Beim großen WEC-Saisonfinale in Bahrain am heutigen Samstag ( ab 12:00 Uhr - Hier kannst du das Rennen live sehen!) wird nicht nur der Kampf um die Vergabe der offenen WM-Titel eine emotionale Angelegenheit. Für prominente Hersteller, Fahrer, Teams und Autos steht der vorerst letzte Auftritt in der Langstrecken-Weltmeisterschaft bevor. Motorsport-Magazin.com fasst die Abschiedstournee zusammen.
Porsche-Rückzug nach drei Jahren
Über allem thront natürlich der werksseitige Rückzug von Porsche nach dem Saisonfinale. Die Zuffenhausener wollen ihre letzte, kleine Chance nutzen und sich gebührend mit dem WM-Titel bzw. Titeln im Gepäck nach drei Jahren verabschieden. Mit Porsche verlässt nicht nur eine der wichtigsten Marken die WEC-Bühne, sondern gleichzeitig der erfolgreichste LMDh-Hersteller: Drei Siege, 15 Podestplätze, drei Pole Positions und der Fahrer-WM-Sieg 2024 geht auf das Konto des Porsche 963.
Die Chancen, dass Porsche in Form des deutschen Kundenteams Proton Competition der WEC erhalten bleibt, schätzen Experten als gering ein. Teameigner Christian Ried wirkte selbst nicht allzu überzeugt, zumal Proton 2026 ein zweites Auto in der Hypercar-Klasse einsetzen müsste. Ohne einen permanent eingeschriebenen Porsche bleibt außerdem offen, ob die Zuffenhausener 2026 wegen ihres IMSA-Titelgewinns wirklich den damit verbundenen Entry für die 24 Stunden von Le Mans erhalten. Das bleibt eine politisch spannende Angelegenheit...
Das WEC-Aus bleibt auch für die Werksfahrer nicht ohne Folgen. IMSA-Champion Mathieu Jaminet hat seinen Abschied nach zehn Jahren bereits angekündigt. Michael Christensen ist schon seit Fuji nicht mehr dabei. Die amtierenden WEC-Weltmeister Kevin Estre und Laurens Vanthoor haben laufende Verträge samt Prototypen-Klausel und werden 2026 wohl in der IMSA an den Start gehen. Laurin Heinrich, der in Bahrain überraschend sein WEC-Debüt im #5 Porsche gibt, könnte nächstes Jahr in der IMSA als dritter Fahrer weitere Prototypen-Einsätze erhalten. "Das ist natürlich mein Ziel, aber Porsche entscheidet", sagt Heinrich zu Motorsport-Magazin.com.
Mick Schumacher vor Alpine-Abschied?
Während der Abschied von Porsche offiziell bestätigt worden ist, schweben über der Zukunft von Mick Schumacher noch Fragezeichen. Weiter WEC oder Wechsel in die IndyCar-Serie, das ist hier die Frage. "Es ist noch alles offen, die nächsten Wochen werden entscheidend sein", antwortet Mick bei Motorsport-Magazin.com.
Und: "Natürlich war die Formel 1 immer das Ziel. Das hat nicht geklappt. Ich habe aber natürlich die Option, woanders Rennen zu fahren, wo es mir auch Spaß macht. Egal, wohin mich die Reise jetzt führt, weiß ich, dass ich eine gute Zeit haben werde." Hört man sich im Fahrerlager von Bahrain um, glaubt kaum noch jemand, dass Schumacher eine dritte Saison in der Langstrecken-WM dranhängen wird. Zu begeistert schien der 26-Jährige vom IndyCar zu sein, das er zuletzt mit dem Mittelfeld-Team RLL in Indianapolis testen konnte. Eine finale Entscheidung über Micks Zukunft könnte noch im November fallen.
Alpine hat in der Theorie bereits vorgesorgt und mit Antonio Felix da Costa einen Weltklasse-Fahrer verpflichtet, der unbedingt zurück in die WEC wollte. Das finale Line-Up für 2026 ist noch nicht bekannt. Schumacher erzielte in seinen zwei WEC-Saisons mit Alpine drei Podestplätze und zählte von Beginn an zu den schnellsten Fahrern im Kader. Die Franzosen wissen um sein Talent und würden ihn gerne halten - Schumacher hat allerdings das seltene Privileg, sich die Rennserie aussuchen zu können.
Jenson Button sagt 'Goodbye'
Ein Gentleman des Motorsport verabschiedet sich aus dem Profi-Motorsport: Jenson Button zieht sich zum Saisonende zurück und will künftig vor allem Spaß haben in klassischen Rennwagen. Der Formel-1-Weltmeister von 2009 bestreitet in Bahrain sein letztes WEC-Rennen im Jota-Cadillac an der Seite von Sebastien Bourdais und Earl Bamber. "Noch mal 70 Runden Spaß haben, dann wird es ein trauriger Abschied", sagt der Brite, der sich künftig mehr auf das Familienleben konzentrieren möchte.
