Porsche war mit Außenseiter-Chancen zum großen WEC-Saisonfinale nach Bahrain gereist, wollte sich vor dem angekündigten Werksausstieg aber gebührend mit einem weiteren WM-Titelgewinn verabschieden. Der Plan ging nicht ansatzweise auf. Der #6 Porsche mit den Titelverteidigern Kevin Estre, Laurens Vanthoor sowie Zusatzfahrer Matt Campbell, auf dem alle Teammitglieder vor dem Rennen zum Abschied unterschrieben hatten, fuhr von Beginn an chancenlos hinterher.
Vom 18. und damit letzten Platz ins 8-Stunden-Rennen gestartet, überquerte Schlussfahrer Estre die Ziellinie nur auf dem 13. Rang, bevor der Franzose endgültig die Lichter des Porsche 963 in der WEC ausknipste und den Motor abstellte. Für das Schwesterauto um Julien Andlauer, den scheidenden Porsche-Werksfahrer Mathieu Jaminet sowie Prototypen-Debütant Laurin Heinrich gab es mit P14 ebenfalls nichts Zählbares zu holen.
Porsche-Leiter Kuratle: "Wir waren einfach nicht im Spiel"
"Es war eines der schlechtesten Rennen von insgesamt 50 mit dem 963", sagte Porsches LMDh-Werksleiter Urs Kuratle zu Motorsport-Magazin.com. "Wir hatten uns eine bessere Renn-Pace erhofft, aber letztlich waren wir einfach nicht im Spiel. Das Team hat keine großen Fehler gemacht, aber wir hatten nicht das nötige Tempo."
Die beiden Werks-Porsche und der private 963 von Proton Competition hatten auf dem Reifen-kritischen Bahrain International Circuit an mit der schwachen Einstufung in der Balance of Performance zu kämpfen: Die LMDh-Porsche waren mit 1.069 Kilogramm die schwersten Autos im gesamten Hypercar-Feld und hatten nach einer 12-PS-Drosselung unterhalb der 250-km/h-Marke auch noch die geringste Motorleistung.

Porsche und Co. chancenlos - Ferrari: "Kein LMH-gegen-LMDh-Problem"
Überhaupt sahen alle LMDh-Autos gegen die LMH-Konkurrenz von Doppelsieger Toyota und den frischgebackenen Weltmeistern von Ferrari (Plätze drei bis fünf) keinen Stich: Beim Zieleinlauf belegte der bestplatzierte aller LMDh-Vertreter, der #12 Cadillac V-Series.R, mit 40 Sekunden Rückstand den sechsten Platz. Zeitweise fuhren alle neun LMH-Prototypen inklusive Aston Martin und Peugeot auf den vordersten Positionen.
"Ehrlich gesagt hatte ich erwartet, dass Porsche und Cadillac dichter dran sind", sagte Ferraris Technikchef Ferdinando Cannizzo. "Sie haben stellenweise Potenzial gezeigt, aber beim Reifen-Management passte etwas nicht. Sie litten stark unter dem Verschleiß. Am Stint-Beginn waren sie da, danach war es relativ leicht, sie zu überholen, sobald die Performance der Reifen abfiel - so mein Eindruck. Ich sehe kein grundsätzliches LMH-gegen-LMDh-Problem. Wir und Toyota haben das Reifen-Management am besten interpretiert."

Porsche verliert Vize-Weltmeisterschaft an Toyota
Ärgerlich aus Sicht von Porsche: Statt nach dem möglichen ersten WM-Titelgewinn in der Hersteller- und dem zweiten in der Fahrer-Meisterschaft zu greifen, zog am Ende Toyota mit seinem ersten Saisonsieg - und überhaupt Podium! - vorbei und eroberte den zweiten Gesamtplatz. In der abschließenden Fahrer-Tabelle fielen Estre und Vanthoor hinter das Ferrari-Trio um eine Position auf P4 zurück.
"Leider haben wir in den letzten 45 Minuten den zweiten Platz in der Hersteller-Weltmeisterschaft verloren und gegen Ende auch noch den dritten Platz in der Fahrer-WM", stellte Porsche-Mann Kuratle fest und spielte auf die späte Safety-Car-Phase nach dem Ausfall von BMW-Pilot Dries Vanthoor (loses Rad und dafür 5.000 Euro Geldstrafe) an, die vor allem den #50 und #83 Ferrari in die Karten spielte.
Damit versickerten die letzten Chancen auf ein gutes Ergebnis zum Abschluss von Porsches WEC-Programm, bevor der 963 nächstes Jahr nur noch in der IMSA-Serie werksseitig vertreten sein wird. Die #6 Crew ließ nur nach der ersten Rennstunde einen leichten Hoffnungsschimmer aufleuchten und kämpfte sich tapfer in Richtung der Top-10, bevor Campbell durch eine 10-Sekunden-Zeitstrafe (Unsafe Release beim Boxenstopp) zurückgeworfen wurde.
Kuratle: "Zu Beginn sah es so aus, als könnten wir vielleicht eine Rolle spielen, vor allem unter den heißen Bedingungen, mit denen alle zu kämpfen hatten. Aber als wir zum zweiten Stopp gingen und auf die Reifen aus dem Qualifying umsteigen mussten, haben wir sie einfach nicht zum Arbeiten bekommen. Das war praktisch der 'Killer-Moment' im Rennen."

Porsche-Team verabschiedet sich mit guter Reputation aus WEC
Le-Mans-Rekordsieger Porsche wird in der WEC schmerzlich vermisst werden, kann sich zum vorläufigen Abschied nach drei Jahren aber mit erhobenem Haupt verabschieden: Der Porsche 963 bleibt zunächst mit drei Siegen, 15 Podestplätzen, drei Pole Positions und dem letztjährigen Fahrer-Titelgewinn das erfolgreichste Rennauto der jungen LMDh-Generation. Nicht zu vergessen: Die Zuffenhausener spielten vor dem ersten Rennen 2023 auch das 'Technik-Versuchskaninchen' für das einheitliche Hybridsystem von Bosch und leisteten damit wichtige Arbeit.
"Wir werden weiter in IMSA unterwegs sein, aber für viele hier ist es auch ein trauriger Moment", sagte Kuratle, der gleichzeitig Ferrari zum Titelgewinn und einer "exzellenten Arbeit" gratulierte. "Du siehst die Tränen in den Augen der Jungs. Nicht wegen des Ergebnisses im Rennen, sondern, weil das Programm endet."
Kuratle weiter: "Leider wird das Team hier auseinanderfallen. Aber ich bin zuversichtlich, dass viele von ihnen neue Chancen im WEC-Paddock und gute Jobs finden werden. Der TV-Kommentator sagte am Ende des Rennens, dass diese Jungs keine Probleme haben werden, eine tolle Arbeit in der Boxengasse zu bekommen. Das ist wahr und schön, zu hören. Wir können uns mit einer guten Reputation verabschieden."
Kehrt Porsche vielleicht noch einmal in die Langstrecken-WM zurück, wenn der Konzern seine Krise überwinden kann? Titel-Gegner Ferrari ist überzeugt: Die Zuffenhausener mischen schon in Bälde wieder in der WEC mit:



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