3 und harte Goodyear-Reifen: Das passte!

Was dem Lexus, der 2024 zumeist unter ferner liefen fuhr, dieses Jahr perfekt in die Karten spielte, war die Einführung der neuen Hard-Mischung von Goodyear. Die Reifen mit den rot markierten Seitenwänden und besserer Haltbarkeit auf kritischen Strecken kamen erstmals in Sao Paulo sowie außerdem in Austin und Bahrain zum Einsatz - zwei der drei Rennen gewann der Schmid-Lexus. Das ASP-Team hatte sich bei Testfahrten intensiv auf die neue Mischung vorbereitet.

"Der Lexus hat konzeptionell einen erhöhten Reifenverschleiß auf der Vorderachse, und die harte Mischung hilft uns einfach, die Performance länger zu halten", erklärte Schmid. "2024 sind uns etwa in Sao Paulo die Reifen im Doppel-Stint komplett eingebrochen. Dieses Jahr konnten wir hingegen mithalten."

Ärgerlich allerdings aus Sicht von ASP-Lexus: Nach unserem Verständnis werden die Hart-Mischungen in der WEC-Saison 2026 nicht mehr zum Einsatz kommen. Stattdessen erhalten die Teams künftig größere Medium-Reifen-Kontingente, womit die bisher nötigen Doppel-Stints weitestgehend entfallen sollten. "Wir werden die roten Reifen vermissen", bestätigte Teamchef Policand nach dem Sieg in Bahrain.

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Der #87 Lexus gewinnt das WEC-Saisonfinale in Bahrain, Foto: IMAGO/PsnewZ

Schmid plant WEC-Zukunft - Kein Interesse an DTM-Rückkehr

Reifen hin oder her: Schmid kündigte an, nächstes Jahr wieder für das Lexus-Team in der WEC antreten zu wollen, für das er 2024 während in der laufenden Saison sein Debüt gegeben hatte. "Wieder WEC, gleiche Umstände", ließ der Tiroler durchblicken.

An einer Rückkehr in die DTM hat Schmid unterdessen kein Interesse, wie er süffisant anmerkte: "Die WEC macht unheimlich Spaß. Es gibt viele Dinge, die wesentlich positiver sind als in der DTM. Wenn man die Autos anschaut, ist da einfach ein anderes Budget vorhanden und es gibt andere Maßnahmen, um zu überwachen, dass alle Autos gleich sind..."