Was Button am wenigsten am Profi-Racing vermissen wird, wollte Motorsport-Magazin.com wissen? "Die Ingenieurs-Meetings! Ich liebe Motorsport, aber diese Autos siond so kompliziert. Man gibt uns so viele Werkzeuge, mit denen man im Auto spielen kann, was beeindruckend ist. Aber: Das nimmt einiges vom Adrenalin und der Spannung, das du vom Rennfahren erhältst. Was du heute mit deinen Händen und Füßen machst, spielt nur noch eine kleine Rolle. Die Technologie mit den Prototypen geht weit über das hinaus, was in der Formel 1 erlaubt ist. Du kannst das Auto für jede Kurve und sogar für jeden einzelnen Bereich der Kurve programmieren!"
Jean-Eric Vergne 'Au revoir' auf Zeit
Die diesjährige Silly Season in der GT- und Sportwagenszene ist wirklich verrückt, aber Peugeot schoss den Vogel ab. Stoffel Vandoorne, den die Franzosen am 11. September offiziell verabschiedet hatten und der beim Bahrain-Finale nicht am Start ist, kehrt nun doch zu einer weiteren Saison zurück.
Hintergrund: Der frühere Formel-1-Fahrer und Formel-E-Weltmeister soll sich bereits weitestgehend einig gewesen sein mit Neueinsteiger Genesis Magma Racing. Dass Vandoorne aber gleichzeitig der Formel E erhalten bleiben wollte und einen Vertrag als Jaguar-Ersatzfahrer unterschrieb, passte Genesis-Boss Cyril Abiteboul nicht in den Kram. Damit platzte der Deal im letzten Moment.
Weil aber zeitgleich der respektierte Peugeot-Stammfahrer Jean-Eric Vergne den Wunsch angemeldet hatte, 2026 etwas kürzer zu treten, um sich in der Formel E auf das neue Citroen-Projekt sowie die Entwicklung des künftigen Peugeot-Hypercars zu konzentrieren, galt Vandoorne als willkommene Alternative. 'Unprofessionell' sagen die einen - 'zweckorientiert' könnte Peugeot argumentieren. Vergne will 2027 in die WEC zurückkehren.
In Bahrain startet Theo Pourchaire erstmals anstelle von Vandoorne und steigt 2026 vom Test- zum Stammfahrer auf. Ebenfalls neu im Werkskader von Peugeot: Formel-E-Vizeweltmeister Nick Cassidy, der nächstes Jahr Mikkel Jensen ersetzen wird. Der schnelle Däne wird mit einem Wechsel zu McLaren in Verbindung gebracht, um den WEC-Einstieg 2027 voranzutreiben.
Toyota schickt sein Hypercar 'in Rente'
Toyota ist nicht unbedingt berühmt für große Veränderungen. Bei den wenigen erlaubten Auto-Updates halten sich die Japaner eher bedeckt und Wechsel im Fahrerkader sind meist kosmetischer Natur. Kein Wunder, schließlich gewann Toyota zuletzt den Hersteller-Titel in der WEC sechsmal in Folge! Dieses Jahr spielt der Hersteller allerdings keine Rolle bei der Titelvergabe und kann in Bahrain den ersten Saisonsieg überhaupt holen.
Zeit also für eine größere Veränderung beim Toyota GR010 Hybrid: 2026 führen die Japaner ein großes Aero-Update an Front und Heck ein, um den Kampf gegen Ferrari und Co. aufzunehmen. Toyota ging sogar soweit, vorab die ersten Bilder des Evo-Prototypen zu veröffentlichen. Die aktuelle Version des GR010 Hybrid war seit 2021 im Einsatz und blickt auf sechs erfolgreiche Jahre zurück.
Teamwechsel bei McLaren unter neuem Sportchef
Nach dem Saisonfinale in Bahrain verabschiedet sich das McLaren-Team United Autosports aus der LMGT3-Klasse und aus der WEC - aber nur kurzzeitig. Der Rennstall um Besitzer Zak Brown kümmert sich 2026 vorrangig um die Entwicklung des McLaren-Hypercars, das 2027 zusammen mit Ford als weiterem Neueinsteiger debütieren wird. McLaren bleibt der Langstrecken-WM mit dem 720 S GT3 aber weiter erhalten: Das Team Garage 59 übernimmt 2026 den Einsatz von United Autosports.
Mit Giorgio Sanna hat McLaren jüngst den neuen Motorsportchef für die GT3-, GT4- und Kundensportprogramme der Briten vorgestellt. Der frühere Rennfahrer arbeitete zuvor neun Jahre lang als Lamborghini-Motorsportchef und baute die Rennsportabteilung inklusive GT3 und LMDh auf. Warum Sanna im März 2024 völlig unerwartet das Unternehmen mit sofortiger Wirkung verlassen musste, darüber wird noch heute wild spekuliert - an mangelndem Erfolg lag es jedenfalls nicht...



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