"Mehr fahren, weniger reden." Diese vier Worte aus dem Mund von Ferrari-CEO John Elkann schallten am Montag wie ein Donnerhall durch die rote Motorsportwelt. Eine eindeutige Kritik an den fabulierenden Fahrern Lewis Hamilton und Charles Leclerc nach der jüngsten Brasilien-Pleite. Mehr noch: Elkann appellierte ebenso an das Teamgefüge des Formel-1-Teams und hob im Speziellen den Zusammenhalt des WEC-Werksteams hervor.

Wie gut geölt die Ferrari-Maschine in der Langstrecken-Weltmeisterschaft läuft, erlebte Elkann persönlich am vergangenen Wochenende in Bahrain. Nachdem wir gesehen hatten, wie der Ferrari-Boss das 8-Stunden-Rennen auf einem Campingstuhl in der Box verfolgte, feierte er später samt Nationalflagge in der Hand den Gewinn der Hersteller- und Fahrer-Weltmeisterschaft.

Ferrari ist WEC-Weltmeister 2025! Porsche-Klatsche zum Abschied (19:51 Min.)

Ferrari in der WEC: "Familie statt klassisches Rennteam"

Die WEC gilt als zweitwichtigste FIA-Meisterschaft nach der Formel 1. Das Level ist extrem hoch, wenngleich die F1 noch einmal eine eigene Liga in Sachen technischem Wettbewerb darstellt. Dass Ferrari im Kampf der acht Hersteller wie aus einem Guss auftritt und den Familien-Gedanken ausgeprägt vorlebt, gilt neben dem starken Auto aber als einer der Schlüssel für den anhaltenden Erfolg.

"Beim Team war das Ziel, eher eine Familie anstelle eines klassischen Rennteams aufzubauen", sagte Ferraris LMH-Technikchef Ferdinando Cannizzo am Sonntag nach dem WM-Triumph in Bahrain. Der frühere Formel-1-Mann, der während der Schumacher-Ära als Chef-Aerodynamiker im F1-Team arbeitete, führte aus: "Eine Umgebung, in der jeder jedem hilft, die Stimmung immer friedlich ist und niemand dem anderen Vorwürfe macht. Das schafft Motivation und Leidenschaft, die wir in die Arbeit stecken."

WEC: Nur Ferrari setzt durchgängig auf Fahrer-Konstanz

In der WEC ist der Zusammenhalt im gesamten Team umso wichtiger, weil sich die Fahrer im Gegensatz zur Formel 1 die Autos teilen müssen. Ferrari ist der einzige Hersteller, der seit drei Jahren auf die gleichen Fahrer-Lineups setzt und auch für 2026 keine Änderungen anstrebt. Die frischgebackenen Weltmeister Antonio Giovinazzi, Alessandro Pier Guidi und James Calado im #51 Ferrari 499P sowie Miguel Molina/Antonio Fuoco/Nicklas Nielsen im #50 Schwesterauto haben seit 2023 alle Rennen zusammen bestritten.

Signore Cannizzo: "Auch die Fahrermannschaft ist eine Familie, Teil des großen Teams. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis: Jeder kann alles ansprechen. Wenn etwas am Auto nicht funktioniert, sagen sie es offen - und wir sagen ihnen, wo sie sich verbessern können. Diese Art Beziehung steckt wahrscheinlich hinter dem Erfolg und der Steigerung der letzten drei Jahre."

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Ferrari-CEO John Elkann feiert mit Ferraris Weltmeistern in Bahrain, Foto: IMAGO/PsnewZ

Weltmeister-Ferrari schenkt Podest für Teamkollegen her

Gleichzeitig ist Ferrari ein Sonderfall in der WEC: auf der einen Seite die beiden vom Team AF Corse eingesetzten, roten Werks-Autos, auf der anderen das gelbe Auto als Privat-Entry des italienischen Rennstalls. Der zumindest in der Theorie private #83 Ferrari um Robert Kubica darf frei gegen die Werks-Brüder kämpfen - siehe etwa beim diesjährigen Le-Mans-Sieg von Kubica, Yifei Ye und Phil Hanson - spielt im Zweifel aber auch das Teamspiel mit.

So geschehen beim Finale in Bahrain, wo Kubica und Co. noch Chancen hatten, die #51 Crew in der Fahrer-Weltmeisterschaft abzufangen. Der #51 Ferrari war allerdings von Beginn an das schnellste der drei Italo-Autos, während sich der gelbe 499P lange Zeit aufrieb und erst spät den Anschluss zu den Werksautos hinter Doppelsieger Toyota fand.

In den Schlussminuten des Rennens gab #51 Fahrer Pier Guidi freiwillig den dritten Platz und damit das Podest an #50 Pilot Nielsen ab, damit die #50 Crew in der WM-Wertung noch am #6 Porsche vorbeiziehen konnte und Ferrari die Tabelle sogar mit allen drei Autos an der Spitze abschloss. "In den letzten zwei Runden haben wir Alessandro gebeten, Nicklas den Platz zu geben, weil das die einzige Chance war, Ferrari in die vorderen drei WM-Positionen zu bringen - es wäre dumm gewesen, das nicht zu tun", sagte Ferrari-Sportwagenchef Antonello Coletta zu Motorsport-Magazin.com.

"Es gibt für mich keine roten oder gelben Autos. Es gibt Ferrari"

#83 Schlussfahrer Kubica ging in der Schlussphase zwar kurzzeitig an Nielsen vorbei, wenig später wechselten sie aber wieder die Positionen. Die beiden Werks-Ferrari setzten im gesamten Rennen zwecks Stabilität auf eine gemischte Reifen-Strategie (links Hart, rechts Medium), während der Kubica-Ferrari den letzten Doppelstint auf drei harten und einem Medium-Reifen bestritt, in der Hoffnung auf einen gesparten Reifenwechsel.

"Von außen wirkte es kompliziert, aber vieles war vor dem Rennen geplant und als Option hinterlegt", erklärte Coletta. "Als klar war, dass das gelbe Auto den Titel nicht mehr gewinnen kann, ergab sich die Chance, alle drei Ferraris in der Fahrer-WM unter die Top-3 zu bringen. Wir haben die Situation als normales Teamspiel gemanagt. Nicklas war sehr schnell und hat Robert problemlos überholt. Von außen sah das nach viel aus, am Ende war es ein normaler Wechsel."

Und weiter: "Das Rennen war siebeneinhalb Stunden völlig frei. In den letzten 30 Minuten, als klar war, dass Robert, Yifei und Phil den Titel nicht mehr holen können, haben wir es gemanagt. Wir sind ein Team. Es gibt für mich keine roten oder gelben Autos. Es gibt Ferrari. In Le Mans haben wir mit Gelb gewonnen, hier mit Rot. Entscheidend ist, dass Ferrari gewinnt."